Folge 27 - Das Internet der Tiefe

Shownotes

Glaubst du auch, unsere digitale Welt schwebt unsichtbar in einer Wolke? Die wahre Lebensader unseres Alltags ist völlig anders – massiv, tief verborgen und überraschend verwundbar. In dieser Folge decken wir eine gigantische Illusion auf und blicken auf einen der verrücktesten Jobs der Welt. Mach dich auf einen echten Aha-Moment gefasst!

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00:00:00: Wenn du genau jetzt in diesem exakten Moment auf deinem Smartphone oder Laptop diese Audiospur lädst, dann fliegen diese Daten in den allermeisten Fällen nicht einfach als irgendwelche magischen Signale durch die Luft.

00:00:15: Sie griechen während du uns gerade zuhörst in Form von Lichtimpulsen durch den eiskalten pechschwarzen Schlamm der absoluten Tiefsee.

00:00:24: und damit ein extrem herzliches Willkommen an dich!

00:00:27: Genau hallo auch von mir.

00:00:28: Ich freue mich wirklich riesig, dass du dir heute wieder die Zeit nimmst um mit uns auf diese gemeinsame intellektuelle Reise zu gehen.

00:00:37: Es ist für uns immer wieder ein absolutes Privileg unsere Recherchen und diese ganz besonderen Momente der Neugier mit dir teilen zu dürfen!

00:00:45: Dem schließe ich mich voll und ganz an.

00:00:47: Schön, dass du uns heute zuhörst!

00:00:49: Das Thema das wir heute vor uns haben berührt ja wirklich jeden einzelnen Aspekt unseres Lebens auch wenn wir die physikalische Realität dahinter meist völlig ausblenden.

00:00:59: Wir sind irgendwie Meister darin geworden die eigentliche Infrastruktur unserer Zivilisation komplett zu ignorieren.

00:01:07: Ja total, wir reden heute über die wohl größte und erfolgreichste Illusion unseres gesamten digitalen Alltags Und genau da setzen unsere heutigen Quellen an, spezifisch die Notizen zur Folge siebenundzwanzig mit dem Titel The Deep Sea Veins of the Invisible Cloud.

00:01:23: Richtig spannendes Material!

00:01:25: Absolut.

00:01:26: Unsere Sprache prägt ja massiv wie wir die Welt verstehen.

00:01:30: Wir sprechen täglich von kabellosen Verbindungen, wir nutzen das Wi-Fi und vor allem lagern wir unser halbes Leben in der sogenannten Cloud

00:01:39: aus.

00:01:39: In der Wolke?

00:01:40: Ja

00:01:40: Genau Die Wolke.

00:01:42: Alles im Design unserer Technologie suggeriert uns doch eine gewisse Schwerelosigkeit.

00:01:47: Also das Internet wirkt wie so ein ätherisches Konstrukt, dass unsichtbar in der Atmosphäre schwebt.

00:01:54: Aber das Material, das wir heute für unsere Analyse durchleuchten liefert da einen massiven Reality-Check.

00:02:01: Um das Internet wirklich zu sehen dürfen wir eben nicht in den Himmel blicken!

00:02:06: Wir schauen da instinktiv in die völlig falsche Richtung.

00:02:09: Wenn wir an globale Vernetzung denken, haben wir meistens so Fortbilder von Satelliten im Kopf... ...von riesigen Antennen, die Signale ins Alfung.

00:02:17: Genau das meine ich!

00:02:18: Die Realität ist aber eine komplett andere.

00:02:21: Rund neun und neunzig Prozent des gesamten internationalen Datenverkehrs laufen nämlich nicht durch den Weltraum.

00:02:27: Sie laufen über den Grund des Ozeans.

00:02:30: Neun und Neunzig prozent?

00:02:31: Ja

00:02:31: fast alles.

00:02:32: Das Internet ist nicht schwerelos, es ist eine enorm schwere krasse physische Infrastruktur die da unten auf dem Meeresboden liegt.

00:02:40: Das ist so ein Punkt an dem man wirklich kurz festhängen bleibt.

00:02:44: wenn man bedenkt wie sehr Unternehmen wie Starlink gerade überall in den Medien präsent sind könnte man ja leicht glauben die Zukunft der Datenübertragung liege komplett im Orbit.

00:02:55: Ja das denken viele.

00:02:57: Aber warum dominieren Kabel Derart extrem den globalen Datenverkehr, was macht sie so unersetzlich gegenüber Satelliten?

