Folge 26 - The Return Trip Effect
Shownotes
Wir alle kennen diese eine alltägliche Situation, in der uns unser eigenes Gehirn einen gewaltigen Streich spielt. Aber warum lassen wir uns so extrem täuschen? Entdeckt in der neuen Folge das Geheimnis hinter einer faszinierenden Alltags-Illusion. Die Auflösung wird euch garantiert überraschen!
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00:00:00: Hast du dich eigentlich jemals gefragt, warum der Rückweg aus dem Urlaub sich eigentlich immer deutlich kürzer anfühlt als die Hinfahrt?
00:00:07: Also obwohl die Strecke auf den Meter exakt gleich lang ist.
00:00:11: Ja das ist wirklich...
00:00:13: Nein!
00:00:14: Du hast auf dem Heimweg natürlich keine geheime Abkürzung durch die Raumzeit genommen.
00:00:19: Die Wahrheit ist viel faszinierender Dein eigenes Gehirn hat dich belogen.
00:00:25: Herzlich willkommen zu unserer heutigen Analyse.
00:00:27: Wir nehmen heute ein extrem alltägliches, aber wissenschaftlich hoch komplexes Phänomen genau unter die Lupe – den sogenannten Rückreiseffekt!
00:00:36: Ein Phänomene das vermutlich jeder Mensch der schon einmal verreist ist aus eigener Erfahrung kennt.
00:00:42: wir verbringen Stunden im Auto, im Zug oder auch im Flugzeug und die Wahrnehmung dieser Zeitspanne scheint sich völlig von der messbaren Realität abzukoppeln.
00:00:51: Lass uns dafür mal ganz konkretes Bild zeichnen.
00:00:54: Stell dir vor, es sind endlich Sommerferien.
00:00:57: Du sitzt im folgepackten Auto, vielleicht klemmt sogar noch so eine nervige Kühltasche zwischen den Beinen.
00:01:04: Der Klassiker!
00:01:05: Die
00:01:05: Vorfreude ist riesig – das Ziel ist ein fantastischer unbekannte Ort im Süden.
00:01:10: Die Playlist läuft und die Stimmung ist auf dem Höhepunkt.
00:01:14: Aber nach einer Weile kommt von der Rückbank oder als innerer Monolog in deinem eigenen Kopf diese unweigerliche Frage… Wann sind wir endlich da?
00:01:24: Oh ja, ab diesem Moment zieht sich die Fahrt dann meistens wie Kaugummi.
00:01:28: Genau!
00:01:29: Man starte aus dem Fenster, zählt fast schon die Leitpfosten und die Uhr scheint wirklich komplett still zu stehen.
00:01:37: Das ist die klassische Erfahrung der Hinfahrt eine scheinbar endlose Ausdehnung der subjektiven Zeit.
00:01:43: Richtig Aber spulen wir nun mal zwei Wochen vor.
00:01:47: Der Urlaub ist vorbei Die Koffer sind wieder im Auto Und du fährst exakt dieselbe Autobahn zurück nach Hause
00:01:53: Selbe Entfernung, selbes Tempo.
00:01:55: Ganz genau!
00:01:56: Vielleicht sogar dieselben Pausenstopps und völlig unerwartet biegst du heinbar im Handumdrehen in deine eigene Straße ein und wunderst dich wo die letzten sechs Stunden geblieben sind?
00:02:06: Ja das ist Wahnsinn.
00:02:07: unsere Mission für unsere heutige Analyse ist es genau diese Diskrepanz aufzulösen.
00:02:13: Wir stützen uns dabei auf aktuelle psychologische Quellen und wollen mal herausfinden, mit welchen Tricks unsere innere Uhr da eigentlich arbeitet.
00:02:20: Weil wenn wir kein mechanisches Urwerk im Kopf haben das Stur im Sekundentaktik – wie konstruiert unser Bewusstsein dann überhaupt das Gefühl von vergangenen Stunden?
00:02:29: Um diese Frage zu beantworten müssen wir uns erstmal von der Vorstellung verabschieden dass Zeitwahrnehmung ein einziger einheitlicher Prozess ist!
