Folge 5 - Die lebenden Laternen

Shownotes

Heute geht es um die lebenden Laternen. Wolltet ihr nicht immer mal wissen wie und warum die Leuchten? Das klären wir jetzt! Viel Spaß dabei :)

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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen.

00:00:02: Schön, dass du heute dabei bist!

00:00:04: Ich bin euer Host und freue mich auf unsere heutige Analyse.

00:00:08: Hallo zusammen!

00:00:10: Ja ich freue mich auch riesig hier zu sein und als Experte meine Perspektive zu diesem tollen Thema beizutragen.

00:00:17: Sehr cool also stell dir mal vor es ist eine wirklich richtig laue Sommernacht.

00:00:23: Herrlich

00:00:24: Du sitzt im Garten oder vielleicht spazierst du gerade in der Dämmerung an so einer Wiese entlang?

00:00:30: Die Luft steht fast, alles ist komplett ruhig.

00:00:34: Ja

00:00:34: Und dann ganz plötzlich tauchen sie auf kleine grünlich-gelbe Lichtpunkte.

00:00:40: Oh ja wunderschön!

00:00:42: die

00:00:42: navigieren da völlig lautlos durch die Dunkelheit und blinken in einem ganz bestimmten fast schon hypnotischen Rhythmus.

00:00:51: Ein Aufblitzen hier im hohen Gras, ein sanftes Schwäben rüber zu den Büschen.

00:00:58: Ich finde das ist ein Bild, dass einen sofort in die Kindheit zurückversetzt.

00:01:02: Wir alle haben doch irgendwann mal versucht diese winzigen fliegenden Laternen mit den Händen zu fangen.

00:01:08: Ja oder mein Stand einfach nur völlig gebannt da und hat zugeguckt?

00:01:12: Genau, und heute nehmen wir uns Notizen über die magischen Dinge des Alltags vor.

00:01:17: Und genau dieses Leuchten steht im Zentrum unserer heutigen Quellen!

00:01:22: Wir wollen nämlich nicht nur staunen – wir wollen entschlüsseln wie diese Tiere eigentlich funktionieren.

00:01:28: Absolut!

00:01:29: Denn hinter diesem scheinbaren Zauber verbirgt sich ein technologisches und biologisches Meisterwerk.

00:01:36: Aber um das zu verstehen, müssen wir direkt zu Beginn ein massives sprachliches Missverständnis aus dem Weg räumen.

00:01:44: Das müssen wir definitiv!

00:01:46: Unsere Quellen sind da nämlich glasklar.

00:01:48: Wir sitzen da alle einem Etikettenschwindel auf.

00:01:51: Genau wie nennen sie ja Glühwürmchen?

00:01:54: Aber das ist ja als würde man einen Seepferd ihn für ein Pferd halten.

00:01:58: Exakt wenn wir uns die biologische Klassifikation mal ansehen wird sofort klar dass der Begriff Wurm da völlig irreführend ist.

00:02:08: Biologisch betrachtet haben wir es hier keineswegs mit Würmern zu tun.

00:02:11: Diese Tiere gehören zur Familie der Lampyridee und das macht sie unmissverständlich zu Käfern.

00:02:19: Die Fähigkeit, die sie so berühmt macht also dieses Erzeugen von Licht aus dem eigenen Körper heraus.

00:02:25: Das nennt man Bio-Luminiscense Aber Würmer sind das definitiv nicht.

00:02:33: Das finde ich schon wieder so faszinierend an unserer Sprache!

00:02:35: Wir wachsen alle mit diesem Begriff auf, der steht in jedem Kinderbuch?

00:02:40: Ja überall...

00:02:41: Aber warum nennen wir ein fliegendes Insekt, dass ja ganz offensichtlich Flügel hat und rumfliegt einen

00:02:48: Wurm?!

00:02:49: Ich meine, Würmer leben im Boden, sie kriechen, die haben noch einen völlig anderen Körperbau.

00:02:54: Wie kommt es zu einer massiven kollektiven Fehlbenennung?

00:02:58: Das wirft eine wirklich wichtige Frage auf.

00:03:01: Und das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie der menschliche Verstand arbeitet.