00:03:06: Das ist am Ende eine reine Frage der Physik und vor allem der Bandbreite.

00:03:11: Ein Satellit in einer geostationären Umlaufbein ist rund sixunddreißigtausend Kilometer von der Erde

00:03:18: entfernt.

00:03:18: Das ist ne ordentliche Strecke!

00:03:20: Genau Und ein Signal muss diese Strecke hoch und dann ja auch wieder hinunter reisen.

00:03:26: Selbst mit Lichtgeschwindigkeit erzeugt das eine spürbare Verzögerung, die sogenannte Latents.

00:03:33: Ah ok!

00:03:33: Das berüchtigte Lägen beim Zocken.

00:03:35: Richtig.

00:03:36: Leo-Satelliten also solche in den niedrigeren Umlaufbahnen wie eben Starlink verringern dieses Problem zwar aber sie stoßen an einer andere harte physikalische Grenze – und zwar die Kapazität von Funkfrequenzen.

00:03:50: Also wie viele Daten da quasi gleichzeitig durch die Luft passen?

00:03:53: Ganz genau.

00:03:54: Ein modernes Glasfaserkabel auf dem Meeresgrund nutzt zur Datenübertragung nämlich Lichtwellen, meistens im Infrarotbereich.

00:04:02: Die Bandbreite, die du durch gebündeltes Licht durch so ein Glasfaserkabel jagen kannst ist schier gigantisch

00:04:08: Wahnsinn.

00:04:09: Wir sprechen hier von Terabits pro Sekunde.

00:04:13: Kein Satelliten-Netzwerk der Welt kann aktuell auch nur ansatzweise diese gewaltigen Datenmassen bewältigen, die unsere globale Wirtschaft im Millisekunden-Takt verschlingt.

00:04:23: Das heißt wenn wir das mal für den Alltag übersetzen jede Finanztransaktion an der Börse in New York, die auf Servern in Frankfurt verarbeitet wird oder sagen wir jedes lustige Katzenvideo dass wir aus Japan streamen... Das alles kratzt als Lichtimpuls physisch über den Schlamm des Atlantiks oder Pacifics.

00:04:41: Wir laufen alle mit nach oben geregten Köpfen herum und suchen die Cloud am Himmel, dabei bräuchten wir eigentlich eine Taucherbrille unter ein U-Boot um unseren Instagram Feed zu finden.

00:04:51: Schönes Bild ja!

00:04:52: Das trifft es ziemlich gut.

00:04:53: Wenn diese Kabel aber die absolute Lebensader der Weltwirtschaft sind stellt sich mir direkt die Frage nach ihrer Beschaffenheit.

00:05:01: Also intuitiv stellt man sich dadurch gigantische, meterdicke Stahlröhren vor oder?

00:05:06: Das wäre naheliegend ja.

00:05:08: So eine Art Pipeline extrem gepanzert die sich da massiv über den Meeresboden wälzt um gegen den immensen Druck in vier Kilometern Tiefe irgendwie zu bestehen.

00:05:16: Das wäre logisch ist aber ein absoluter Trugschluss.

00:05:20: draußen im tiefen Ozean sind diese Hightech-Daten Autobahnen erstaunlicherweise oft nur so dick wie einen ganz normaler Gartenschlauch.

00:05:28: Warte!

00:05:29: Ein Gartenschlauch

00:05:31: Ja, kaum dicker als das was du im Garten hast.

00:05:34: Das gesamte Wissen der Menschheit?

00:05:37: Unsere globale Infrastruktur passt in ein Tverschnitt, der so groß ist wie das Ding mit dem man im Sommer den Rasen sprengt.

00:05:44: Das is ja verrückt!

00:05:46: Wie genau es so ein Kabel denn aufgebaut dass es diesen krassen Bedingungen standhält?

00:05:51: Es kann ja nicht einfach nur einen Plastikschlauch mit bisschen Glas darin sein.

00:05:55: Nein, natürlich nicht!

00:05:57: Man muss sich das Kabel wie eine hochkomplexe Zwiebel vorstellen.

00:06:01: Die Schicht für Schicht nur einem einzigen Zweck dient – nämlich den extrem empfindlichen Kern zu schützen.

00:06:07: Okay und was ist ganz innen?

00:06:09: Ganz innen liegen die eigentlichen Glasfasern, die dünner sind als ein menschliches Haar.

