Folge 21 - Der 9,99 Trick
Shownotes
Ein unscheinbarer Trick begegnet uns jeden Tag – und obwohl wir ihn eigentlich durchschauen, fallen wir immer wieder darauf herein. Erfahre, welches winzige Detail unser Gehirn massiv täuscht und wie du diese psychologische Falle ab sofort ganz einfach austrickst. Viele Spaß mit der heutigen Folge!
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich Willkommen, schön dass du heute zu unseren neuen Analyse eingeschaltet hast.
00:00:04: Hallo!
00:00:06: Stell dir bitte für einen kurzen Moment mal folgende Situation vor Du stehst im Supermarkt Vor dir im Regal steht so eine Flasche Olivenöl und auf dem kleinen Schild darunter leuchtet der Preis.
00:00:18: Neun Euro, neunundneutzig.
00:00:21: Der absolute Klassiker
00:00:22: Genau.
00:00:22: Und du weißt in diesem exakten Moment Auf einer rein intellektuellen Ebene völlig klar dass das ein psychologischer Trick ist?
00:00:30: Ja, natürlich weißt du das.
00:00:31: Eben!
00:00:32: Du bist schlau und hast dieses Konzept doch längst durchschaut... Und trotzdem – und das ist echt die faszinierende Prämisse unserer heutigen Tiefenrecherche – fällt dein Gehirn in genau diese Moment wieder darauf rein.
00:00:45: Jedes einzelne Mal.
00:00:47: Ja.
00:00:48: Warum lassen wir uns alle jeden einzelnen Tag von einem wirklich lächerlichen Cent derab an den Nase
00:00:55: herumführen?!
00:00:56: Heute knöpfen wir uns das Dokument mit dem Titel Skriptfolge-Ir.
00:01:01: Der Neun, Neun und Neunzig Trickpunkt PDF vor um genau diese Mechanik mal komplett zu entlarven.
00:01:08: Und es ist ein Phänomen das wirklich so tief in unserer Kognition verankert ist dass es schon fast beängstigend ist.
00:01:15: Wir sprechen hier über diese magische Grenze an der aus einer zehn Euro einen neun Euro neunundneunzig wird.
00:01:22: Ein einziger Cent Richtig
00:01:24: Einen Unterschied der mathematisch absolut irrelevant.
00:01:27: Aber psychologisch einfach gigantisch ist.
00:01:30: Genau da hänge ich nämlich fest, wenn ich rational darüber nachdenke... ...ist es doch kompletter Unsinn!
00:01:36: Ein einziger Cent hat in unserer heutigen Wirtschaft praktisch null reale Kaufkraft.
00:01:40: Gar
00:01:41: keine.
00:01:41: Ja.
00:01:42: Wenn dir ein Cent Stück auf den Bürgersteig fällt Gehst du wahrscheinlich weiter weil dir das Bücken zu anstrengend ist oder?
00:01:48: Also ich bücke mich dafür bestimmt nicht
00:01:50: mehr.
00:01:50: Siehst du, aber in der Psychologie der Preisgestaltung scheint dieser eine Cent ganze Welten zu trennen!
00:01:57: Wie kann das sein?
00:01:58: Unser Gehirn ist doch eigentlich wie ein hochmoderner Supercomputer.
00:02:03: Wir können Raketen auf dem Mars landen.
00:02:06: wir verstehen Quantenphysik Aber bei neun Euro neunundneunzig setzt das System aus.
00:02:11: Dieser Widerspruch ist der Kern der ganzen Sache.
00:02:14: Die Wissenschaft benennt diesen spezifischen Mechanismus sehr präzise.
00:02:18: Unsere Quellen sprechen hier von sogenannten Left-Digit-Effekt, also dem linke Ziffereffekt.
00:02:24: Okay lasst uns das mal aufdröseln!
00:02:27: Mein Gehirn ist dieser Supercomputer der aber irgendwie ständig versucht im Stromsparmodus zu laufen oder?
00:02:33: Also extrem auf Effizienz getrimmt oder schlichtweg unglaublich faul isst.
