Folge 23 - Der Millisekunden-Krieg

Shownotes

Stell dir vor, jemand investiert hunderte Millionen Dollar und durchbohrt massive Berge – nur um den Bruchteil eines Wimpernschlags zu gewinnen. Völlig absurd? In dieser Folge tauchen wir in eine unsichtbare, streng geheime Welt ab, in der unsere normale Zeitrechnung nicht mehr existiert. Mach dich auf etwas gefasst!

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00:00:00: Hallo und willkommen!

00:00:01: Schön, dass du heute wieder mit uns in dieses Thema eintauchst.

00:00:05: Wir haben heute eine wirklich ausführliche Diskussion vor uns und ich freue mich sehr darauf.

00:00:10: Absolut, hallo auch von mir.

00:00:12: das wird heute ein echter Deep Dive in eine ziemlich absurde Welt

00:00:18: Genau, also wenn du so an die Börse denkst dann hast du wahrscheinlich sofort ein ganz bestimmtes Bild vor Augen.

00:00:23: Diese ganzen schreienden Markler, die Wild mit Zetteln wedeln...

00:00:27: ...telefone an beiden Ohren...

00:00:28: Richtig!

00:00:29: Telefone am Beiden Ohren verschwitzte Hemden und einfach pure Hektik auf dem Paket der Wall Street.

00:00:35: Ein sehr filmreifes Bild ja.

00:00:37: Aber wenn das dein Bild ist, vergiss es.

00:00:39: Vergiss es am besten sofort.

00:00:41: Weil die echte Börser von heute diricht überhaupt nicht mehr nach Schweiß

00:00:46: Die richt eher nach Server-Kühlflüssigkeit.

00:00:49: Exakt, sie ist extrem gut gesichert!

00:00:52: Flüster leise und wird komplett von Maschinen dominiert.

00:00:55: Und genau da wollen wir heute ansetzen!

00:00:58: Wir schauen uns den sogenannten Hochfrequenz-Handel an, und ich verspreche dir wenn wir uns gleich ansehen was diese Firmen so unternehmen und welche völlig absurden Summe die verbrennen nur um den Bruchteil einer einzigen Millisekunde schneller zu sein dann

00:01:15: wirst du das globale Finanzsystem wirklich mit völlig anderen Augen sehen.

00:01:18: ganz genau Dieser Wandel vom menschlichen Handel hin zu diesen gigantischen Rechenzentren, das ist ja nicht einfach nur so ein technisches Upgrade.

00:01:26: Nein überhaupt nicht!

00:01:27: Was hier wirklich faszinierend ist und dass es eigentlich die Kernbotschaft unserer Analyse heute... Wir sprechen hier über eine fundamentale Verschiebung der Zeitwahrnehmung.

00:01:36: Um wirklich zu begreifen was in diesem System passiert müssen wir uns von allem verabschieden was wir im Alltag irgendwie als schnell bezeichnen.

00:01:45: Lass uns das mal für den Zuhörer greifbar machen.

00:01:48: Also, wenn ich jetzt als, sagen wir mal, halbwegs technikaffiner Mensch eine Datenbankabfrage starte.

00:01:55: Ich lad mir per Skript die tagesaktuellen Kurse der fünfhundert größten Unternehmen runter.

00:01:59: Okay

00:02:00: ja?

00:02:00: Dann klick' ich auf Enter, warte vielleicht so ein zwei Sekunden und bam!

00:02:05: Die Daten sind da.

00:02:06: Für mein menschliches Empfinden ist das eine wahnsinnig schnelle Verarbeitung.

00:02:16: Also für die wahren Herrscher der Börse sind diese zwei Sekunden keine kurze Wartezeit,

00:02:21: sondern

00:02:22: sie sind eine geologische Epoche.

00:02:25: Krass!

00:02:25: Eine absolute Eiszeit in der quasi ganze Marktstrukturen zusammenbrechen und komplett neu entstehen könnten.

00:02:34: Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen.

00:02:36: Bis zu siebzig Prozent des gesamten Aktienhandels werden heute nicht mehr von Menschen gesteuert, sondern vollautomatisch von Algorithmen abgewickelt.

