Folge 33 - Die Farbe der Banane

Shownotes

Manchmal passieren im Alltag Dinge, die uns völlig selbstverständlich erscheinen. Doch wenn man genauer hinschaut, steckt dahinter eine erstaunliche Geschichte. In dieser Folge geht es um ein alltägliches Phänomen, das vermutlich jeder kennt – aber kaum jemand wirklich hinterfragt hat.

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00:00:00: Also, Hallo und ein extrem herzliches Willkommen zu unserer heutigen spannenden Unterhaltung.

00:00:06: Schön dass du dabei bist!

00:00:08: Ja hallo auch von mir!

00:00:09: Stell dir mal folgendes vor... Du stehst im Supermarkt und suchst dir mit absoluter Sorgfalt also wirklich ganz genau diese wunderschönen markelosen leuchtend gelben Bananen aus.

00:00:21: Du kennst das bestimmt oder?

00:00:23: Oh ja man sucht immer die Perfekten raus

00:00:25: Genau.

00:00:26: Und dann kommst du nach Hause, leg sie total behutsam in deine Obschale auf der Küchentheke.

00:00:31: Da liegen vielleicht noch so ein zwei Äpfel.

00:00:33: Das Ganze sieht aus wie auf so einem Stillleben-Gemälde Und dann gehst Du halt Dein Ding nach und gefühlt wirklich nur einen Wimpernschlag.

00:00:42: später schaust Du wieder auf diese Schale.

00:00:46: Die Bananen sind braun, weich und sehen aus als wären Sie in Rekordzeit um Jahre gealtert.

00:00:52: Ja das ist wirklich ein Phänomen dass jeder kennt.

00:00:54: Absolut.

00:00:55: Man steht davor und fragt sich unweigerlich, wie kann das so verdammt schnell gehen?

00:01:01: Und genau da wollen wir heute ansetzen.

00:01:03: Unsere Mission heute bei dieser tiefgreifenden Erkundung ist es nämlich diese unsichtbare chemische Kommunikation aufzudecken die genau in diesem Moment in deiner Küche stattfindet.

00:01:15: Richtig!

00:01:16: Denn was da in Deiner Obstschale passiert, ist weit mehr als nur ein simples Altern von Lebensmitteln.

00:01:21: Das ist nämlich eigentlich dramatisches kleines Ökosystem da in der Schale, oder?

00:01:25: Wo so ein unschuldiger Apfel, der da einfach nur rumliegt quasi heimlich das Schicksal der Banane bestimmt.

00:01:31: Das ist ein tolles Bild ja!

00:01:33: Diese scheinbar statische Obschale ist in Wirklichkeit hochdynamisch und wir werden dieses wissenschaftliche Geheimnis heute mal kompakt entschlüsselt.

00:01:40: Sehr

00:01:40: cool.

00:01:41: Bevor wir aber verstehen können, wie Früchte sich da gegenseitig beeinflussen, müssten wir glaube ich einen Schritt zurückgehen?

00:01:47: Was genau bedeutet eigentlich dieses Reifen?

00:01:50: Für mich war eine grüne Banane bisher einfach nur eine unreife-gelbe Banale der ein bisschen Zeit fehlt.

00:01:58: Ja das ist ein total häufiger Denkfehler!

00:02:00: Das Reifen ist nämlich überhaupt kein passives Altern

00:02:04: Sondern...

00:02:04: Es ist ein extrem energieaufwendiges, striktes biologisches Programm.

00:02:09: Die Pflanze investiert da massiv Ressourcen.

00:02:11: Okay

00:02:11: krass!

00:02:12: Von außen sehen wir natürlich zuerst diesen Farbwechsel.

00:02:15: das Chlorophyll also der grüne Farbstoff wird gezielt abgebaut.

00:02:19: dadurch werden dann die gelben Pigmente sichtbar.

00:02:22: aber die wirklich dramatischen Dinge passieren im Fruchtfleisch.

00:02:26: was genau passiert da?