00:03:06: Wir kategorisieren unsere Umwelt oft primär nach dem allerersten visuellen Eindruck.

00:03:11: Okay also nicht nachdem was wirklich da

00:03:14: ist Genau weniger nach den anatomischen Feinheiten die einen Biologe unter dem Mikroskop sehen würde.

00:03:20: Die Familie der Lampiorida hat nämlich eine Besonderheit.

00:03:24: Welche denn?

00:03:25: Bei vielen Arten sehen die Larven aber eben auch die ausgewachsenen, flugunfähigen Weibchen tatsächlich eher wie kleine segmentierte Larven aus.

00:03:33: Ah okay!

00:03:34: Sie haben keine ausgeprägten Flügel wie die Männchen.

00:03:37: Die halten sich am Boden auf, verstecken sich im Gras oder eben unter Blättern

00:03:42: Verstehe.

00:03:43: und wenn ich dann nachts durch eine Wiese gehe

00:03:46: Genau du schaust nach unten Und dann siehst Du da ein kleines griechendes leuchtendes Etwas.

00:03:51: Für das ungeschulte Auge sieht es dann halt aus wie ein leuchtender Wurm.

00:03:56: Macht total Sinn!

00:03:57: Die Wissenschaft ist präzise, aber der Volks uns sagt einfach was er sieht.

00:04:01: Ganz genau.

00:04:02: Okay also lass uns das mal festhalten... Es sind Käfer.

00:04:06: Fliegende, leuchtende Käfer.

00:04:08: Aber äh genau da setzt für mich das eigentliche Rätsel an Ein Käfer is ja ein wahnsinnig winziger Organismus.

00:04:16: Wie um alles in der Welt wird der Hinterleib von so einem Insekt zu einer funktionierenden Lampe?

00:04:22: Unsere Quellen zoomen daher mikroskopisch nah ran an diese leuchtenden Segmente.

00:04:27: Ja, das tun sie und es ist wohl eine reine chemische Reaktion!

00:04:32: Mein allererster Gedanke war da sofort... Das ist wie bei diesen Plastikknicklichtern die man auf Konzerten bekommt.

00:04:38: Ah

00:04:39: ja – das gute alte Knicklicht

00:04:40: Genau.

00:04:41: Da bricht man eine innere Kapsel, zwei Flüssigkeiten mischen sich und zack es leuchtet!

00:04:47: Ist das Prinzip im Käfer identisch?

00:04:50: Der Gedanke mit dem Knicklicht ist ein sehr, sehr guter Ausgangspunkt weil er das Grundprinzip der Chemolumineszenz gut veranschaulicht.

00:04:59: Okay

00:05:00: Also ja Es ist eine chemische Reaktion.

00:05:03: Was im Hinterleib dieser Käfer abläuft ist aber um ein vielfaches eleganter und komplexer

00:05:09: Inwiefern.

00:05:10: Das Insekt hat im Laufe der Evolution hochspezialisierte Zellen entwickelt, die fast wie winzige maßgeschneiderte chemische Fabriken funktionieren.

00:05:18: Wahnsinn!

00:05:19: In diesen Zellen lagern zwei Hauptakteure – das ist einmal ein Molekül namens Luciferin und ein Enzym namens Luciferase.

00:05:27: Okay, lass uns das mal aufdröseln….

00:05:30: Luciferrin und Luciferase ….

00:05:33: aber wenn ich an mein Knicklicht denke….

00:05:36: Sobald ich das knicke und sich das mischt, leuchtet es ja einfach ununterbrochen weiter.

00:05:41: Richtig!

00:05:42: Bis die Reaktion irgendwann durch ist.

00:05:43: Ich kann das Licht ja nicht einfach zwischendurch mal kurz ausschalten Aber Glühwürmchen blinken ja Die pulsieren?

00:05:50: Wie kontrollieren sie das denn wenn es doch nur eine chemische Mischung ist?

00:05:54: Und genau da hinkt der Vergleich mit dem Knicklicht dann doch.

00:05:57: Die chemische Reaktionen im Glühwirmchen sind nämlich kein unkontrollierter Prozess.

00:06:02: Luciferin und Luciferase allein reichen gar nicht aus, um Licht zu erzeugen.