00:02:47: Okay wow!

00:02:49: Da gibt es also niemanden mehr, der aktiv eine Kaufentscheidung trifft oder auf einen Knopf drückt?

00:02:53: Richtig.

00:02:54: Niemand sitzt da und überlegt

00:02:56: aber was machen diese Algorithme dann in ihrer eigenen krass beschleunigten Realität Suchen die nach langfristigen Firmenwerten, also so klassisch Warren Buffett-mäßig?

00:03:06: Überhaupt nicht.

00:03:07: Das hat mit dem Klassischen Investieren absolut nichts mehr zu tun!

00:03:11: Diese Maschinen jagen nur nach den allerkleinsten, flüchtigsten Preisunterschieden auf verschiedenen Märkten.

00:03:16: Ah

00:03:17: okay...

00:03:17: Man nennt das Abitrage?

00:03:20: Ein ganz klassisches Beispiel aus den Quellen ist das Ausnutzen von Preistiskrepanzen zwischen den Handelsplätzen in New York und Chicago.

00:03:28: Also zwei verschiedene Städte?

00:03:29: Genau

00:03:29: stell dir vor Eine bestimmte Aktie kostet in New York exakt zehn Dollar.

00:03:34: Durch winzige Marktschwankungen gibt es aber in Chicago, in exakt derselben Millisekunde jemanden der bereit ist, zehn Dollar und einen einzigen Cent für diese Aktie zu zahlen.

00:03:45: Warte!

00:03:45: Einen Cent?

00:03:46: Ja,

00:03:46: einen Cent mehr... Der Computer kauft also in New-York und verkauft sofort nach Chicago.

00:03:52: Okay, lass mich das mal kurz in die physische Welt übersetzen.

00:03:56: Das ist im Grunde so, als würde ich über einen riesigen Flohmarkt laufen.

00:04:01: An Stand A sehe ich eine Kaffee-Tasse für zehn Euro und weil ich irgendwie den gesamten Markt im Blick habe weiß ich das.

00:04:09: am völlig anderen Ende jemand steht der genau diese Tasse für Zehn Euro und einen Cent sucht.

00:04:16: Ich kaufe sie also für zehn, laufe rüber, verkaufe sie sofort wieder.

00:04:24: einen Cent Gewinn gemacht.

00:04:26: Aber mal ernsthaft, EINEN CENT!

00:04:29: Für mich als Mensch lohnt sich das doch nie im Leben.

00:04:31: Natürlich

00:04:32: nicht.

00:04:32: Selbst wenn ich das zehnmal mache kann ich mir davon nicht meinen Kaugummi kaufen.

00:04:36: Wie wird man denn mit so einem Modell dann zum Wall Street-Mäler der?

00:04:39: Der Schlüssel

00:04:40: hier ist die Skalierung und was extrem wichtig ist Die absolute Risikolosigkeit.

00:04:46: Für dich auf dem Flohmarkt ist der Weg das

00:04:47: Problem oder?

00:04:48: Ja klar Ich muss da ja rüber laufen

00:04:50: Genau.

00:04:51: Und was es wenn der Käufer am anderen Ende plötzlich weg ist

00:04:54: Dann sitze ich auf der Tasse.

00:04:55: Richtig, aber der Algorithmus hat dieses Problem nicht!

00:04:58: Er sieht beide Seiten des Diets gleichzeitig im digitalen Orderbuch.

00:05:02: Er kauft und verkauft in praktisch ein- und demselben Atemzug.

00:05:06: Ah ok, verstehe...

00:05:08: Und vor allem er macht diesen Deal ja nicht nur einmal, er macht den Zehntausende Male.

00:05:14: Wenn so ein Computer diesen einen Cent Deal sagen wir mal hunderttausendmal pro Minute durchführt, dann summiert sich das Rasen schnell zu beträgen für die andere Firmen jahrelang hart arbeiten müssen.

00:05:26: Ein gigantisches Vermögen fast aus dem Nichts!

00:05:29: Das ist ja gar kein Investieren mehr – das ist quasi das automatische Abschöpfen von Systemverzögerungen.

