Folge 6 - Das Rauschen der Muscheln
Shownotes
Warum rauschen Muscheln wenn wir sie ans Ohr halten? Oder bilden wir uns das nur ein? Das klären wir in der heutigen Folge. Viel Spaß damit!
Transkript anzeigen
00:00:00: Stelle mal vor, du stehst am Strand.
00:00:02: Also so richtig die Sonderbrennt so leicht auf den Schultern der Sand ist noch warm unter deinen Füßen.
00:00:07: Oh ja herrlich!
00:00:08: Da will man direkt hin oder?
00:00:10: Ja total und äh...die feuchte salzige Luft weht ihr so ins Gesicht.
00:00:16: Und dann blickst du nach unten und da liegt sie im nassen Sand.
00:00:20: eine riesige perfekt glatte gewundene Kalkschale
00:00:23: Eine ganz klassische Muschel
00:00:25: Genau.
00:00:26: und was hast Du als Kind Instinktiv gemacht, wenn du so etwas gefunden hast.
00:00:31: Du hast sie aufgehoben, den Sand ein bisschen abgeklopft und sie dir direkt ans Ohr
00:00:35: gehalten.".
00:00:36: Das hat wirklich jeder gemacht?
00:00:37: Eben!
00:00:38: Und in exakt dem Moment wo die kalte Schale deine Haut berührt hat war da diese absolute Magie – du hast dieses unverkennbare tiefer Rauschen des Ozeans gehört.
00:00:47: Ein richtiges kleines Wunder
00:00:49: Ja, und das Verrückte ist ja sogar Wochen später wenn du diese Muscheln mit nach Hause genommen hast.
00:00:54: Und völlig fern ab der Küste in deinem stillen Kinderzimmer standest war das Meer scheinbar immer noch da drin.
00:01:03: Als hätte man es eingesperrt.
00:01:05: Willkommen zu unserem heutigen Deep Dive.
00:01:08: Wir nehmen dieses universelle fast schon magische Phänomen heute mal komplett auseinander.
00:01:13: Das wird spannend
00:01:15: Weil als Erwachsene wissen wir natürlich, dass in dieser harten Kalkschale kein winziger Ozean schwappt.
00:01:23: Da brechen ja keine mikroskopisch kleinen Wellen gegen Wände aus Perlmut.
00:01:30: Aber wenn wir diese offensichtliche Illusion einmal bei Seite schieben, stehen wir vor einem echt handfestem physikalischen Paradoxon!
00:01:38: Wenn es nicht das Meer ist – was genau hören wir da eigentlich?
00:01:42: Es ist faszinierend, wie unser Gehirn mit genau solchen Paradoxien umgeht.
00:01:47: Wenn wir mit einem Sinnesreiz konfrontiert werden, den wir uns nicht direkt durch die äußere Umgebung erklären können – in der Muschel ist ja offensichtlich kein Wasser -, dann sucht unser Verstand fast immer zuerst nach der naheliegendsten internen Erklärung.
00:02:02: Also wir suchen die Antwort instektiv in uns selbst!
00:02:05: Ganz genau.
00:02:06: Wir suchen in unserer eigenen Biologie.
00:02:08: Das Gehirn sagt sich quasi okay, wenn draußen nichts ist muss es von drinnen kommen.
00:02:12: Ah und das erklärt ja auch direkt den wohl hartnäckigsten Mythos rund um dieses Thema Wenn kein Wasser in der Muschel ist dann muss es halt die nächstbeste bewegliche Flüssigkeit sein!
00:02:23: Das
00:02:23: eigene Blut richtig
00:02:24: Ja extrem viele Menschen glauben fest daran dass wir unser eigenes Blut hören Und das wird ja teilweise echt eins zu eins von Eltern so an ihre Kinder weitergegeben.
00:02:34: Ja andauernd
00:02:35: Die Theorie besagt ja, dass die Muschel das Rauschen des Blutes, das Ununterbrochen durch die feinen Adern und Kapillaren direkt in unserem Ohr pumpt.