00:06:07: Ach da fehlt noch was!

00:06:08: Ja es fehlt ein absolut entscheidender dritter Baustein – und zwar Sauerstoff.

00:06:14: Sauerstof?

00:06:15: Genau das Enzym-Luciferase fungiert als Katalysator.

00:06:19: Das bringt quasi dass Luciferrin dazu mit dem Sauerstoffs zu reagieren.

00:06:23: Und erst in den Moment in dem der Sauerstofe hinzukommt wird Energie in Form von Licht freigesetzt.

00:06:29: Warte mal, das bedeutet also der Käfer nutzt Sauerstoff als eine Art biologischen Lichtschalter.

00:06:35: Völlig

00:06:35: richtig!

00:06:36: Er kontrolliert echt die Zufuhr auf zellulärer Ebene?

00:06:39: Exakt dass... Das ist das eigentliche Wunder dieser Zellen.

00:06:42: Das Glühwürmchen atmet gewissermaßen des Licht an und aus.

00:06:46: Das is ja poetisch.

00:06:47: Wahnsinn.

00:06:48: Ja oder?

00:06:49: Durch die präzise Steuerung der Sauerstoffsufuher in diese speziellen Leuchtzellen kann das Insekt die chemische Reaktion wirklich Sekunden genau starten und wieder stoppen.

00:06:58: Das ist also kein passives Auslaufen von Chemikalien wie im Knicklicht, dass es ein hoch aktiver neurologisch gesteuerten Prozess.

00:07:07: Der Käfer entscheidet wann er leuchtet, wie lange er leuchte und in welchem Rhythmus.

00:07:12: Ich finde das wirklich erstaunlich.

00:07:14: Wir sprechen hier von einem winzigen Insekt, dass ein vollfunktionsfähiges biologisches Ventil für Sauerstoff besitzt um eine chemische Reaktion zu

00:07:23: takten.

00:07:24: Aber die Quellen heben da noch einen weiteren Punkt hervor der fast noch verblüffender ist als dieser Schalter selbst!

00:07:30: Du meinst die Temperatur?

00:07:32: Genau es geht um die Qualität von diesem Licht.

00:07:35: Es wird als kaltes Licht beschrieben.

00:07:38: Wenn ich da an die Technologie denke, die wir Menschen entwickelt haben dann fällt mir sofort auf wie unfassbar ineffizient wie oft sind.

00:07:46: Nehme eine ganz klassische Glühbirne wenn ich die anfasse nachdem die neweile an war Dann verbrenn' nicht mehr massiv die Finger.

00:07:53: Definitiv.

00:07:55: Unsere Quellen besagen aber dass die Energie ausbeute also der Wirkungsgrad bei der Biolumineszenz des Glühwürmchens Bei fast ein hundert Prozent liegt.

00:08:06: Kann das wirklich stimmen?

00:08:08: Das Faszinierende daran ist, es ist fast unglaublich aber die Messungen bestätigen das tatsächlich.

00:08:15: Die Effizienz liegt bei Nare zu einhundert Prozent.

00:08:18: Krass!

00:08:19: Um das mal in Relation zu setzen müssen wir uns ansehen wie physikalisch Licht bei uns Menschen meistens erzeugt wurde in der Vergangenheit.

00:08:27: Historisch gesehen haben wir immer den Umweg über die Thermodynamik genommen.

00:08:31: Also über Hitze?

00:08:32: Genau Ob das nun ein Lagerfeuer ist, eine Kerze oder eben die von dir erwähnte Wolfram Glühbirne.

00:08:38: Das Prinzip ist immer exakt dasselbe – wir erhitzen etwas so stark bis es anfängt zu glühen.

00:08:44: Okay!

00:08:44: Licht ist in diesen Fällen eigentlich nur das Nebenprodukt von massiver Hitze.

00:08:49: D.h.,

00:08:49: also eine herkömmliche Glühbürne ist mehr Einheitskörper als eine Lampe?

00:08:54: Exakt!

00:08:56: Eine klassische Glühbürne wandelt maximal fünf bis zehn Prozent der zugeführten elektrischen Energie ins sichtbares Licht um

00:09:02: Nur fünf bis zehn Prozent.