00:06:15: Döner als ein Haar ... Wahnsinn

00:06:18: Ja … Und sie ruhen eher einem speziellen Gehl dass sie vor Reibung schützt und gleichzeitig wasserabweisend ist.

00:06:25: Darum liegt dann ein Kupfer oder Aluminiumrohr, dann folgt Polycarbonat und danach kommt eine massive Schicht aus geflochtenen Stahldrähten für die Zugfestigkeit.

00:06:36: Also damit es nicht reißt wenn man dran zieht?

00:06:38: Genau!

00:06:39: Und ganz außen gibt es da noch eine dicke Isolierung aus Polyethylien.

00:06:44: Der Grund warum es trotzdem so dünn wie einen Gartenschlauch bleibt ist super pragmatisch.

00:06:49: Logistik

00:06:50: Exakt Ein Kabel muss über den gesamten Pazifik verlegt werden.

00:06:54: Das sind Tausende von Kilometern am Stück!

00:06:56: Wenn es einen Meter dick wäre, bräuchte man hunderte riesige Schiffe nur um die immense Masse an Material für eine einzige Verbindung zu transportieren.

00:07:05: Die Compactheit ist also schlicht eine logistische Notwendigkeit.

00:07:09: Das macht natürlich Sinn – aber da ist doch irgendwie eine riesige logische Lücke in dieser Konstruktion, die mir direkt ins Auge springt….

00:07:17: Welche meinst du?

00:07:17: Naja, wenn die wichtigste Infrastruktur unseres Planeten nur den Durchmesser eines Gartenschlauchs hat und komplett ungeschützt auf dem Boden eines völlig unberechenbaren Ozeans liegt dann macht sie das doch extrem verwundbar?

00:07:32: Absolut.

00:07:33: Und diese Verwundbarkeit ist absolut real!

00:07:36: Laut den Quellen in unserer heutigen Betrachtung wird ein solches Unterseekabel weltweit etwa onehundertfünfzig bis zweihundertmal im Jahr beschädigt oder sogar komplett durchtrennt.

00:07:46: Bitte

00:07:46: was?!

00:07:47: Einhundertfünfzig bis zweihundertmal im Jahr?

00:07:49: Ja,

00:07:50: das bedeutet grob gerechnet reist fast jeden zweiten Tag irgendwo auf unserem Planeten das globale Netzwerk.

00:07:55: Das ist ja unglaublich!

00:07:57: Wer oder was durchtrennt den bitte?

00:07:59: ein armiertes Stahlkabel am Grund des

00:08:01: Ozeans?!

00:08:02: In Küsten näher, also da wo das Wässer etwas flacher ist... ...ist der Mensch tatsächlich der größte Feind.

00:08:08: Ach natürlich!

00:08:08: Es sind oft riesige Frachtcheffe die ihre tonnenschweren Anker werfen und einfach über den Grund schleifen bis sie eben ein Kabel einhaken und abreißen oder große Industriefischer Boote.

00:08:20: deren Grundschleppnetze verfangen sich auch oft in den Leitungen.

00:08:23: Das sind so die häufigsten Ursachen nach am Land

00:08:25: Und weiter draußen auf dem offenen Meer?

00:08:28: Da sind es dann Naturgewalten Unter Wasserertbeben können gewaltige Schlammlawinen an den Kontinentalhängen auslösen.

00:08:35: Solche Strömungen reißen wirklich alles mit sich, was im Weg liegt – da hilft auch das beste Stahlkabel nichts!

00:08:42: In den Quellen taucht in diesem Zusammenhang ja noch ein Detail auf, dass man fast für einen schlechten Scherz halten könnte.

00:08:48: In den Achtzigerjahren gab es doch anscheinend eine Reihe von Ausfällen, die durch Tiere verursacht wurden.

00:08:54: Ah ja… Die Heihe Das ist in der Tat eine superfaszinierende historische Randnotiz.

00:09:02: In den Anfangsjahren der phasoroptischen Übertragung auf dem Meeresgrund begannen Haie tatsächlich, in die Kabel zu beißen und das lag natürlich nicht daran dass sie irgendwie das Plastik mochten

00:09:13: sondern

00:09:13: Haie besitzen an ihrer Schnauze hoch sensible Rezeptoren Die sogenannten Lorenzinischen

00:09:20: Ampullen.

00:09:21: Klingt wie Medizin.

00:09:22: Ja, fast!