00:05:36: Genauso kann man das sehen.

00:05:37: Aber

00:05:37: warte mal….

00:05:38: wenn dieser Deal völlig risikofrei und buchstäblich Geld druckt?

00:05:42: dann bin ich doch garantiert nicht der Einzige, der so einen Algorithmus programmiert hat.

00:05:46: Natürlich nicht!

00:05:47: Wenn

00:05:47: der Preisunterschied auftaucht, sehen ihn doch dutzende Systeme gleichzeitig oder?

00:05:52: Und genau das ist der entscheidende Punkt.

00:05:54: Das ist der Moment, der das Ganze von einem reinen Mathematikproblem in ein knallhartes physikalisches Problem verwandelt.

00:06:00: Wie meinst du das?

00:06:02: Naja... Da dieser Deal so lukrativ ist, sehen ihn hunderten hochgezüchtete Computer von Dutzenden verschiedenen Firmen weltweit.

00:06:10: Alle entdecken diese Diskrepanz von einem Cent auf die Mikrosekunde genau zur gleichen Zeit und alle feuern sofort ihren Kaufbefehl ab.

00:06:19: Aber es gibt diese Tasse auf dem Flohmarkt eben nur ein einziges Mal!

00:06:23: Richtig

00:06:23: – wer bekommt sie also?

00:06:24: Wahrscheinlich der schnellste.

00:06:26: Nur der allerschnellste, derjenige dessen Datenpaket als erstes die geografische Distanz zwischen York und Chicago überwindet.

00:06:34: Der Gewinner bekommt alles, der Zweitplatzierte bekommt nichts.

00:06:38: Okay

00:06:38: also wird der Kampf um diesen winzigen Cent zu einem echten physischen Rennen zwischen diesen zwei Metropolen.

00:06:45: Genau, und hier betreten wir den Bereich der absoluten Absurdität moderner Infrastruktur.

00:06:50: Das bringt uns zu den Ereignissen um das Jahr Zwei Tausend Zehn Wenn wir uns die Quellen ansehen.

00:06:58: damals wurden diese Datenbestände ja größtenteils durch ganz klassische Glasfaserkabel geschickt oder?

00:07:05: Ja, Lichtsignale die entlang existierender Trassen von Chicago nach New York gesendet wurden.

00:07:10: Und das dauerte damals ziemlich genau sechzehn Millisekunden!

00:07:14: Um das mal für dich als Zuhörer einzuordnen... ...ein menschlicher Wimpernschlag liegt bei etwa dreihundert Millisekonnten.

00:07:21: Wir reden hier also bei sechziehn Millisikunten von fast nichts.

00:07:25: Ein Bruchteil eines Wimperschlags.

00:07:28: Das ist doch für jedes normale Netzwerk praktisch Echtzeit.

00:07:31: Für das normale Internet, fürs Streaming oder Videotelefonie ist das völlig ausreichend aber für Hochfrequenzhändler waren diese sechzehn Millisekunden unerträglich langsam.

00:07:42: Echt

00:07:43: jetzt?

00:07:43: Ja ein massiver Wettbewerbsnachteil.

00:07:46: jeder Umweg den das Kabel um eine Stadt- oder einen Tal herummachte kostete Nanosekunden und da trat dann eine Firma namens Spread Networks auf den Plan.

00:07:56: Die hatten eine völlig verrückte Idee.

00:07:58: Für sie waren diese sechzehn Millisekunden nicht akzeptabel.

00:08:02: Ihr Plan war, wir ziehen ein neues Kabel.

00:08:05: Okay klingt erstmal logisch?

00:08:07: Aber nicht einfach nur ein modernes Kabel sondern das absolut geradeste Kabel der Welt zwischen diesen beiden Finanzzentren.

00:08:14: Jeder Meter Umweg kostet Zeit!

00:08:16: Aber

00:08:16: wenn man ne Landparte aufschlägt sieht man ja sofort das Problem.

00:08:20: Zwischen Chicago und New York liegen massive Hindernisse.