00:02:40: Die kognitive Forschung unterscheidet da nämlich grundlegend zwischen zwei völlig verschiedenen Systemen, der prospektiven und der retrospektiven Zeitwahrnehmung.
00:02:49: Und das ist quasi der Schlüssel zum gesamten Rückreiseeffekt.
00:02:54: Zwei verschiedene Betriebssysteme für ein- und dieselbe Sache – das bedeutet wir bewerten die Zeit im gegenwertigen Moment völlig anders als wenn wir später auf sie zurückblicken!
00:03:03: sehr gut zusammengefasst, ja?
00:03:05: Prospektive Zeitwahrnehmung ist das was du erlebst während ein Ereignis gerade stattfindet.
00:03:11: Du hast eine Aufgabe, du wartest auf etwas, du bist voll im Hier und Jetzt!
00:03:15: Retrospektivezeitwahrnemungen hingegen passiert im Nachhinein.
00:03:19: Du liegst abends im Bett und überlegst wie lange sich der heutige Tag angefühlt hat.
00:03:25: Und diese beiden Systeme nutzen komplett unterschiedliche Datenpunkte im Gehirn um zu einem Ergebnis zu kommen.
00:03:32: Lass uns das direkt mal auf unsere lange Zehe-Hinfahrt in den Urlaub anwenden.
00:03:37: Während wir da im Auto sitzen, prasseln ja ununterbrochen neue Eindrücke auf uns ein!
00:03:42: Wie verarbeitet dieses retrospektive System diese Flut an Neuem?
00:03:48: Naja wenn wir uns in eine unbekannte Umgebung begeben schärft die Evolution natürlich erstmal unsere Sinne.
00:03:54: Alles ist neu
00:03:55: Richtig alles ist potentiell wichtig.
00:03:57: Die Landschaft draußen vor dem Fenster ist neu.
00:04:00: Die Architektur der Rastplätze sieht anders aus.
00:04:03: Man muss völlig fremde Straßenschilder navigieren, das Gehirn läuft auf absoluten Hochtouren.
00:04:09: Krass!
00:04:10: Ja... Man kann sich das ein bisschen wie eine Kamera vorstellen die ununterbrochen hochauflösende Fotos von der Umgebung schießt um eine mentale Landkarte dieser neuen Welt zu erstellen.
00:04:21: Wow okay Das ist kognitive Schwerstarbeit.
00:04:24: Jeder neue Baum jede unbekannte Kreuzung wird da als Datenpunkt abgespeichert.
00:04:29: Wenn ich diese Analogie der Kamera mal auf unsere heutige Technikwelt übertrage, ist das Gehirn-auf-der-Hinfahrt also wie ein Videoencoder, der eine unfassbar hohe Bittrate verwendet.
00:04:40: Genau!
00:04:41: Es werden extrem viele Daten pro Sekunde auf die Festplatte geschrieben und wenn es Gehirnen dann später also retrospectiv bewertet, wie lange die Fahrt gedauert hat, schaut es sich einfach die Größe dieser Datei an – richtig?
00:04:52: Das ist der exakte Mechanismus absolut….
00:04:55: Das Gerirn setzt im Rückblick die schiere Menge angespeicherten Erinnerungen mit der verstrichenen Zeitgleich.
00:05:01: Wahnsinn!
00:05:01: Hohe Speicherdichte bedeutet für unseren Verstand dann automatisch, hier ist so unfassbar viel passiert.
00:05:07: ich habe so viele neue Details abgespeichert.
00:05:10: das muss eine wahnsinnig lange Zeitspanne gewesen sein.
00:05:13: Verstehe.
00:05:13: So unglaublich dick geworden
00:05:18: es.
00:05:20: Wenn die hohe Bittrate und diese vielen neuen Fotos, die Ursache für die gefühlte Länge der Hinfahrt sind muss auf der Rückfahrt ja exakt das Gegenteil passieren.
00:05:27: Das Gehirn kennt die Strecke dann schon.
00:05:30: Exakt!
00:05:31: Die neurologische Forschung spricht hier von predictive coding also einer vorherragenden Informationsverarbeitung.
00:05:39: Das gehirn ist zwar extrem leistungsfähig aber von Natur aus eben auch darauf programmiert so viel Energie wie möglich zu sparen
00:05:47: Ist ja logisch, ja.