00:09:03: Ja, die restlichen neunzig bis fünfundneunzig Prozent verpuffen völlig nutzlos als Infrarotstrahlung also als Abwärme.

00:09:10: Deshalb verbrennst du dir die Finger.

00:09:12: Wahnsinn!

00:09:13: Und selbst moderne LEDs geben noch Wärme ab und brauchen oft zu Kühlkörper damit sie nicht kaputt gehen.

00:09:18: Das Glühwürmchen hingegen erzeugt bei seiner chemischen Reaktion so gut wie überhaupt keine Wärmen.

00:09:23: Das ist wirklich ein evolutionäres Meisterwerk.

00:09:26: Absolut!

00:09:27: Fast die gesamte investierte biochemische Energie wird direkt in Photonen, also in Licht umgewandelt.

00:09:33: Das ist aus technologischer Sicht quasi der absolute heilige Graal der Effizienz.

00:09:37: Wenn man da mal drüber nachdenkt, ist das schon eine kleine Demütigung für unsere menschliche Ingenieurskunstner?

00:09:43: Kann man so sagen ja...

00:09:44: Wir bauen Autos, wir fliegen ins All.

00:09:47: Aber bei der Effizienz von Lichtquellen hinken wir einer millionen Jahre alten Insektenart so weit hinterher.

00:09:54: Wobei?

00:09:55: die körpereigene Produktion von so einem Licht muss ja auch einen enormen biologischen Aufwand bedeuten.

00:10:00: Ohja das ist nicht gratis!

00:10:02: Die Energie dafür muss sich der Käfer erst mühsam durch Nahrung beschaffen.

00:10:06: Aus evolutionärer Sicht frage ich mich da sofort warum dieser ganze Aufwand?

00:10:10: Wenn ein Insekt nachts im Dunkeln hell aufleuchtet, schreit es doch förmlich.

00:10:15: Hier bin ich frismig!

00:10:16: Ja das ist wie eine Zielscheibe.

00:10:18: Eben – Das Risiko von einem Raubtier entdeckt zu werden steigt enorm.

00:10:22: Der Nutzen muss das Risiko also massiv übersteigen.

00:10:25: Das ist ne hervorragende Beobachtung.

00:10:27: Evolution duldet ja keine Verschwendungen.

00:10:30: Genau

00:10:30: wenn ein Organismus so viel Energie in einer Eigenschaft investiert und sich gleichzeitig derart sichtbar für Fressfeinde macht dann muss es ums Nackteüberleben gehen.

00:10:40: Oder?

00:10:41: Um noch präziser zu sein, um die Fortpflanzung!

00:10:44: Okay also Sex-Sells auch bei Glühwürmchen...

00:10:47: Ganz genau!

00:10:49: Die Evolution wird durch die erfolgreiche Weitergabe von Genen angetrieben und genau dafür ist das Licht da.

00:10:55: Es ist keine reine Lightshow im Garten, es ist eine komplexe Sprache

00:10:59: Und hier wird es wirklich interessant.

00:11:01: Unsere Quellen vergleichen das ja humorvoll fast mit so einer optischen Dating-App oder einem extrem komplexen Morsecode.

00:11:09: flört!

00:11:10: Das trifft's ganz gut, ja?

00:11:12: Männchen und Weibchen unterhalten sich.

00:11:14: Jede Art hat offenbar ihren völlig eigenen Rytlos.

00:11:17: Ein Männchin fliegt also durch die Gegend und sendet sein spezifisches Blinkmuster.

00:11:21: Richtig.

00:11:22: Manche machen das ganz schnell andere langsamer manche in ganz bestimmten zeitlichen Intervallen Und das Weibchen, dass ja Flug unfähig unten im Gras sitzt wie wir gelernt haben.

00:11:33: Das beobachtet diese Lichtshow.

00:11:35: Sie sieht das Signal und antwortet offenbar nur wenn der Code exakt zu ihrer Art passt und ihr die Ausführung quasi gefällt.

00:11:43: Es ist wirklich ein artspezifischer Dialog.

00:11:45: Wenn man das große Ganze betrachten musst du dir vorstellen Auf so einer sommerlichen Wiese fliegen oft verschiedene Glühwürmchenarten gleichzeitig herum.