00:02:46: Wieso ein Trichter aufhängt und akustisch verstärkt?
00:02:50: Auf den ersten Blick hat es auch eine gewisse biologische Plausibilität muss man sagen!
00:02:55: Findest du?
00:02:56: Naja,
00:02:56: jeder von uns hat schon mal seinen eigenen Herzschlag gehört.
00:02:59: Wenn wir nachts auf einem bestimmten Ohr liegen oder wenn wir nach einer harten Anstrengung völlig aus der Puste sind dann pocht der Puls ja echt hörbar im Kopf.
00:03:07: Okay, da stimmt!
00:03:09: Blut ist nunmal eine viskose Flüssigkeit die unter Druck durch relativ enge Röhren gepresst wird.
00:03:14: das erzeugt natürlich Reibung und damit auch Schallwellen.
00:03:17: Mh macht Sinn
00:03:18: Die Idee, dass so eine Art Trichterner über dem Ohr dieses körpereigene Geräuch einfach bündelt und lauter macht.
00:03:24: Sodass es wie Wellenrauschen klingt – das ist zumindest ein sehr logischer Erklärungsversuch!
00:03:29: Okay aber da müssen wir jetzt direkt mal reingrätchen.
00:03:32: Lass uns das mal aufdröseln.
00:03:34: Sehr gern.
00:03:34: Weil wenn wir diese Logik mal wirklich zu Ende denken bricht das Konstrukt doch sofort zusammen?
00:03:39: Worauf willst du hinaus?
00:03:41: Naja, angenommen.
00:03:42: Diese Muschel ist tatsächlich eine Art natürliches Stethoskop für unseren Blutkreislauf.
00:03:47: Dann müsste das Geräusch doch zwingend an unseren Puls gekoppelt sein oder?
00:03:50: Richtig!
00:03:51: Stell dir mal vor, du ziehst die Laufschuhe an und rennst im Vollsprint dreimal um den Block.
00:03:55: Okay ich bin außer Atem.
00:03:57: Genau
00:03:57: Dein Herz hemmert dir bis zum Hals der Blutdruck schießt in die Höhe Wenn du dir in exakt Diesen Moment der maximalen körperlichen Belastung, die Muschel ans Ohr hältst.
00:04:08: Dann müsstest du doch eigentlich einen rasenden pochenden Technobiet aus der Schale hören oder halt ein extrem aggressives Rauschen!
00:04:17: Das ist ein tolles Gedankenspiel und genau dieser einfache Belastungs-Test wurde in der Forschung auch schon unzählige Male durchgeführt.
00:04:25: Und?
00:04:26: Was kam raus?
00:04:27: Das Ergebnis ist völlig eindeutig – das Geräusch in der Muschell bleibt einfach völlig stoisch.
00:04:32: Es verändert sich nicht im Geringsten.
00:04:34: Echt, gar nicht?
00:04:35: Null!
00:04:36: Ob du meditativ auf dem Sofa liegst und einen Ruhepuls von sechzig hast oder ob dein Puls nach einem Sprint bei hundred-achtzig liegt das Rauschen aus der Kalkschale behält exakt dieselbe Lautstärke dasselbe Tempo und denselben Rhythmus.
00:04:49: Wahnsinn!
00:04:49: Es gibt kein Pochen keine Synchronität mit der Süßtole oder Diastole deines Herzens.
00:04:55: ein echtes medizinisches Stethoskop fängt ja die mechanischen Schwingungen des Körpers direkt an der Oberfläche auf.
00:05:03: Die Muschel hingegen reagiert wirklich absolut null auf deinen Blutdruck.
00:05:08: Das wirft dann natürlich eine wichtige Frage auf,
00:05:10: nämlich
00:05:12: wenn der menschliche Blutkreislauf als Ursache für dieses Rauschen komplett ausscheidet?
00:05:17: Woher kommt denn der Schall?
00:05:18: Okay unser Körper ist also komplett raus Aber das wirft ja direkt das nächste massive Problem auf.