00:05:48: Wenn es dann erkennt das ist eine Umgebung bereits kennt also diese spezifische Autobahnauffahrt diesen markanten Berg am Horizont Dann hört es auf die umgebungen aktiv und hoch Auflösend zu scannen.
00:06:00: Es schaltet also quasi vom aufmerksamen Touristenmodus in einen radikalen Energiespar Modus um sozusagen in den Autopiloten
00:06:09: ganz genau.
00:06:11: Das Gehirn gleicht eigentlich lediglich noch ab, ob die aktuelle Realität noch mit der Erinnerung von der Hinfahrt übereinstimmt.
00:06:19: Solange dann nichts Unerwartetes passiert – also kein plötzlicher Unfall auf der Gegenspur, kein brennendes Auto am Rand – speichert es so gut wie keine neuen Erinnerungen ab!
00:06:28: Es knipst kaum noch neue Fotos.
00:06:31: Aber da muss ich jetzt kritisch einhaken?
00:06:34: Gerne….
00:06:35: Ich
00:06:35: verstehe das Konzept des Energiesparmodus völlig.
00:06:38: Weniger neue Eindrücke bedeuten weniger abgespeicherte Erinnerungen, aber eine Stunde in der nichts Neues passiert ist doch trotzdem ne Stunde!
00:06:47: Denk mal an ein extrem langweiliges Meeting oder ne Stunde im Wartezimmer beim Arzt wo du stuhr auf so'ne weiße Wand starst.
00:06:55: Da macht das Gehirn ja auch keine neuen Fotos und trotzdem fühlt sich diese Zeit im Nachhinein nicht wie eine Sekunde an sondern zieht sich endlos.
00:07:03: Warum funktioniert der Autopilot beim Rückreise-Effekt anders als im Wartezimmer?
00:07:07: Das ist ein brillanter Einwand.
00:07:10: Der zwingt uns, die Perspektiven noch mal sauber zu trennen.
00:07:14: Beim Warten im Arztzimmer leidest du massiv unter der prospektiven Zeitwahrnehmung.
00:07:19: Ach so!
00:07:20: Ja?
00:07:21: Im Moment selbst fühlst du da jeden einzelnen Sekunden Tick weil Du Deine ganze Aufmerksamkeit auf das Warten richtest.
00:07:28: Aber wenn ich dich drei Monate später frage, wie lang war diese eine Stunde im Wartezimmer?
00:07:33: Im Vergleich zu einer Stunde in der du sagen wir mal Bungie Jumping gemacht hast.
00:07:37: Okay ja
00:07:38: Dann wird die Erinnerungen an das Wartezeimer im Rückblick fast auf null zusammenschrumpfen.
00:07:43: Da ist kein emotionaler Anker keine gespeicherte Geschichte.
00:07:47: Ah!
00:07:48: Das heißt weil Ich auf der eigenen Auffahrt Zuhause aus dem Auto steige und Auf Die Fahrt Zurückblicke greift dieses retrospektive System
00:07:57: Genau.
00:07:58: Das Gehirn sucht im Speicher nach Anhaltspunkten der letzten sechs Stunden, öffnet den Ordner Rückfahrt und stellt fest – hoch!
00:08:06: Der Ordner ist ja fast komplett leer.
00:08:08: Richtig Es findet nur einen ganz winzigen Stapel an Erinnerungen.
00:08:13: Der Großteil der Fahrt lief über den Autopiloten ohne dass da bewusste Wegmarken gesetzt wurden.
00:08:19: Wahnsinn.
00:08:19: Und aus diesem dünnen Artner zieht das Gehirnhirn nun einen logischen aber völlig trügerischen Schluss.
00:08:25: Im Speicher ist kaum etwas abgelegt, Ergo kann in der Zwischenzeit kaum Zeit vergangen sein.
00:08:32: Das Fehlen von diesen markanten neuen Erinnerungspunkten lässt die Zeitspanne im Rückblick förmlich kollabieren – das Gehirn fällt quasi auf seine eigene Effizienz herein!
00:08:42: Das
00:08:42: ist ja nur die halbe Miete unseres mentalen Autotrips.
00:08:56: Ja, absolut!