00:09:23: Damit nehmen Sie aber die feinen elektrischen Felder wahr, die von den Muskeln Ihrer Beutetiere ausgehen.

00:09:28: Warte

00:09:28: mal kurz… was mich das mal rekapitulieren?

00:09:31: Wir übertragen doch Licht durch dieses Glasfaserkabel – Lichtwellen.

00:09:35: Richtig.

00:09:36: Warum gibt es da dann überhaupt ein elektrisches Feld, dass die Heie elitiert?

00:09:40: Da ist doch kein Strom drin

00:09:41: oder?!

00:09:42: Doch!

00:09:43: Oben schon!

00:09:44: Weil das Licht nicht einfach so magisch von Europa bis in die USA komplett durch scheint... Selbst im absolut glassten Glas der Welt wird so ein Lichtimpuls auf Tausenden von Kilometern unweigerlich schwächer.

00:09:58: Deshalb muss das Signal etwa alle fünfzig bis hundert Kilometer durch sogenannte Repeater, also kleine Verstärkerstationen am Meeresgrund wieder aufgefrisht werden

00:10:08: und die brauchen Strom.

00:10:10: Exakt!

00:10:11: Und dieser Strom, das sind auf tausende Volt wird durch genau diese innere Kupferschicht gejagt.

00:10:16: Die wir vorhin bei der Kabelstruktur erwähnt haben.

00:10:19: und genau dieses starke elektrische Feld hat die Heie angelockt!

00:10:24: Das ist ja der Wahnsinn... ...die Dachten des Kabels ein riesiger sehr langer Fisch

00:10:28: Genau.

00:10:29: Die Industrie hat das Problem mittlerweile glücklicherweise gelöst, indem sie eine spezielle Keffler-Panzerung um die Kabel entwickelt hat – die blockiert das Feld und ist beißfest!

00:10:41: Das wirft für mich aber sofort noch eine viel größere Frage auf….

00:10:44: Wenn das Netzwerk derart fragil ist, dass Schiffsanker, Schlammlawinen und historisch gesehen sogar hungrige Haie es durchtrennen können.

00:10:53: Und wir wie du sagst fast zweihundert Schäden im Jahr haben?

00:10:56: Warum merken wir davon

00:10:57: nichts?!

00:10:57: Wenn jeden zweiten Tag irgendwo unsere wichtigste Infrastruktur reist müsste das Internet für uns doch eine völlig instabile andauernd abbrechende Erfahrung sein!

00:11:07: Da kommt die wirklich geniale Softwarearchitektur des Internets ins Spiel Insbesondere das Boda Gateway Protocol, kurz BGP.

00:11:16: Okay was macht das genau?

00:11:18: Man muss wissen dass Internet funktioniert nicht wie eine einzelne Wasserleitung bei der sofort der Hahn trocken bleibt wenn sie irgendwo bricht

00:11:26: sondern

00:11:27: es ist eher vergleichbar mit einem gigantischen globalen Straßennetzwerk mit einem extrem cleveren automatischen Navigationssystem.

00:11:36: Wenn im Atlantik ein Kabel von einem Anker zerrissen wird, realisieren die Router an den Küsten in absoluten Millisekunden Bruchteilen.

00:11:45: Achtung!

00:11:45: Diese Route ist tot….

00:11:47: Ah und dann leiten sie um?

00:11:48: Ganz genau!

00:11:49: BGP berechnet sofort eine Umleitung – Die Datenpakete fließen eben nicht direkt von London nach New York sondern nehmen einen minimal längeren Umweg vielleicht über ein intaktes Kabel ein Stück weiter südlich.

00:12:02: Das System kompensiert den physischen Verlust also völlig selbständig.

00:12:06: Das ist natürlich extrem beruhigend für unser Streaming-Erlebnis am Abend, aber für die physische Infrastruktur ändert das ja nichts an der Tatsache dass da unten auf dem Meeresboden immer noch ein zerrissener Gartenschlauch liegt.

00:12:19: Richtig!

00:12:20: Dass Internet heilt sich nicht wie ein biologischer Organismus.

00:12:23: von selbst dieser Rismus repariert werden sonst gehen uns irgendwann einfach die Umleitungen aus.

00:12:28: Völlig richtig und ab diesem Moment verlässt unsere Geschichte auch diese saubere digitale Welt der Algorithmen und wird zu einer extrem hochkomplexen, richtig rauen Seefahrt.