00:08:24: Ohja Normale Infrastruktur, egal ob das Autobahn-, Bahngleise- oder eben normale Glasfaserkabel sind weicht natürlichen Barrieren ja eigentlich aus.

00:08:32: Wenn da ein massiver Bergkamm liegt legt man das Kabel drum herum.

00:08:36: Das ist lodisch kosteneffizient und naja bautechnisch der einzig sinnvolle Weg.

00:08:41: Spreadnetworks interessierte sich aber nicht für Baukosten oder Logik im herkömmlichen Sinn.

00:08:47: Die Allegheny Mountains standen exakt auf der direkten geraden Linie

00:08:51: Also diese gigantische Gebirgskette

00:08:53: Genau.

00:08:54: Und anstatt diese Berge zu umgehen, ließ die Firma Schwerstesburg-Rät auffahren.

00:08:59: Die haben buchstäblich monatelang Löcher und Gräben direkt durch den massiven Fels gefressen.

00:09:04: Wahnsinn!

00:09:05: Alles nur, um die Geometrie nicht zu verletzen – die Linie auf der Landkarte musste absolut gerade bleiben.

00:09:11: Da muss ich jetzt aber wirklich mal kritisch einhaken, denn hier wird es wirklich interessant.

00:09:16: Die Dimension sind doch völlig irrsinnig.

00:09:19: Die Quellen sagen das hat drei Hundert Millionen US-Dollar gekostet.

00:09:23: Dreihundert Millionen, ganze Berge zu durchbohren um ein Kabel zu verlegen.

00:09:29: Und der

00:09:29: Effekt?

00:09:30: Die Übertragungszeit sank von sechzehn auf dreizehn Millisekunden.

00:09:35: Sie haben dreihundert Millionen Dollar ausgegeben, um winzige dreitausendstel eines Sekunde einzusparen.

00:09:41: Wie kann sich eine dreihundert Millionen-Dollar-Investition für etwas lohnen?

00:09:46: Das schneller vorbei ist als einen Wimpernschlag!

00:09:49: Ich verstehe deine Ungläubigkeit total...

00:09:51: Die Mathematik geht doch auf den ersten Blick überhaupt nicht auf.

00:09:54: Weil du das nicht als klassische Investitionsrechnung betrachten darfst.

00:09:57: Du musst das als existenzielles Überleben sehen.

00:10:00: ich habe ja vorhin gesagt Winner takes all.

00:10:02: Ja, der Gewinner bekommt alles.

00:10:04: Genau!

00:10:05: Wenn du auf dem alten sechzehn Millisekunden-Kabel sitzt und ich mir für sehr viel Geld den Zugang zu dem neuen dreizehn Millissekundentunnel kaufe dann passiert folgendes Wir sehen beide den ein Cent Deal.

00:10:17: wir drücken beide gleichzeitig ab.

00:10:18: Okay Mein Signal tumpt nach dreizehnt Millisekten an Dein Signal nach Sechszehn.

00:10:22: Ich kauf die Aktie.

00:10:24: wenn dein Signal ankommt greift es ins Leere.

00:10:26: ich schnappe dir jeden einzelnen Deal vor der Lase weg.

00:10:29: Das heißt, ich verliere nicht nur ein bisschen Geld sondern ich mache ab diesem Moment schlichtweg gar keinen Umsatz mehr.

00:10:34: Völlig

00:10:35: richtig null!

00:10:36: Es hat sich gelohnt weil die Händler Millionen zahlten nur um auf diesen spezifischen Kabel zu sein.

00:10:40: Ah ok Die Händlern haben Spread-Networks diese Unsummen gezahlt um überhaupt im Markt bleiben zu dürfen.

00:10:46: Wenn du nicht auf diesem Dreizehn Millisekunden Kabel warst konntest du den Handel eigentlich direkt einstellen?

00:10:51: Krass das kabel war praktisch eine Eintrittskarte in dem markt.

00:10:55: exakt

00:10:56: Ok dass leuchtet ein.

00:10:57: Man könnte jetzt natürlich meinen, ein absolut gerades Glasfaserkabel direkt durch massive Berge gefräst.