00:08:57: Wir haben vorhin über diese Ungeduld auf der Hinfahrt gesprochen.
00:09:01: Die Frage – wann sind wir endlich da?
00:09:03: wird ja live im Auto gestellt.
00:09:05: Wie erklärt sich diese quälende Langsamkeit während der Hinfahrt durch die Psychologie?
00:09:09: Hier betreten wir das weite Feld der Erwartungshaltung und der Aufmerksamkeitssteuerung.
00:09:14: Das ist genau dieses prospjektive System, dass wir vorhin schon mal angeschnitten haben.
00:09:19: Neben der unbewussten Datenverarbeitung im Hintergrund bestimmt unsere bewusste Aufmerksamkeit nämlich extrem stark, wie wir Zeit im gegenwärtigen Moment erleben.
00:09:29: Und auf der Hinfahrt gibt es einen massiven psychologischen Treiber!
00:09:32: Das Ziel?
00:09:33: Ganz genau das Ziel.
00:09:34: Klar
00:09:35: Wir haben den Strand des Ferienhauses oder die Berge direkt vor unserem inneren Auge.
00:09:40: Die Erwartungshaltung ist auf das absolute Maximum hochgefahren
00:09:44: Und diese Vorfreude sorgt eben dafür, dass unser kognitiver Fokus nicht auf der Fahrt selbst legt sondern auf dem ausstehenden Ereignis in der Zukunft.
00:09:53: Wir wollen eigentlich nur ankommen!
00:09:55: Richtig – wir wollen diesen Zustand der FahrT, der eigentlich nur so ein lästiges Hindernis zwischen uns und dem Urlaub ist, so schnell wie möglich überwinden.
00:10:04: Und was tun wir Menschen unweigerlich wenn wir wollen das eine Zeitspanne schnell vergeht?
00:10:09: Wir kontrollieren permanent den Volksschritt.
00:10:11: Wir schauen aufs Navi, wir beprüfen die Uhrzeit wie wir berechnen im Kopf, wie viele Kilometer noch fehlen...
00:10:16: Indau!
00:10:16: Wir lenken unsere exekutive Aufmerksamkeit voll auf das Konzept der Zeit und die psychologischen Quellen beschreiben hier ein ganz klares Muster.
00:10:26: Je mehr Beachtung wir der Zeit schenken, desto langsamer vergeht sie subjektiv.
00:10:31: Oh wow
00:10:33: Jedes Mal wenn du auf das Amaturenbrett schaust und feststellst, dass erst wieder micrige fünf Minuten vergangen sind verarbeitet.
00:10:40: Das gehören diese Enttäuschung als einen einen Reiz.
00:10:44: Wir machen die Zeit also selbst zu einem Ereignis!
00:10:47: Das erinnert mich total an eine sehr bekannte Situation aus dem Alltag
00:10:50: Erzähl.
00:10:51: Wer schon einmal als Schüler auf das Klingeln zur großen Pause gewartet hat und dabei ununterbrochen den Sekundenzeiger der Wanduhr fixiert, weiß dieser Zeiger scheint sich plötzlich in Zeitlupe zu bewegen.
00:11:03: Manchmal glaubt man sogar erzittert so ein bisschen rückwärts.
00:11:05: Ein fantastisches Beispiel!
00:11:07: Ist diese Ungeduld auf der Hinfahrt also im Grunde eine Art selbstgemachte Zeitluppe?
00:11:12: Das ist der perfekte Fahrgleich.
00:11:14: Die bewusste Konzentration auf dem Faktor Zeit dehnt das subjektive Erleben extrem in die Länge.
00:11:21: Du bist mental überhaupt nicht bei der Autobahn, nicht bei den Bäumen draußen.
00:11:25: Du bist gedanklich immer schon am Ziel.
00:11:28: Die physische Realität des Autos kommt deinem Geister einfach nicht schnell genug hinterher!
00:11:33: Das nennt man in der Fachsprache übrigens das Attentional Gate Model.
00:11:39: Stellt ihr ein inneres Tor vor durch dass Zeitimpulse in deinen Bewusstsein fließen?
00:11:45: Wenn du ganz entspannt bist ist dieses Tor eher eng... Und es kommen nur wenige Impulse durch.