00:11:54: Ohne diese präzisen Muster wäre das ein völliges Chaos.

00:11:58: Das Männchen funkt seinen Code, sozusagen ich bin ATA.

00:12:02: Ich bin gesund bist du da und das Weibchen von ATA wartet genau auf diesen Rhythmus.

00:12:09: Und erst wenn das Intervall die Dauer des Aufblitzens und vielleicht sogar die Flugbahn stimmen,

00:12:14: ist ein stiller Dialog im Dunkeln nur aus Licht.

00:12:18: Aber unsere Quellen zeigen auch dass dieses Werkzeug nicht immer nur für diese zärtliche Partnerfindung genutzt wird.

00:12:24: Leider nein!

00:12:25: Die Natur ist da wohl nicht immer nett.

00:12:27: es gibt offenbar Arten die dieses System auf eine sehr sehr düstere Weise missbrauchen.

00:12:33: Ja dort wo Kommunikation existiert gibt es halt immer auch Täuschungen.

00:12:38: Einige Glühwürmchen-Arten haben gelernt, das Lichtsystem für sehr viel robustere Zwecke einzusetzen.

00:12:43: Zunächst einmal gibt es die defensive Nutzung.

00:12:46: Also Verteidigung?

00:12:47: Genau!

00:12:48: Ein plötzliches helles Aufleuchten kann einen nachtaktiven Fressfeind für einen Moment erschrecken oder irritieren.

00:12:54: Oft ist es auch ein Warnsignal – das nennt man das Aprosematismusprinzip.

00:12:59: Okay und was heißt das?

00:13:00: Das Licht signalisiert dem Raubtier dass der Käfer giftig ist oder schlichtweg fruchtbar schmeckt.

00:13:07: Das ist die Verteidigung, das verstehe ich.

00:13:09: Aber es gibt da noch diese andere extrem perfide Strategie von der in den Notizen die Rede ist – die aggressive Mimikrie!

00:13:19: Oh ja…das ist in der Tat einer der faszinierendsten aber auch grausamsten Aspekte der Bioluministenz.

00:13:26: Es gibt nämlich Weibchen bestimmter Arten, die haben im Laufe der Evolution gelernt, die Blinkmuster von Weibchern einer völlig anderen Art perfekt zu imitieren.

00:13:35: Warte wirklich?

00:13:37: Sie fälschen den Morse-Code einer fremden Art?

00:13:40: Ganz genau.

00:13:41: Sie sitzen im Gras, sehen ein Männchen der fremde Art am Himmel blinken und anstatt ihr eigenes Signal zu senden... Ja?

00:13:47: Funken sie.

00:13:48: die exakte Antwort, die dieses fremdemännchen von einem paarungsbereiten Weibchen erwartet.

00:13:53: Ach du meine Güte!

00:13:54: Das Männchensied das Signal denkt.

00:13:56: es hat das große losgezogen und fliegt voller Vorfreude nach unten ins Gras.

00:14:01: aber dort wartet kein Date auf ihn

00:14:03: Sondern?

00:14:04: Dort wartet ein Raubtier.

00:14:06: Das imitierende Weibchen nutzt das fremde Signal schlichtweg als Köder, um das Männchen anzulocken und dann bei lebendigem Leib zu fressen.

00:14:15: Das gibt dem Begriff Phamphatal echt eine völlig neue Dimension.

00:14:20: Ein optischer Sirenengesang, der direkt in eine tödliche Falle führt.

00:14:25: Da draußen in unseren Gärten laufen also regelrechte Thriller ab – komplett lautlos und nur gesteuert durch winzige Lichtblitze!

00:14:33: Aber wenn wir das Ganze jetzt mal von unserem heimischen Garten auf eine globale Ebene heben?

00:14:37: Die Quellen beschreiben da ein Phänomen in bestimmten Regionen der Erde, dass mich beim Lesen völlig sprachlos gemacht

00:14:44: hat….

00:14:44: Ich glaube, ich weiß was du meinst.

00:14:45: Südostasien?

00:14:46: Genau!