00:11:04: Das ist das Ende der Fadenstange!

00:11:07: Gerade als eine direkte Linie geht in unserem Universum nun mal nicht.

00:11:12: Die

00:11:12: Physik setzt jedoch eigentlich das absolute Limit.

00:11:16: Aber ironischerweise wurde dann genau die Physik, die man durch die gerade Linie optimieren wollte zum nächsten massiven Problem.

00:11:25: Selbst das perfekte Glasfaserkabel wurde plötzlich wertlos.

00:11:29: Die Physik des Lichts stand im Weg, das Material selbst erwies sich als Flaschenhals.

00:11:33: Warte mal!

00:11:35: Das teuerste gerateste Kabel der Welt ist auf einmal das Problem.

00:11:40: Glasfasan transportieren Daten doch per Lichtsignal und wir lernen in der Schule nichts im Universum ist schneller als das Licht.

00:11:48: Ja, nichts ist schneller es das Licht im Vakuum – und das ist der entscheidende Unterschied.

00:11:54: Ah, okay!

00:11:55: Nicht mit der absoluten Lichtgeschwindigkeit.

00:11:58: Weil das Glas optisch dichter ist als Luft oder eben ein Vakuum

00:12:03: Verstehe.

00:12:04: Zudem flickt das Licht ja nicht einfach Schnur gerade dadurch sondern wird im Inneren ständig an den Wänden der Glasfaser hin und her geworfen.

00:12:12: Es legt also quasi einen winzigen Zickzackkurs zurück.

00:12:16: Ach weil es reflektiert wird?

00:12:18: Genau Und das führt dazu, dass Lichtsignale in Glasfaserkabel etwa dreißig Prozent langsamer unterwegs sind als beispielsweise in der reinen Luft.

00:12:28: Das ist ja unfassbar!

00:12:29: Die haben also hunderte Millionen Dollar ausgegeben Berge durch Bord um die perfekte Linie zu ziehen nur um dann festzustellen, dass das Glas selbst ihr Gegner isst?

00:12:39: Ja kann man so sagen...

00:12:40: Das ist ja, als würde ich die perfekte kurvenfreie Autobahn bauen.

00:12:45: Aber dann merken das sich leider nur auf Plattenreifen fahre.

00:12:49: Eine sehr treffende Analogie!

00:12:52: Und wie hat die Wall Street auf dieses Dilemma reagiert?

00:12:56: Ganz einfach – wenn das Medium Glas zu langsam ist, muss man das Medium wechseln.

00:13:02: Okay und was ist die Lösung?

00:13:04: Man verließt den Boden und ging in die Luft.

00:13:07: Die Firmen begannen gigantische Richtfunk-Türme zu bauen.

00:13:11: Ein riesiges Netzwerk aus Masten, das die Signale als Mikrowellen direkt durch die Luft feuert.

00:13:17: Mikrowell?

00:13:18: Ja!

00:13:19: Von Turm zu Turm wieder in eine absolut geraden Linie um das teure Glasfaserkabel komplett obsolet zu machen und damit rücken wir gedanklich wirklich vom Millisekundenbereich ab.

00:13:35: Wahnsinn!

00:13:36: Wir sprechen jetzt also nicht mehr darüber, wer den kürzeren Weg auf der Landkarte hat sondern wer den Brechungsindex der Erdatmosphäre besser ausnutzt.

00:13:43: Genau

00:13:44: Das nimmt völlig surreale Züge an.

00:13:46: aber es geht ja noch extremer wenn wir uns die Quellen ansehen.

00:13:50: Die ultimative Eskalation

00:13:52: Die Händler zahlen mittlerweile absolute Unsummen um ihre eigenen Server im exakt selben Raum aufzustellen in dem auch die Computer der Börse stehen.

00:14:04: Der Krieg um die Geschwindigkeit endet nicht bei Funkmasten.

00:14:08: Wenn jede Mikrosekunde zählt, musst du physisch so nah wie möglich an die Börse ran.

00:14:13: Aber warum machen die Bösen dann mit?