00:11:50: Wenn du aber ungeduldig bist und ständig auf die Zeit artest, reißt Du dieses Tor weit auf!
00:11:56: Verstehe.
00:11:56: Flötzlich registrierst Du dann jede einzelne Millisekunde was dir gefühlte Dauer absolut unerträglich streckt.
00:12:03: Das führt uns unweigerlich zu der Frage Was mit diesem inneren Tor dann auf dem Rückweg passiert?
00:12:09: Der Druck ist ja dann komplett weg.
00:12:11: Richtig, das emotionale Profil der Rückreise ist völlig anders aufgebaut.
00:12:16: Das aufregende Ziel liegt ja nun hinter uns!
00:12:19: Wir fahren einfach nur nach Hause.
00:12:21: Ja...
00:12:21: Das eigene Zuhause löst in der Regel keine rasende Vorfreude oder massive Aufregung aus.
00:12:27: Es ist der Ort der maximalen Vertrautheit.
00:12:30: Die Erwartungshaltung ist extrem niedrig die Luft ist sprichwärtlich einfach raus.
00:12:34: Wir sind am Ende eines Urlaubs ja meistens auch körperlich entspannter Vielleicht sogar ein bisschen erschöpft von den vielen Eindrucken der ganzen letzten Wochen?
00:12:41: Absolut!
00:12:42: Und diese Entspannung führt dazu, dass wir das Attentional Gate schließen.
00:12:47: Wir fixieren uns überhaupt nicht mehr auf das Ankommen.
00:12:50: Wir lassen uns vielleicht von einem Podcast oder einem Hörbuch brieseln... ...wir schauen entspannt aus dem Fenster und lassen die Gedanken so'n bisschen schweifen.. ..wir schauen schlichtweg viel seltener auf die Uhr.
00:13:01: Wir versuchen nicht mehr die Zeit kognitiv zu kontrollieren.
00:13:04: Genau oder sie durch unsere schiere Willenskraft vorwärts zu peitschen.
00:13:08: Weil wir derzeit also ihren natürlichen Lauf lassen und nicht permanent diesen frustrierenden Abgleich zwischen Soll-und-Istzustand machen, rückt sie völlig aus unserem bewussten Fokus – und Ironie des Schicksals.
00:13:20: genau dann verfliegt sie im Moment selbst!
00:13:22: Es ist im Grunde eine doppelte Täuschung die hier am Werk ist.
00:13:26: Während wir im Auto sitzen vergeht die Heimfahrt schneller, weil wir nicht auf die Uhr schauen.
00:13:30: Und wenn wir dann zu Hause angekommen sind und zurückblicken, wirkt sie noch einmal kürzer, weil das Gehirn auf dem Autopiloten keine neuen Erinnerungen abgespeichert hat.
00:13:39: Prospektive und retrospektive Zeitwahrnehmung arbeiten auf dem Rückweg sozusagen Hand in Hand um die Distanz psychologisch komplett einzudampfen!
00:13:48: Wir haben jetzt die Idealbedingungen für diesen Effekt beleuchtet, aber lass uns noch mal kurz in die Nuancen unserer Quellen schauen.
00:13:56: Gerne!
00:13:58: Gilt dieses Gesetz der Wahrnehmung eigentlich absolut immer?
00:14:02: Was passiert zum Beispiel wenn wir auf dem Rückweg nicht dieselbe Strecke nehmen sondern eine völlig neue Route vielleicht durch eine andere Bergkette oder einfach über eine alternative Autobahn?
00:14:12: Das ist ein sehr wichtiger Punkt.
00:14:14: Interessanterweise verschwindet der Rückreiseeffekt dann in den meisten Fällen fast vollständig.
00:14:19: Echt jetzt?
00:14:20: Ja!
00:14:21: Studien zeigen, dass es nicht primär um die Richtung nach Hause geht sondern wirklich um die Bekanntheit der Strecke.
00:14:27: Ah ok Wenn du auf dem Rückweg eine komplett neue rote Wälzt wird dein Gehirn sofort wieder aus dem Energiesparmodus gerissen.
00:14:36: Klar, weil ja alles wieder neu ist.
00:14:38: Genau!