00:14:47: In Teilen Süd-Ostasiens – besonders in den Mangrovenwäldern oder an Flüssen – passiert etwas das die Dimension von so einem einfachen Morsokot völlig sprengt.

00:14:58: Da leuchten nicht nur einzelne Käfer, da leuchte Tausende manchmal Zehntausende von Glühwürmchen absolut synchron.

00:15:06: Ja... Dieses Phänomen der synchronen Biolumineszenz ist in der Tat eines der atemberaubendsten Naturschauspiele, die man sich überhaupt vorstellen

00:15:14: kann.

00:15:14: Wie kann man sich das den genau vorstellen?

00:15:17: Wie ein riesiges orchestriertes Stadionkonzert der Natur.

00:15:21: Das trifft es perfekt!

00:15:23: Stell dir vor du fährst nachts mit einem kleinen Boot durch die Dunkelheit von so nem Mangrovenwald.

00:15:29: Die Bäume am Ufer ragen in die absolute Schwerze Und dann ganz plötzlich beginnt ein ganzer Baum zu pulsieren.

00:15:37: Tausende von winzigen Lichtern gehen in exakt demselben Sekundenbruchteil an.

00:15:41: Wahnsinn!

00:15:42: Und dann wieder aus, an, aus alle zusammen im perfekten Gleichtakt.

00:15:47: Aber wie schaffen die das?

00:15:49: Ich meine wenn ich mir ein Orchester vorstelle da steht ein Dirigent vorne Der gibt den Takt vor und selbst dann ist es extrem schwer alle Musiker

00:16:00: exakt

00:16:00: auf denselben Moment abzustimmen.

00:16:03: Wie koordinieren sich denn Zehntausende von Käfern im dichten Dschungel, ohne dass jemand den Taktstock schwingt?

00:16:10: Das ist eine absolute Meisterleistung der kollektiven Synchronisation.

00:16:15: Es gibt keinen Dirigenten!

00:16:16: Keinen?!

00:16:17: Nein – was hier passiert basiert auf komplexen mathematischen und biologischen Netzwerken.

00:16:23: Jedes einzelne Glühwürmchen achtet auf die Signale seiner direkten Nachbarn.

00:16:28: Ah, okay.

00:16:29: Wenn ein Käfer sieht dass sein Nachbar kurz vor ihm aufleuchtet passt er seinen eigenen inneren Rhythmus minimal an.

00:16:36: Er beschleunigt seinen Zyklus ein ganz kleines bisschen.

00:16:39: Okay und weil das alle

00:16:40: machen?

00:16:41: Genau wenn das tausende Käfer gleichzeitig tun zieht sich das gesamte System innerhalb kurzer Zeit von einem chaotischen Flimmern in einen einzigen massiven kollektiven Herzschlag zusammen.

00:16:53: Aber wozu?

00:16:54: ich meine wir haben ja gerade etabliert dass es um Partnerfindung geht?

00:16:58: Richtig.

00:16:58: Warum sollten die Männchen sich zusammen tun?

00:17:01: Sind die nicht eigentlich harte Konkurrenten?

00:17:03: Sie sind Konkurrente, ja... Aber in einer Umgebung wie einem Mangrovenwald der ja voller visueller Hindernisse ist!

00:17:10: Also Blätter und Äste?

00:17:11: Blätter, Äste, Lianen.

00:17:14: Da würde das Signal eines einzelnen Männchens völlig untergehen.

00:17:17: Wenn da Hunderte Männche völlig unkoordiniert blinken würden Entstünde für die Weibchen am Boden nur ein diffuses Unlesbares Rauschen

00:17:25: Verstehe Ein visuelles Chaos.

00:17:27: Exakt,

00:17:28: indem sie ihr Licht aber synchronisieren durchbrechen Sie dieses Rauschen.

00:17:33: Der gesamte Baum wird zu einem riesigen pulsierenden Leuchtfeuer das Kilometer weit sichtbar ist.

00:17:39: Ah!

00:17:40: Das Kollektiv sorgt also dafür dass die Weibchen überhaupt erst auf die Gruppe aufmerksam werden.

00:17:46: Erst wenn das Weibchennäher kommt beginnt dann wieder die individuelle Selektion.