00:02:28: weil es kostet doch sicher enorm viel Energie dass alles umzubauen oder

00:02:32: absolut Die gespeicherte harte Stärke wird in Zucker umgewandelt, deshalb schmecken sie dann auch süßer.

00:02:39: Das Fruchtfleisch wird weicher und es entstehen komplett neue Duftstoffe.

00:02:44: Wenn ich mir das so vorstelle klingt das eins zu eins wie ein vorprogrammiertes Software-Update.

00:02:50: Also die Frucht hat das in sich und dann startet ein Code nach dem Motto Grüne Farbe löschen Gelb anzeigen, Zucker produzieren.

00:02:57: Das

00:02:57: ist eine Superanalogie – genauso kann man sich das vorstellen!

00:03:00: Aber

00:03:00: da muss ich kritisch nachhaken….

00:03:02: wer oder was drückt denn bitte schön auf den Startknopf für dieses Update?

00:03:07: Woher weiß diese Banane die da völlig isoliert in meiner Küche liegt, dass es jetzt Zeit

00:03:12: ist?!

00:03:12: Tja, das bringt uns zum absoluten Kern der Sache... Der Startknopf ist nämlich ein gasförmiger Stoff.

00:03:18: Ein winziger, unsichtbarer Boote namens Etilänen.

00:03:22: Etilän habe Ehrlich gesagt, noch nie bewusst gerochen oder gesehen.

00:03:27: Das

00:03:28: kannst du auch gar nicht!

00:03:29: Ethylin ist ein Gas das man weder sehen noch riechen kann.

00:03:33: Pflanzen produzieren dasselbst.

00:03:35: Moment alle pflanzen?

00:03:36: Nicht alle im gleichen Maße aber bestimmte Früchte die sogenannten klimakterischen Früchten produzieren während der Reifung besonders viel davon Klimakterisch...das

00:03:48: klingt jetzt irgendwie medizinisch.

00:03:49: Was fällt denn da alles drunter?

00:03:51: Dazu gehören zum Beispiel Bananen, Äpfel, Birnen pfirsiche Avocados und auch Tomaten.

00:03:57: Ah ok!

00:03:59: Aber ganz ehrlich wenn dieses Gas unsichtbar und geruchlos ist schieben wir dann nicht vielleicht einfach nur die Schuld auf dieses Ethylän obwohl es eigentlich nur an der warmen Heizung in der Küche liegt?

00:04:10: also im Sommer geht das doch viel schneller als im Winter.

00:04:13: Da hast du völlig recht.

00:04:14: Die Temperatur spielt tatsächlich eine riesige Rolle Siehst

00:04:17: du?

00:04:17: Aber Wärme beschleunigt einfach nur die Stoffwechselprozesse.

00:04:20: Du kannst dir das so vorstellen, die Wärmung ist das Gaspedal aber das Italäne ist der Zündschlüssel.

00:04:26: Ohne das Italän springt der Motor gar nicht erst an.

00:04:29: Es ist das eigentliche Startsignal der chemische Trigger.

00:04:33: Okay!

00:04:33: Das leuchtet ein.

00:04:34: Der Motor läuft also durch das Italien... ...aber da das ein Gas ist bleibt das ja wahrscheinlich nicht in der Frucht drin oder?

00:04:42: Genau da fängt das Problem in deiner Obstschalle an.

00:04:45: Das Gas entweicht in die Umgebungsluft.

00:04:48: Oh, das heißt wenn mein Apfel reift dann?

00:04:50: Dann gibt der Ethylen ab und die Banane, die direkt daneben liegt nimmt dieses Gas aus der Luft auf.

00:04:56: Wahnsinn!

00:04:57: Und das merkt die Bananen

00:04:57: dann?!

00:04:58: Ja, das beschleunigt ihren eigenen Reifeprozess massiv.

00:05:01: Sie denkt quasi oh das Signal ist da wir müssen loslegen... ...und dass Verrückte isst.

00:05:07: Die Banane fängt an selbst wieder mehr Ethylänen zu produzieren

00:05:10: Also stecken sie sich alle gegenseitig an wie ein Gänen in so einem überfüllten Raum.