00:14:39: Es muss wieder diese hoch auflösenden Fotos der unbekannten Berge und neuen Autobahnkreuze machen.
00:14:45: Der mentale Speicherordner fühlt sich erneut Und im Rückblick fühlt es sich die alternative Heimfahrt dann genauso lang an wie die ursprüngliche Hinfahrt.
00:14:54: Das beweist wirklich extrem eindrucksvoll dass die Vertrautheit der Umgebung der wahre Auslöser ist.
00:15:00: Da fällt mir übrigens noch eine andere Variable ein.
00:15:03: Macht das eigentlich einen Unterschied?
00:15:04: Wer da im Auto sitzt?
00:15:07: Der Fahrer hat ja eine ganz andere kognitive Belastung als jemand, der hinten rechts einfach nur aus dem Fenster schaut.
00:15:12: Ja die Forschung deutet darauf hin dass der Effekt für Beifahrer oft noch viel ausgeprägter ist.
00:15:17: Macht Sinn!
00:15:18: Der Fahrer muss, auch wenn er die Strecke schon kennt ein gewisses Maß an kognitiver Grundlast aufrechterhalten.
00:15:25: Er muss den Verkehr überwachen, die Spur halten und auf Bremslichter reagieren.
00:15:30: Sein Autopilot ist sozusagen noch mit so Wachfunktionen gekoppelt.
00:15:34: Sehr gut ausgedrückt genau!
00:15:36: Der Passagier auf der Rückbank hingegen kann kognitive komplett abschalten.
00:15:41: Er kann Dösen träumen, die Informationsverarbeitung der Außenwelt nahezu auf Null reduzieren.
00:15:48: Dementsprechend extrem ist dann natürlich der Mangel an Erinnerungsankern, wenn der Beifahrer zu Hause aussteigt.
00:15:55: Für ihn wirkt der Sprung durch die Zeit noch viel abrupter.
00:15:58: Das
00:15:58: ist wirklich erstaunlich!
00:16:00: Wenn wir all diese Mechanismen mal bündeln – also den Video-Encoder im Kopf, der auf der Rückfahrt die Auflösung drosselt, die fehlende Ungeduld das Schließen des inneren Tores für die Zeitwahrnehmung, dann formt das ein Bild unserer Psyche?
00:16:15: dass mich unweigerlich an einen der brillantesten Köpfe der Wissenschaftsgeschichte denken lässt.
00:16:20: Oh, jetzt bin ich gespannt!
00:16:21: Albert Einstein hat ja das revolutionäre Konzept geprägt, das zeitrelativ ist.
00:16:27: Ah, ja?
00:16:28: Eine Erkenntnis die er zwar primär für die theoretische Physik und das Universum formulierte... ...die sich aber durch diese Psychologische Linse eigentlich nahtlos auf unsere innere Erlebenswelt übertragen lässt.
00:16:40: Der Rückreiseffekt belegt auf faszinierende Weise, dass Einstein auch für unseren profanen Alltag recht behält.
00:16:47: Die Zeit im menschlichen Bewusstsein ist eben keine feste physikalische Konstante.
00:16:52: Unsere innere Uhr – auf die wir uns im Alltag oft so stark verlassen – ist hochgradig subjektiv und manipulierbar.
00:17:00: Wie lange eine Stunde für Dich ist, wird massiv davon bestimmt wie intensiv Dein Gehirn arbeiten muss.
00:17:07: Wie viel Unbekanntes Du gerade absorbierst und wie stark Deine Aufmerksamkeit auf das Vergehen der Zeit selbst gerichtet ist.
00:17:14: Richtig!
00:17:15: Wir sind unserem eigenen Wahrnehmungsapparat in dieser Hinsicht ein gutes Stück weit ausgeliefert.
00:17:20: Das Gehirnen optimiert sich selbst ohne uns überhaupt um Erlaubnis zu fragen.
00:17:24: Ja
00:17:25: Aber ähm Das Wissen um diese Mechanismen kann uns im Alltag durchaus helfen, gelassener mit solchen Situationen umzugehen.
00:17:33: Und was ist genau das wertvolle Take-Away für dich als Zuhörer?
00:17:37: Wenn du aus unserer heutigen Analyse jetzt gleich wieder in den Alltag zurückkehrst!