00:05:26: Wenn die Geräuschquelle definitiv nicht in mir liegt, dann muss sie zwingend von außen kommen – also aus meiner Umgebung.
00:05:33: Logisch?
00:05:34: Ja!
00:05:34: Aber wie oft halten wir uns so eine Muschel ans Ohr wenn wir ganz allein in einem Raum sind?
00:05:40: Weißt du, du sitzt abends im Schlafzimmer, Fenster sind zu, niemand redet, Fernseher ist aus…
00:05:44: Es ist vermeintlich Totenstill.
00:05:46: Genau Du nimmst die Muscheln hältst sie ans Ohr und sofort ist da dieses laute, gewaltige Rauschen.
00:05:53: Wenn die Quelle im Außen liegt, dieses Außen aber absolut still ist!
00:05:59: Wie kann das physikalisch überhaupt funktionieren?
00:06:02: Ich meine wo kein Schall ist, kann doch auch keinen Schall verstärkt werden.
00:06:06: Ja, das ist der klassische Denkfehler – und er liegt hier in unserem Verständnis von Stille.
00:06:12: Das, was wir im Alltag als still bezeichnen ist für einen Akustiker eigentlich ein orenbetäubender Lärm.
00:06:18: Ernsthaft jetzt?
00:06:20: Ja!
00:06:21: Absolute Stille also die völlige Abwesenheit von Schallwellen existiert in unserer natürlichen Umgebung praktisch einfach nicht.
00:06:28: Selbst in einem extrem gut schallisolierten Raum gibt es Mikrovibrationen.
00:06:32: Krass!
00:06:33: In einem normalen Schlafzimmer bist du permanent von einem dichten Teppich aus Hintergrundgeräuschen umgeben, dem sogenannten weißen Rauschen.
00:06:40: Okay und was genau ist das dann in meinem Zimmer?
00:06:43: Das ist zum Beispiel das extrem leise konstante Sorren des Kühlschranks in der Küche nebenan oder... Der Wind, der draußen echt nur minimal an der Hauswand streicht und das Mauerwerk in kaum messbare Schwingungen versetzt.
00:07:00: Aha!
00:07:01: Auch das tiefe Brummen vom fernen Straßenverkehr, das pflanzt sich ja als Körperschall kilometerweit durch den Erdboden und die Gebäudestruktur fort.
00:07:09: Sogar die feinen Luftströme deiner eigenen Heizung oder des zirkulierenderer Atemluft erzeugen Schallwellen.
00:07:15: Dieser diffuse Lärmteppich ist einfach permanent da!
00:07:19: Das heißt also wir schwimmen eigentlich permanent in einer akustischen Suppe?
00:07:23: Aber unser Gehirn blende das einfach komplett aus.
00:07:26: Wie
00:07:26: gesagt... Hier
00:07:27: wird es wirklich interessant.
00:07:29: Extrem gut trainierter Spam-Filter in meinem E-Mail-Postfach.
00:07:33: Schöner Vergleicher!
00:07:34: Weil dieses ständige Hintergrundrauschen, also der Kühlschrank die Heizung für mein Überleben völlig unwichtig ist markiert mein Gehirn das einfach als Spam.
00:07:43: Es blockt diese Geräusche ab bevor sie meinen Bewusstsein überhaupt erreichen.
00:07:47: Richtig damit du genug kognitive Kapazität hast um dir wirklich wichtigen Dinge zu hören.
00:07:51: Ein herannahendes Auto zum Beispiel oder jemanden der deinen Namen ruft
00:07:55: Wahnsinn.
00:07:56: In der Neurologie nennt man diesen Prozess Habituation.
00:07:59: Unser Nervensystem ist voll darauf programmiert auf Veränderungen zu reagieren, ein kontinuierlicher monotone Reiz wird nach kurzer Zeit buchstäblich herausgefiltert.
00:08:08: Also das Gehirn schaltet einfach auf Stumm?
00:08:10: Genau!
00:08:10: Die neuronen Feuern einfach nicht mehr so stark wenn das Kühlschrankbrummen stundenlang gleich bleibt.