00:17:50: Das ist wirklich unglaublich clever.

00:17:53: Die Natur findet Wege selbst im dichtesten Dschungel für Klarheit zu sorgen.

00:17:58: Und damit kommen wir leider zu einem Punkt unseres heutigen Tauchgangs, der diese ganze Genialität massiv bedroht.

00:18:05: Wir haben uns jetzt angesehen wie unfassbar anpassungsfähig und effizient diese Tiere sind – ein System das über Jahrmillionen perfektioniert wurde!

00:18:14: Aber heute, so warnen unsere Quellen ganz deutlich, werden Glühwürmchen auf der ganzen Welt immer seltener.

00:18:21: Und der primäre Grund dafür ist paradoxerweise nichts Greifbares.

00:18:26: Es ist nicht Gift- oder Lebensraumverlust, der größte Feind des Glühwürmchens ist etwas das wir Menschen jeden Abend völlig gedankenlos produzieren – unser eigenes künstliches Licht!

00:18:37: Die Lichtverschmutzung ist wirklich ein massiver und oft total unterschätzter ökologischer Faktor.

00:18:43: Die Mechanik dahinter ist eigentlich erschreckend simpel….

00:18:45: Also was bedeutet das alles für die Tiere?

00:18:48: Die Bioluminescence der Glühwürmchen ist evolutionär auf natürliche Dunkelheit ausgerichtet.

00:18:53: Ihr Licht ist präzise, aber es ist halt nicht extrem grell.

00:18:57: Es ist genauso hell wie es in einer mondlosen oder eben mondbeschienenen Nacht sein muss!

00:19:02: Wenn wir nun aber Straßenlaternen aufstellen, Autoscheinwerfer durch die Gegend schicken... ...oder unsere Gärten nachts mit Solarleuchten erhellen… Das

00:19:09: haben ja viele diese Garten leuchten?

00:19:11: Genau – dann verändern wir den Kontrast der Umgebung dramatisch.

00:19:15: Das heißt, wir vergiften sie nicht direkt.

00:19:18: Wir machen sie quasi unsichtbar

00:19:20: füreinander.".

00:19:20: Ganz genau das passiert!

00:19:23: Das künstliche Licht erhöht die Hintergrundhelligkeit so stark dass die winzigen Lichtblitze der Käfer einfach verschluckt werden.

00:19:30: Oh je Du hast es vorhin als stillen Dialog im Dunkeln beschrieben.

00:19:34: Was die menschliche Beleuchtung tut ist diesen stillen dialog komplett zu überbrüllen.

00:19:39: Das is wirklich bitter.

00:19:40: dass Männchen fliegt und sendet seinen Art spezifische Morsecode, aber das Weibchen im Gras kann das Signal einfach nicht mehr erkennen.

00:19:48: Weil

00:19:48: es einfach zu hell ist?

00:19:49: Weil eine Straßenlaterne zwanzig Meter weiter die ganze Wiese in ein diffuses künstliches Grau taucht – der Kontrast fehlt dann völlig!

00:19:58: Das ist wirklich tragisch, wenn man sich das bildlich vorstellt.

00:20:02: Die Männchen funken da verzweifelt ihre Signale in die Nacht.

00:20:05: sie investieren ihre wertvolle hart erkämpfte Energie in diesen chemischen Prozess.

00:20:10: aber die Nachricht kommt einfach nicht mehr an!

00:20:12: Das Weibchen sieht nichts und wenn Sie nicht sieht antwortet sie logischerweise nicht... ...die Verbindung reist komplett ab Und wenn die Partner sich nicht mehr finden gibt es keine Fortpflanzung.

00:20:22: Das ist quasi das leise Ende einer Population.

00:20:24: Und es offenbart eine tiefgreifende Ironie, wenn wir die Konzepte unseres heutigen Gesprächs noch einmal zusammenführen.

00:20:30: Inwiefern?

00:20:31: Naja!

00:20:32: Wir haben im Detail besprochen wie das Glühmürmchen eine chemische Fabrik in seinem eigenen Körper steuert – eine Reaktion, die kalte reine Photonen erzeugt mit einem Wirkungsgrad von fast hundert Prozent.