00:17:42: Wenn du das nächste Mal mit vollem Kofferraum auf der Autobahn in Richtung Urlaub stehst und dir die Fahrt quälend und endlos lang vorkommt dann ärgere dich nicht über die scheinbar stehende Zeit
00:17:53: Auf keinen Fall.
00:17:54: Erkenne stattdessen, was in diesem Moment wirklich passiert.
00:17:58: Dein Gehirn baut gerade fieberhaft unzählige neue neuronale Verbindungen auf.
00:18:03: Es läuft auf absoluten Hochtouren, speichert Millionen von Details und lernt die Welt komplett neu kennen.
00:18:10: Ein schöner Gedanke!
00:18:11: Deine kognitive Maschinerie ist lebendig und hellwach Und wenn die Rückfahrt ansteht Dann kannst du dich entspannt zurücklehnen Denn dein mentaler Autopilot wird dir sprichwörtlich wie im Flug nach Hause bringen.
00:18:23: Das ist ein sehr pragmatischer Trost für den nächsten Sommerstau.
00:18:28: Bevor wir unsere heutige Diskussion abschließen, möchte ich dir jedoch noch einen weiterführenden, vielleicht etwas radikalen Gedanken mit auf den Weg geben.
00:18:36: Oh!
00:18:36: Ein Gedanke, den du im Nachgang gerne für dich selbst weiter drehen kannst.
00:18:40: Er steht zwar in dieser Form nicht direkt in unseren Quellen über den Rückreiseeffekt aber er ist die unvermeidbare logische Schlussfolgerung aus dem was wir gerade über das Gehirn gelernt haben.
00:18:50: Nun hast Du definitiv auch meine Aufmerksamkeit.
00:18:52: Lass uns dieses Prinzip mal hoch rechnen.
00:18:55: Wir haben festgestellt, wenn wir uns in unbekannte Situationen begeben Wenn wir den Autopiloten abschalten und das Gehirn zwingend viele neue Eindrücke abzuspeichern dann dehnt sich unsere gefühlte Zeit im Rückblick enorm aus.
00:19:08: Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch wenn wir jahrelang denselben routinierten Alltag leben jeden Tag denselbe Weg zur Arbeit nehmen denselmen Urlaubsort besuchen Und immer die gleichen Abläufe haben übernimmt der Autopilot unser gesamtes Dasein.
00:19:25: Die Jahre rasen im Rückblick unaufhaltsam vorbei, weil der mentale Speicherordner extrem dünn bleibt.
00:19:31: Richtig!
00:19:36: Genauer gesagt, unsere subjektiv gefühlte Lebenszeit massiv strecken und verlängern indem wir bewusst und kontinuierlich unsere Routinen zerstören.
00:19:46: Und immer wieder völlig neue Dinge lernen?
00:19:48: Das ist eine fantastische Schlussfolgerung die bewusste Abkehr von der Routine als psychologisches Rezept gegen das subjektive Altern.
00:19:57: Wer ständig neue Wege geht Zwingt das Gehirn dazu unaufhörlich kognitive Fotos zu schießen und den Ordner des Lebens dick und schwer zu halten.
00:20:05: Still dir das mal vor.
00:20:07: Du könntest dein Leben vielleicht nicht biologisch auf hundertfünfzig Jahre ausdehnen, aber in deinem eigenen Inneren erleben könntest du deine Zeit effektiv verdoppeln – einfach nur indem du dem bequemen Energiesparmodus deines Gehirns regelmäßig den Kampf ansagst!
00:20:25: Und mit diesem Gedanken verabschieden wir uns für heute.
00:20:28: Wir bedanken uns ganz herzlich bei dir, dass du uns auf dieser psychologischen Reise begleitet und uns deine Zeit geschenkt hast.
00:20:35: Dem schließe ich mich an!
00:20:37: Wir hoffen sehr das sich dieser Deep Dive für dich ganz im Sinne des Themas nicht wie Kaugummi angefühlt hat.
00:20:43: Wir freuen uns schon darauf gemeinsam mit dir das nächste Mal wieder ein neues spannendes Thema unter die Lupe zu nehmen.
00:20:48: bis dahin gilt wie immer bleibt neugierig.
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