00:08:15: dein Spam-Filtervergleich trifft es echt sehr gut.
00:08:17: Der Schall ist physikalisch im Raum präsent, der trifft auf deinen Trommelfell aber dein Gehirnen verweigert die bewusste Verarbeitung.
00:08:25: Und hier kommt dann die Muschel ins Spiel, oder?
00:08:28: Richtig!
00:08:29: Sie ist das Werkzeug, dass diesen neuronalen Spam-Filter austrickst.
00:08:32: Okay...
00:08:33: wie
00:08:33: genau?!
00:08:34: Indem sie dieses unbewusste Rohmaterial der ganzen Alltagsgeräuschen nimmt und akustisch derart massiv umformt, dass das Gehirn des plötzlich als ein völlig neues dominantes Signal wahrnimmt.
00:08:45: Die Mails landen quasi wieder in dein Posteingang.
00:08:48: Genau an diesem Punkt müssen wir mal tiefer in die Mechanik eintauchen.
00:08:52: Denn selbst wenn ich jetzt akzeptiere, dass mein Zimmer voll von unsichtbarem Kühlschrankbrummen und Windgeräuschen ist.
00:08:59: Das klingt ja alles überhaupt nicht nach dem Strand!
00:09:03: Ein Kühl-Schrank summt das Meer rauscht.
00:09:06: Wie macht diese Muschel aus diesem drögen grauen Alltagsbrei plötzlich dieses majestätische vielschichtige Geräusch vom brechendem Ozeanwellen?
00:09:16: Hier verlassen wir doch die Biologie und betreten die Welt der Physik
00:09:19: oder?!
00:09:20: Absolut.
00:09:21: Und um diesen Umwandlungsprozess zu verstehen, müssen wir uns mit einem Prinzip beschäftigen das nach dem deutschen Physiker Hermann von Helmholtz benannt ist.
00:09:32: Okay?
00:09:33: Helmholz war im neunzehnten Jahrhundert einer der brillantesten Köpfe eine Art Universalgelehrter.
00:09:39: Der hat sich extrem intensiv mit Akustik beschäftigt.
00:09:43: Er stand vor dem riesigen Problem, dass er Frequenzen in der Luft analysieren wollte.
00:09:48: Es aber damals ja noch keine elektronischen Mikrofone oder Oszilloskope gab.
00:09:52: Er musste also basteln!
00:09:53: Er musste sich auf rein mechanische und geometrische Lösungen verlassen.
00:09:58: Dabei entdeckte er das Hohlräume mit einer ganz bestimmten Öffnung dazu in der Lage sind spezifische Frequenz aus einem diffusen Klang-Gemisch herauszufiltern und enorm zu verstärken.
00:10:09: Okay...
00:10:11: Diese Gebilde nennen wir heute Helmholtz-Resonatoren.
00:10:13: Um das greifbar zu machen, stell dir einfach eine leere bauchige Glasflasche vor über deren Hals du pustest.
00:10:20: Okay also ein Holraum mit einer Öffnung aber wenn das wirklich die einzige Definition ist dann müsste ja meine ganz normale Kaffeetasse, wenn ich sie mir ans Ohr halte exakt denselben Effekt haben wie diese wunderschöne Karibikmuschel oder?
00:10:34: Rein theoretisch schon!
00:10:36: Ja.
00:10:36: Aber
00:10:36: wenn ich eine leere Tasse ans Ohr halte, dann höre ich halt nicht das mehr?
00:10:39: Ich höre eher so ein dumpfes metallisches...ich weiß nicht!
00:10:43: So einen Huch als würde ich in ein leeres Rohr sprechen.
00:10:47: Warum ist die Muschel da besonders?
00:10:49: Das ist eine hervorragende Frage.
00:10:51: Die Kaffeetasse ist tatsächlich ein simpler Helmholtz-Resonator genau wie die Flasche aber ihre Geometrie ist eben extrem simpel.
00:11:00: Eine Tasse ist im Grunde ja einfach nur ein Zylinder.