00:14:15: Das klingt nach einem riesigen Sicherheitsrisiko, wenn da externe Firmen im heiligsten Serverraum

00:14:20: stehen.

00:14:20: Es ist ein gigantisches Geschäftsmodell.

00:14:23: die Börsen verdienen Milliarden daran diese Plätze zu vermieten wahrscheinlich die teuersten Quadratmeter der Welt.

00:14:30: aber wenn wir das mit dem großen Ganzen verbinden bringt es einen völlig absurdes neues Problem mit sich

00:14:35: und zwar

00:14:36: die Fairness.

00:14:37: Stell dir vor, der Server der Börse steht in der Mitte des Raumes.

00:14:41: Das Rek von Firma A steht direkt daneben – vielleicht ein Meter entfernt – das Rek vom Firma B steht in dahintersten Ecke dreißig Meter entfernd.

00:14:50: Würde man beide mit normalen Kabeln anschließen wäre das Kabel von Firma B viel länger!

00:14:55: Das Signal von Firma a wäre einen winzigen Bruchteil einer Nanosekunde schneller.

00:15:00: Und in diesem System wo der Gewinner alles bekommt, wäre Firma b sofort aus dem Geschäft?

00:15:05: Nur wegen dem Stellplatz im Raum.

00:15:06: Exakt!

00:15:07: Deshalb werden in diesen Serverräumen die Strom- und Datenkabel auf den Millimeter genau abgemessen.

00:15:12: Wirklich?

00:15:13: Auf den

00:15:13: Millimetern?!

00:15:14: Ja...

00:15:15: Wenn das längste Kabel im Raum fünfzig Meter lang sein muss, um den hintersten Server zu erreichen dann bekommst du der direkt daneben steht ebenfalls ein fünftig Meter langes Kabel.

00:15:24: Aber wenn ich nur einen Meter entfernt

00:15:25: bin?

00:15:26: Dann werden die restlichen neunundvierzig Meter einfach ordentlich aufgewickelt und neben deinen Server gelegt damit das Kabel von Firma A auf gar keinen Fall auch nur fünf Zentimeter kürzer ist als dass von Firma B.

00:15:38: Das ist unglaublich, das heißt an der modernen Wall Street entscheidet heute buchstäblich ein Lineal und einen fünf Zentimeter längeres Kabel über Sieg oder Niederlage bei Millionen Deals?

00:15:50: Das ist Wahnsinn.

00:15:51: Absoluter

00:15:52: Wahnsinn.

00:15:52: ja!

00:15:53: Der Aktienmarkt ist heute eigentlich kein Finanzplatz mehr im klassischen Sinn

00:15:57: Nein überhaupt nicht.

00:15:58: Es ist ein physikalisches Hochleistungslabor geworden Ein Kriegs-Schauplatz auf dem der eigentliche und einzige Gegner die Lichtgeschwindigkeit selbst ist.

00:16:07: Da hinter, sondern aufgewickelte Kabel- und Mikrowellen!

00:16:11: Danke für deine Aufmerksamkeit heute und dass du dir die Zeit genommen hast mit uns in diese absurde Welt einzutauchen?

00:16:17: Genau danke auch von mir.

00:16:18: aber bevor wir dich vor heute entlassen möchte ich dir noch ein kleines Gedankenexperiment mit auf den Weg geben.

00:16:23: Oh

00:16:23: sehr gerne

00:16:24: Wenn wir uns heute schon um fünf Zentimeter Kabel streiten weil die Lichtgeschwindigkeit unser absolutes physikalisches Limit.

00:16:31: Was passiert eigentlich an dem Tag, an dem jedes System, jeder Algorithmus und jede Firma das absolute physikalische Maximum von null Verzögerung erreicht hat?

00:16:39: Das ist eine gute Frage.

00:16:40: Wenn niemand mehr auch nur eine Mikrosekunde schneller sein kann – weil die Naturgesetze es schlichtweg verbieten!

00:16:48: Wie gewinnt man dann überhaupt noch an der Börse?

00:16:50: Muss die Wall Street dann anfangen die Gesetze derzeit selbst auszuhebeln?

00:16:56: Bleibt neugierig….

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