00:12:39: Jetzt wird spannend!

00:12:40: Es gibt nämlich weltweit eine kleine, hochspezialisierte Flotte von Kabelreparaturschiffen.

00:12:47: Sie sind strategisch über den Globus verteilt und stehen permanent auf Abruf.

00:12:51: Wenn ein Bruch gemeldet wird, rücken sie sofort aus.

00:12:55: Aber wie findet man so einen Bruch überhaupt?

00:12:58: Ich meine... Der Ozean ist unfroststellbar groß.

00:13:01: Ein zerrissenes, dunkles Kabel auf dem Grund des Atlantiks zu suchen ohne zu wissen wo es liegt wäre doch völlig unmöglich.

00:13:09: Die Techniker müssen zum Glück nicht blind suchen.

00:13:12: Sie nutzen einfach die Physik des Kabels selbst aus.

00:13:15: Es gibt da zwei Hauptmethoden

00:13:17: Okay?

00:13:17: Die erste hängt direkt mit dem Strom zusammen den wir vorhin bei den Heinen besprochen haben.

00:13:22: Das Kupferräumkabel leitet ja Strom.

00:13:25: Wenn das Kabel nun reißt, kommt das spannungsführende Kupfer unweigerlich in Kontakt mit dem kalten Salzwasser.

00:13:32: Und Salzwasser ist extrem leidfähig!

00:13:36: Exakt.

00:13:37: Dadurch entsteht ein Kurzschluss, die Techniker in der Küstenstation messen nun sehr präzise den elektrischen Widerstand des verbliebenen intakten Kabels – also genau bis zu diesem Kurzschluß!

00:13:47: Da der Widerstand des Kupfers pro Kilometer sehr genau bekannt ist.

00:13:51: können sie durch eine relativ einfache mathematische Formel berechnen nach wie vielen Kilometern der Strom ins Meer abfließt.

00:13:58: Wow das ist echt brillant.

00:14:00: man misst einfach wie viel Wider Stand noch da ist und rechnet das in Kilometer um?

00:14:04: Und was ist die zweite Methode?

00:14:05: Das ist die sogenannte optische Zeitbereichsreflektometrie, kurz OTDR.

00:14:10: Klingt kompliziert!

00:14:11: Ist im Prinzip wie ein optisches Radar.

00:14:14: Dabei wird ein sehr starker extrem kurzer Lichtimpuls in die Glasfaser geschickt.

00:14:19: Wenn das Licht dann unten auf die gläserne Bruchstelle trifft, wird ein winziger Teil des Lichtes wie bei einem Echo zurück reflektiert.

00:14:26: Okay und dann?

00:14:27: Die Techniker messen die exakte Zeit, die dieses Lichtecho braucht um durch die Phase zurückzukehren.

00:14:33: Da die Lichtgeschwindigkeit im Glas konstant ist, lässt sich der Bruch so bis auf wenige Meter genau lokalisieren.

00:14:40: Das Reparaturschiff bekommt also nicht einfach nur eine grobe Suchregion auf dem Ozean genannt sondern sehr präzise Koordinaten.

00:14:50: Aber gut wenn das Schiff dann oben an diesen Koordinanten ankommt liegt das Problem ja immer noch drei oder vier Kilometer tiefer im eiskalten Pechschwarzen Wasser.

00:14:59: Richtig.

00:15:00: Da kann ja niemand den Untertauchen.

00:15:01: der Druck in dieser Tiefe ist für ein Menschen sofort tödlich, wie kommen die da ran?

00:15:05: Man muss das Kabel zum Schiff bringen – nicht umgekehrt!

00:15:08: Und die Methode dafür, die klingt im ersten Moment fast schon eichalsch, ist aber ein absolutes physikalisches Meisterwerk.

00:15:16: Was machen Sie?

00:15:16: Das Schiff navigiert exakt über die Bruchstelle und dann lässt es einen massiven Greifer quasi eine Art maritime Hightech-Enterhaken an einem extrem starken Stahlseil hinab

00:15:29: Ein Enterhaken.

00:15:30: Ja, dieser Greifer pflügt dann über den Meeresboden im rechten Winkel zur Trasse des Kabels bis er die Leitung im Schlamm einhaagt.

00:15:39: Wenn du das so erzählst.

00:15:41: also stell dir das mal vor.

00:15:42: Das ist wie bei diesen greifarm Automaten auf dem Jahrmarkt weißt Du?