00:11:04: Wenn der diffuse Schall aus deinem Zimmer, also dieses weiße Rauschen in die Tasse eindringt, prallen die Schallwellen an dem geraden Wänden ab.
00:11:12: Aufgrund der simplen Form wird da nur ein sehr schmales Frequenzband oft nur ein einzelner dummfer Ton verstärkt.
00:11:18: Ah und alle anderen Frequenzen verpufen dann einfach?
00:11:21: Genau!
00:11:22: Die Muschel hingegen – speziell diese klassische Kongschale ist architektonisch ein absolutes Meisterwerk.
00:11:29: Sie besitzt eine logarithmische Spirale.
00:11:31: Okay, logarithmische Spirale das musst du mir erklären.
00:11:34: Das
00:11:34: bedeutet dass innere besteht aus einem gewundenen Korridor und dieser Korridour verjüngt sich kontinuierlich und nach ganz streng matematischen Regeln je tiefer man hineingeht.
00:11:46: Die
00:11:46: Schallwellen fliegen also in die Muschel rein und finden nicht einfach nur eine glatte Wand wie bei meiner Kaffeetasse Richtig Sondern einen immer enger werdenden Tunnel der sich in sich selbst eindreht.
00:11:57: Exakt!
00:11:59: und beginnen an der extrem harten, glatten Kalkoberfläche abzuprallen.
00:12:06: Und weil dieser Raum gewunden ist werden sie kreuz- und quer in unendlich viele verschiedene Richtungen und Winkel reflektiert.
00:12:13: Ein richtiges Chaos also?
00:12:15: Ja!
00:12:15: Und jetzt passiert das was Physiker Interferenz nennen.
00:12:19: Wenn Schallwellen wild durch diesen Hohlraum schießen prallen Sie natürlich auch ständig aufeinander.
00:12:24: Okay
00:12:25: Manchmal treffen das Tal der einen Welle und der Berg einer anderen Welle genau aufeinander Dann löschen sie sich gegenseitig aus.
00:12:33: Das ist destruktive Interferenz.
00:12:35: Diese Frequenzen werden dann von der Muschel also regelrecht geschluckt?
00:12:38: Ganz genau, aber an anderen Stellen und das wird durch die spiralförmigen Abstände im Gehäuse begünstigt treffen Wellenberge exakt auf Wellen Berge.
00:12:49: Sie addieren sich, sie schaukeln sich richtig hoch.
00:12:53: Das nennt man konstruktive interference.
00:12:55: Also was bedeutet das alles im Endeffekt?
00:12:58: Durch die komplexe, sich verjüngende Spirale passiert das alles nicht nur bei einem einzigen Ton wie bei der Kaffeetasse sondern über ein extrem breites aber sehr spezifisch gefiltertes Spektrum an Frequenzen.
00:13:11: Die Muschel wirkt wie ein passiver akustischer Filter.
00:13:15: Letztendlich ist die Muschell also nichts anderes als ein passiva geometrischer Audio-Ecolizer.
00:13:21: Der pickt aus dem Diffusenbrei unseres Alltags genau die Frequenzen heraus, die dann zufällig exakt wie das Meer klingen.
00:13:30: Besser kann man es nicht zusammen fassen!
00:13:32: Aber was hier wirklich faszinierend ist?
00:13:35: Es ist nicht nur die reine Physik – hier kommt nämlich auch unsere Psychologie ins Spiel.
00:13:40: Inwiefern?
00:13:41: Bei unser Gehirn Muster über alles liebt.
00:13:44: Es nimmt dieses spezielle komplexe Frequenz-Gemisch aus der Muschel und sucht nach einer Bedeutung.
00:13:50: und weil breitbandiges Rauschen der akustischen Signatur von Wasser so ähnlich ist, assoziiert es dieses Geräusch sofort mit dem vertrauten Klang des Ozeans.
00:13:59: Wahnsinn!
00:14:01: Wenn das alles aber nur reine Physik-und Geometrie ist, dann bedeutet das ja dass wir das Meer gar nicht brauchen um diesen Effekt zu reproduzieren.