00:20:45: Die pure Effizienz

00:20:46: Es ist eine technologische und evolutionäre Perfektion.

00:20:50: Da wird kein Tropfen Energie verschwendet.

00:20:53: Und ausgerechnet diese perfekte Technologie wird nun von uns an den Rand der Ausrottung gedrängt.

00:20:59: Durch unsere Ineffizienz?

00:21:00: Genau, durch den exzessiven völlig rücksichtslosen Einsatz unserer eigenen im Vergleich fast primitiven und massiv ineffizienten Beleuchtungen.

00:21:10: Ja Wir strahlen Licht in den Nachthimmel wo es eigentlich niemand braucht Verschwenden massig Energie Erzeugen Hitze und zerstören ganz nebenbei am Boden eines der faszinierendsten Kommunikationsnetzwerke unseres Planeten.

00:21:23: Das fasst unser heutiges Thema wirklich wahnsinnig eindrücklich zusammen.

00:21:27: Wir haben heute eine gewaltige Reise gemacht ausgehend von diesen kurzen Notizen über die magischen Dinge des Alltags, wir haben erkannt warum der Wurm eigentlich ein Käfer ist?

00:21:37: Ja!

00:21:38: Wir haben diese biochemischen Fabriken im Hinterleib dieser Insekten aufgeschlüsselt und verstanden wie Sauerstoff als Schalter für Luciferin-und-Luciferase dient um eben ein kaltes fast hundert Prozent effizientes Licht zu erzeugen.

00:21:54: Wir haben entschlüsselt, dass dieses Licht ein überlebenswichtiger Morsecode ist – ein komplexer Tanz von arztspezifischen Signalen der sowohl der zärtlichen Partnerfindung als auch tödliche Falle für ahnungslose Beute dient.

00:22:09: Die Femme fatal!

00:22:11: Genau

00:22:11: und wir haben uns vorgestellt wie Zehntausende Insekten in den Mangroven völlig synchron pulsieren.

00:22:18: Gleichzeitig haben wir gesehen, wie zerbrechlich diese Jahrmillione alte Perfektion ist wenn sie auf die menschliche Lichtverschmutzung trifft.

00:22:26: Ein sehr zerbrechliches System!

00:22:28: Es ist ein Tauchgang der einen wirklich dazu zwingt die Welt da draußen ein bisschen aufmerksamer zu betrachten und deshalb möchte ich dir, der uns heute zugehört hat noch einen Gedanken mit auf den Weg geben.

00:22:40: Einen Gedanken, der sich daraus unweigerlich ableitet.

00:22:43: Wenn wir Menschen mit unserer künstlichen Beleuchtung innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten in der Lage sind, ein evolutionär so hochentwickeltes Kommunikationssystem wie das der Glühwürmchen zu stören und quasi an den Rand des Verstummens zu bringen.

00:22:57: Welche anderen stillen und unsichtbaren Sprachen der Natur übertönen wir vielleicht in genau diesem Moment?

00:23:04: Welche Netzwerke, Rhythmen- und Signale löschen wir unbemerkt mit unserem Lärm unserer Hektik und unserem künstlichen Licht einfach aus.

00:23:12: Nur weil wir nicht genau genug hinsehen oder hinhören!

00:23:15: Das ist eine sehr gute Frage...

00:23:16: das ist vielleicht etwas worüber man nachdenken kann.

00:23:19: Ich hoffe jedenfalls dieser Ausflug in die faszinierende Welt der Lampiride hat dir genauso viel Freude gemacht und so viele neue Erkenntnisse gebracht

00:23:27: wie uns.

00:23:28: Mir hatte es auf jeden Fall großen Spaß gemacht.

00:23:30: Super!

00:23:31: Und vielleicht, wenn du das nächste Mal an einem Sommerabend draußen bist, machst du einfach mal das Flutlicht am Haus aus, wartest bis deine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben und hältst Ausschau nach diesem winzigen kalten Feuer, dass schon so lange leuchtet bevor's uns überhaupt gab.

00:23:46: Dem schließe ich mich voll und ganz an.

00:23:48: Wir bedanken uns Ganz herzlich für deine Zeit und Interesse heute.

00:23:51: Bis zum nächsten Mal!

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