00:15:46: Wo man versucht so einen Kuscheltier zu angeln Nur dass man diesmal das Internet angelt blind Im pechschwarzen Wasser.

00:15:57: Das ist eine Super-Analogie.

00:15:59: Genauso fühlte ich das für die Crew an, aber

00:16:01: das stelle ich mir mechanisch unfassbar heikel vor.

00:16:04: man hakt da ein armiertes kabel in vier Kilometern tiefer ein Und sieht es nach oben, aber das Kabel hat doch ein enormes Eigengewicht.

00:16:13: Wenn man vier vertikale Kilometer stahlgepanzertes Kabel durch den Widerstand des Wassers nach oben zieht, dann steht doch eine gewaltige Spannung!

00:16:22: Absolut!

00:16:23: Warum reißt das unter seinem eigenen Gewicht beim Hochziehen nicht einfach sofort wieder ab?

00:16:27: Genau das ist die mit Abstandgrößte Herausforderungen bei der Bergung.

00:16:31: Es braucht hochkomplexe Winden auf dem Schiff, die den Zug permanent dynamisch anpassen Und dazu kommen sogenannte dynamische Positionierungssysteme für das Schiff selbst.

00:16:42: Was heißt das?

00:16:43: Das Schiff darf nicht durch Wind oder Wellen auch nur einen Meter abdriften, während es das Kabel hebt – sonst würde diese Schrägbelastung das Kable unten sofort zerreißen!

00:16:53: Wahnsinn!

00:16:54: Propeller an allen Seiten des Rumpfes arbeiten vollautomatisch gegen die Wellen an… um das Schiff wirklich auf den Zentimeter genau über der Stelle zu halten, während das Tropfen nasse, schlammbedeckte Kabel dann quälend langsam aus der Dunkelheit an die Oberfläche gezogen wird.

00:17:10: Okay jetzt liegt dieses nasse vermutlich von Muscheln und ekligem, schlamm verkrustete Kabel an Bord des Schiffs.

00:17:17: Wie stellt man diese filigrane Verbindung denn jetzt wieder her?

00:17:20: Man kann diese hafeinen Glasfasern ja nicht einfach wie ein Seil zusammenbinden!

00:17:24: Ne das geht natürlich nicht.

00:17:26: Und ab hier verwandelt sich diese grobe, maritime Arbeit draußen auf See plötzlich in absolute Hightech-Mikroschirurgie.

00:17:34: Okay wie läuft das ab?

00:17:36: Zuerst wird das beschädigte ausgefranzte Stück rigoros herausgeschnitten bis man wieder sauberes Material hat.

00:17:44: Dann müssen die winzigen Glasfasern im Inneren neu gespleist werden.

00:17:49: also sie werden miteinander verschweißt.

00:17:52: Und um zu verstehen, wie extrem präzise das sein muss müssen wir kurz auf die Funktionsweise von Glasfasern schauen.

00:17:59: Licht wandert ja durch diese Faser ohne an den Seiten auszutreten.

00:18:04: Das geschieht durch das Prinzip der Totalreflexion.

00:18:07: Der Winkel des Lichts und die Reinheit des Glases müssen dafür absolut perfekt sein!

00:18:13: Das heißt wenn der Schnitt beim Reparieren also nur minimal schief ist oder das Glas beim Verschweißen auch nur winzige Bläschen bildet

00:18:20: Dann ist alles umsonst.

00:18:22: Dann wird das Licht gestreut, bricht seitlich aus der Faser aus und die Daten sind komplett verloren.

00:18:28: Krass!

00:18:29: Exakt.

00:18:30: Die beiden Enden der Glasfaser, die wie gesagt jeweils dünner als ein Haar sind müssen absolut perfekt Plan geschnitten werden.

00:18:38: Sie werden dann unter einem speziellen Mikroskop Millimeter für Millimeter aneinandergelegt und schließlich durch einen Lichtbogen miteinander verschmolzen.

00:18:48: Das klingt nach Laborarbeit.

00:18:50: Ist

00:18:50: es auch?

00:18:51: Ein einziges Staubkorn oder eine winzige Unreinheit reicht aus, um diese Totalreflektion komplett zu stören!

00:18:59: Aber das Verrückte ist... Diese mikroskopische Präzisionsarbeit findet eben nicht in einem sterilen ruhigen Laboratorium auf dem Festland statt

00:19:10: Sondern auf diesem Schiff.