00:05:17: Ein Apfel gähnt, stößt Ethylen aus die Banane fängt es auf, fängt auch an zu gähnen und plötzlich gähnst die ganze Obstschale.

00:05:25: Exakt so ist das wobei man dazu sagen muss nicht jedes Obst reagiert gleich stark darauf

00:05:30: Stimmt meine Erdbeeren machen das nicht oder?

00:05:32: Richtig!

00:05:33: Erdbären sind nicht klimakterisch aber bei Apfel- und Bananen ist dieser Ansteckungseffekt extrem.

00:05:38: Das baut sich richtig auf eine regelrechte Kettenreaktion

00:05:41: Und das führt dann unweigerlich zu diesem Punkt, den wir alle kennen und hassen.

00:05:46: Die Banane wird weich und bekommt diese braunen Flecken – und da denkt man ja sofort verdammt die ist hinüber!

00:05:52: Ja… Das denken viele….

00:05:55: Aber – und das ist ganz wichtig – Braunwerden ist eben nicht dasselbe wie Verderben.

00:05:59: Wirklich nicht?

00:06:00: Für mich sah das immer nach Vollendes

00:06:02: aus?!

00:06:02: Nein überhaupt nicht ….

00:06:03: Es ist einfach der fortlaufende Lebenszyklus.

00:06:06: Was da passiert ist, dass die Zeltstrukturen weiter aufbrechen und die Schale ihre Stabilität verliert.

00:06:13: Sauerstoff kommt dran und sorgt für die braune Farbe.

00:06:16: Ah also eigentlich genau wie bei einem aufgeschnittenen Apfel der an der Luft braun wird?

00:06:21: Ganz genau!

00:06:22: Die Frucht ist in diesem Moment nicht kaputt.

00:06:25: Im Gegenteil, genau jetzt ist das Fruchtfleisch oft am allerliebsten.

00:06:29: Warte

00:06:29: echt?!

00:06:30: Das heißt diese brauen Flecken sind eigentlich der totale Jackpot für Süßschnebel – wie mich?

00:06:35: Absolut.

00:06:37: Der Stärkeabbau ist an diesem Punkt auf dem Höhepunkt, erst wenn die Banane wirklich unangenehm riecht also so leicht alkoholisch oder wenn Flüssigkeit austritt oder sie schimmelt dann solltest du sie wegwerfen.

00:06:48: vorher ist sie perfekt essbar.

00:06:50: Da fällt mir aber echt ein Stein vom Herzen.

00:06:52: das ändert meine Sicht auf braune Bananen total.

00:06:56: Aber sag mal wenn wir jetzt wissen dass dieses Etilänen wie eine Art Superkraft funktioniert.

00:07:01: Können wir uns das nicht auch ganz bewusst zu Nutze machen, anstatt da immer nur passiv zuzusehen?

00:07:06: Ja natürlich!

00:07:07: Der Mensch kann dieses System ganz gezielt manipulieren.

00:07:10: Wie

00:07:11: denn?!

00:07:11: Hast du dann einen Trick für mich?

00:07:12: Nehmen wir mal die harte Avocado.

00:07:14: Das ist ja der Klassiker.

00:07:15: Man will Goa Kamole machen und das Ding is hart wie Stein.

00:07:18: Da gibt es ein wunderbaren Trick Du nimmst einfach die harten Avocado Und legst sie zusammen mit einer Banane oder einem Apfel in eine Papiertüte.

00:07:26: Okay,

00:07:27: Papiertüte Warum nicht einfach ne Plastiktüte?

00:07:29: Das würde das Gas doch noch besser einsperren.

00:07:31: Bloß

00:07:32: nicht, Plastiktüten sind absolut tabu!

00:07:34: Oh warum?

00:07:35: Weil das Obst ja atmet, es gibt Feuchtigkeit ab.

00:07:38: in einer Plastiktüte sammelt sich diese Feuchtigkeit und dann verdirbt ihr alles und fängt an zu schimmeln.