00:14:09: Wir könnten die Variabeln einfach selbst verändern.
00:14:12: Völlig richtig.
00:14:13: Und das bringt uns zu einem weiteren faszinierenden Fakt Die Tonhöhe des Rauschens hängt nämlich direkt vom Volumen der eingeschlossenen Luft ab.
00:14:22: Okay, das heißt die Größe der Muschel spielt eine Rolle?
00:14:25: Eine enorme Rolle!
00:14:27: Eine sehr große Konchmuschel erzeugt durch ihr riesiges Luftvolumen eine viel tieferere Frequenz – das klingt voluminös-bassig.
00:14:35: Während eine kleine Muschell deutlich höher und zischender klingt.
00:14:39: Wow okay… Und weißt du was?
00:14:41: Du kannst dieses physikalische Gesetz genau jetzt einfach mal testen Völlig ohne Muschel.
00:14:47: Genau, das Labor führt zu Hause!
00:14:49: Forme
00:14:49: dafür einfach mal deine beiden Hände zu einer Holenschale so als würdest du Wasser aus dem Wasserhahn auffangen wollen und diese Schale aus deinen Händen legst Du jetzt fest über Deine Ohren.
00:15:00: In dem Moment fungieren deine Hände nämlich als improvisierter Helmholz-Resonator.
00:15:05: Krass
00:15:05: oder?
00:15:06: Was genau muss man da jetzt beachten?
00:15:08: Hör mal kritisch hin und mach aktiv mit.
00:15:10: Wenn Du die Hände ganz eng anlegst und flach drückst und sie danach wieder etwas weiter zu einer Kuppel öffnest, dann veränderst du aktiv das Volumen.
00:15:20: Oh ja stimmt!
00:15:21: Du wirst sofort hören wie sich die Tonhöhe des Rauschens anpasst Wenn wir das mal mit dem großen Ganzen in Verbindung bringen.
00:15:28: dieses kleine Experiment zeigt unfassbar gut wie sehr unsere Anatomie und unsere physische Formen bestimmen wie wir die unsichtbare Welt der Schallwellen eigentlich wahrnehmen.
00:15:39: Das ist wirklich erstaunlich.
00:15:41: Wir haben unsere heutige Analyse mit der total romantischen Vorstellung eines gefangenen Ozeons bekommen, wir haben gelernt dass der Mythos mit dem Blutkreislauf quatsch ist und in Wahrheit hören wir einfach den akustisch gefilterten und verstärkten Soundtrack unseres ganz eigenen Alltags!
00:15:59: Ja die Magie liegt echt nicht im Meer sondern in der brillanten Akustik einer Kalkschale und unserer eigenen Wahrnehmung
00:16:06: Definitiv.
00:16:07: Aber weißt du, ich würde dich und unsere Zuhörer gerne noch mit einem weiterführenden Gedanken entlassen der genau auf diesem Konzept aufbaut.
00:16:15: Wenn eine simple Handbewegung oder eine kleine Kalkschale als Resonator schon ausreicht um die unhörbare Welt um uns herum plötzlich hörbar zu machen Welche riesigen unsichtbaren Helmholz-Resonatoren umgeben uns dann jeden Tag in unserer modernen Welt?
00:16:29: Oh wow
00:16:31: Ist vielleicht ein ganzes Schlafzimmer Die Architektur deines Büros oder die U-Bahnstationen, in der du vielleicht gerade stehst.
00:16:38: In Wahrheit ein gigantischer Resonanzraum?
00:16:41: Ein Raum, der permanent bestimmte Frequenzen deines Lebens verstärkt oder schluckt ohne dass du es jemals bemerkst?
00:16:48: Das ist echten Gedanke, der alles verändert – das eigene Büro als gigantische Muschel!
00:16:56: Vielen Dank für's dabei sein und dieses gemeinsame Eintauchen in die Materie heute.
00:17:00: Schön, dass du bei dieser Analyse zugehört hast.
00:17:03: Bis zum nächsten Deep Dive.
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