00:19:11: Genau Sie passiert in einer kleinen Kabine auf dem Deck eines Schiffes Und dieses Schiff liegt auf offener See, es rollt und stampft in den Wellen.

00:19:21: Die Techniker arbeiten damit einer Präzision die absolut keinen Fehler verzeiht während unter- und um sie herum der Ozean tobt.

00:19:29: Das ist ein unfassbarer Kontrast wenn man da mal drüber nachdenkt.

00:19:33: Auf der einen Seite haben wir unsere total Sterile pfeilt schnelle, vermeintlich unsichtbare digitale Welt.

00:19:40: Eine Welt aus reinen Datenalgorithmen und dieser scheinbaren Schwerelosigkeit der Cloud.

00:19:48: Und diese ganze moderne Welt hängt quasi buchstäblich am seidenen Faden einer schweren, rauen salzigen Handarbeit in mitten der stürmischsten Elemente die dieser Planet zu bieten

00:19:58: hat.

00:19:59: Besser kann man es nicht zusammenfassen!

00:20:01: Wenn die Glasfasern dann erfolgreich verschweißt sind, werden sie wieder sorgfältig in die schützenden Schichten aus Kupfer, Stahl und Polyethylen eingegossen.

00:20:10: Die reparierte Stelle wird komplett wasserdicht- und extrem druckfest

00:20:14: versiegelt.".

00:20:15: Und dann?

00:20:16: Dann schiebt die Crew das reparierte Kabel einfach wieder über die Bordwand – es sinkt zurück in die eisige Dunkelheit hinab auf den Meeresgrund!

00:20:25: Und unser globaler Datenverkehr fließt wieder uneingeschränkt….

00:20:29: Das Schiff dreht dann bei und wartet irgendwo auf den nächsten Alarm.

00:20:39: Genau,

00:20:48: etwas zum Nachdenken.

00:20:49: Wenn du heute Abend vielleicht dein Laptop zuklappst oder deinen Smartphone weglegst – oder wenn das nächste Mal dein Instagram-Feed mal wieder zwei Sekunden länger lädt und du genervt bist ….

00:20:59: Denk kurz an die Leute im Sturm!

00:21:01: Und frag dich vielleicht mal selbst….

00:21:03: Wie sehr formt eigentlich die ständige Illusion der schwerelosen Technologie unser gesamtes Verständnis von Sicherheit?

00:21:10: Ein sehr starker Gedanke Ja.

00:21:12: Wenn wir all unsere persönlichen Erinnerungen Unser kollektives Wissen und unsere gigantische globale Wirtschaft in die angebliche Cloud hochladen, vergessen wir dabei vielleicht wie empfindlich und physisch angreifbar die echte harte Struktur unter unseren Füßen wirklich ist?

00:21:28: Absolut.

00:21:29: Das zwingt uns regelreich dazu, die materiellen Realitäten unserer scheinbar im materieellen Welt anzuerkennen!

00:21:37: Was macht das mit uns, wenn wir realisieren dass unser gesamtes modernes Wissen an ein paar zerbrechlichen hafeinen Glasfäden auf dem Grund des Ozeans hängt?

00:21:47: Ein faszinierendes Spannungsfeld.

00:21:50: Und wir sind damit leider auch schon wieder am Ende unserer heutigen gemeinsamen Analyse angekommen.

00:21:55: Ich möchte mich extrem ausdrücklich und von ganzem Herzen bei dir bedanken.

00:21:59: Ja vielen Dank.

00:22:01: Danke, dass du uns heute dein Ohr geliehen hast.

00:22:03: Deine Zeit in dieses Thema investiert und vor allem deine offene Neugiede mit uns geteilt hast.

00:22:09: Es ist immer wieder ein echtes Privileg solche fundamentalen Zusammenhänge für dich aufbereiten zu dürfen Und gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen unserer Welt zu werfen.

00:22:17: Auch von mir nochmal ein ganz herzliches Dankeschön für deine Aufmerksamkeit!

00:22:21: Es ist eine riesige Freude wenn man so tief in die verborgenen Schichten unseres Alltags eintauchen kann.

00:22:29: Nimm dieses neue Bild unserer Welt einfach mal mit in deinen Tag.

00:22:33: Bleib aufmerksam, hinterfrage die kleinen und großen Illusionen, die uns umgeben – und vor allem bleib immer neugierig!

00:22:41: Bis zum nächsten Mal.

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