00:07:44: Es muss eine Papiertüte sein

00:07:46: Verstehe weil das Papier das Atmen lässt.

00:07:49: Genau die Papiertütte hält das Etilengas schön.

00:07:52: bei den Früchten fängt es also ein Lässt aber gleichzeitig Sauerstoff durch und Feuchtigkeiten raus.

00:07:58: So wird die Avocado rasen schnell weich.

00:08:00: Das ist ja genial, ich hacke quasi mein eigenes Obst!

00:08:03: Aber je mehr wir darüber reden, desto verrückter wird das Ganze.

00:08:07: Ich meine, Ethyläne ist doch bestimmt nicht nur dazu da unsere Avocados für die Guacamole vorzubereiten oder?

00:08:13: Das muss doch in der Natur noch einen anderen Sinn haben.

00:08:16: Da sprichst du was ganz Wichtiges an – das hat eine viel tievere biologische Bedeutung.

00:08:20: Pflanzen nutzen Ethylän für wahnsinnig viele Prozesse.

00:08:25: Zum Beispiel als Reaktion auf Verletzungen oder beim Abwerfen von Blättern im Herbst und bei Blüten.

00:08:32: Auch bei generellen

00:08:32: Wachstumsprozessen.".

00:08:34: Das heißt, wenn eine Pflanze verletzt wird, stößt sie Ethylen aus?

00:08:38: Ganz genau!

00:08:39: Es ist im Grunde eine chemische Nachricht die sich durch die Luft ausbreitet – ein Stresssignal.

00:08:45: Das ist ja der Wahnsinn!

00:08:46: Das bedeutet ja, Pflanzen kommunizieren quasi miteinander.

00:08:50: Meine Obstschale ist gar kein Aufbewahrungsort das es ein florierender Chetrom...

00:08:54: So kann man das ausdrücken, ja… Pflanzen sprechen zwar nicht mit Worten wie wir Menschen, aber dieses chemische Signalsystem ist hochgradig ausgeklügelt.

00:09:03: Das lässt einen echt ehrfüchtig werden!

00:09:05: Also wenn du das nächste Mal lieber Zuhörer auf deine Küchentheke schaust, dann siehst du da nicht einfach nur ob's das Alt wird?

00:09:11: Nein... Du bist Zeuge eines extrem komplexen unsichtbaren Austauschs von Pflanzenhormonen.

00:09:17: Richtig… Deine Banane wird nicht einfach braun – sie reagiert aktiv auf ihr Umfeld.

00:09:23: Sie kommuniziert.

00:09:26: Leute, wir möchten uns an dieser Stelle extrem herzlich und authentisch bei dir bedanken.

00:09:31: Für deine Aufmerksamkeit und die gemeinsam verbrachte Zeit bei dieser spannenden Erkundung!

00:09:36: Genau, vielen Dank fürs Zuhören!

00:09:38: Und bevor wir uns komplett verabschieden möchte ich dir noch einen letzten vielleicht etwas provokanten Gedanken mit auf den Weg geben.

00:09:46: Wir haben ja gerade gelernt dass Ethylen als Notsignal bei Verletzungen dient und Blätter abwerfen lässt Und wir wissen, dass dieses Gas durch die Luft von Pflanze zu Pflanzer reißt.

00:09:57: Jetzt stell dir doch mal vor was in einem riesigen dichten Wald passiert.

00:10:02: wenn ein Baum verletzt wird vielleicht durch einen Sturm oder Insekten schreit dieser Baum dann über unsichtbare Ethylenwolken laut um Hilfe und die Bäume um ihn herum atmen das ein und verändern abrupt ihre eigene Chemie ohne dass wir Menschen auch nur einen Hauch davon mitbekommen.

00:10:21: Das wäre doch ein völlig unsichtbares Netzwerk der Natur, direkt vor unserer Nase.

00:10:27: Denk da mal drüber nach wenn du das nächste Mal im Wald stehst.

00:10:29: Mach's gut und bis zum nächsten Mal!

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