00:02:38: Was hier faszinierend ist... ...ist genau dass Um zu verstehen warum unser innere Supercomputer hier scheinbar abstürzt dürfen wir gar nicht auf unsere mathematischen Fähigkeiten schauen.
00:02:48: Wir müssen uns ansehen, wie wir grundlegend Informationen verarbeiten.
00:02:53: Ähm... Wie meinst du das?
00:02:54: Speziell wie wir lesen.
00:02:56: Warte!
00:02:56: Wir reden über Preise im Supermarkt – was hat Lesen damit zu
00:02:59: tun?!
00:03:00: Alles In unserer westlichen Kultur, und das ist der entscheidende Rahmen hier, lesen wir Texte strickt von links nach rechts.
00:03:07: Ah, okay!
00:03:09: Dein Auge erfasst ein Wort ja nicht als simultanes Gesamtbild sondern es gleitet vom Links nach Rechts über die Buchstaben.
00:03:17: Und genau dieser automatisierte Prozess basiert halt auch bei Zahlen.
00:03:21: Also wenn mein Auge auf das Preisschild für dieses Olivenöl fällt verarbeitet mein Gehirn die Ziffer quasi chronologisch?
00:03:26: Genau so ist es.
00:03:28: Es sieht als allererstes Die Ziffer ganz links Die neun.
00:03:32: Okay, also bevor mein Gehirn überhaupt die Chance hat, die neunundneunzig Cent am Ende zu bemerken, hatte es die vorderen Neuen schon längst verarbeitet?
00:03:39: Exakt!
00:03:40: Und jetzt kommen wir zudem was in der Psychologie oft mit den zwei Systeme nach Daniel Kahneman beschrieben wird.
00:03:46: Wir haben System eins das schnelle intuitiver automatische Denken und wir haben System zwei dass langsame analytische rationale denken.
00:03:55: Dein System eins ist extrem auf Effizienz getrimmt.
00:03:58: Es will blitzschnell Entscheidungen treffen und dabei so wenig Energie wie möglich verbrauchen.
00:04:02: Verstehe, wenn ich also diesen neuen sehe was macht dieses schnelle System Eins dann genau?
00:04:08: Es baut in Bruchteilen einer Millisekunde einen mentalen Anker auf es registriert die Neuen und sagt sich sofort alles klar Gefahr gebannt.
00:04:17: wir befinden uns im neuen Eurobereich.
00:04:19: Wow okay
00:04:20: Es öffnet quasi eine gedankliche Schublade mit der Aufschrift neun Euro, wirft das Olivenöl da rein und macht die Schublada einfach wieder zu.
00:04:29: Das würde ja bedeuten dass die restlichen Neuneinzig Cent einfach komplett ignoriert werden?
00:04:34: Ja weitestgehend!
00:04:36: Lass mich mal versuchen das in ein Bild zu übersetzen.
00:04:38: Ist es so, als hätte mein Gewirn einen ziemlich unmotivierten Türsteher an einem Club?
00:04:44: Einen Türsteer!
00:04:45: Ja
00:04:45: der Türstehe also mein System eins, der kontrolliert nur den ersten Typen in der Schlange die vorderen neun.
00:04:52: er nickt ihn ab sagt du gehörst zum neuen Euro-Club geh rein.
00:05:04: Das
00:05:04: ist eine hervorragende Analogie.
00:05:07: Genauso arbeitet dieser kognitive Türsteher, dein Auge sieht die neunundneinzig Cent physisch natürlich schon.
00:05:13: du bist ja nicht blind.
00:05:14: Ja logisch.
00:05:15: Aber das Gehirn misst ihnen Kognitiv fast keine Bedeutung mehr bei.
00:05:19: Die Rechenkapazität für das Bewerten der hinteren Ziffer wird massiv heruntergefahren.
00:05:24: Der Türsteher hat seinen Job gemacht, die grobe Kategorie steht fest.
00:05:28: Warum also noch mehr Energie verschwenden?
00:05:30: Das ist aus evolutioneller Sicht aber irgendwie absurd oder?
00:05:34: Naja...
00:05:35: Millionen Jahre der Entwicklung haben uns darauf optimiert in Sekunden Bruchteilen zu entschreiten ob da ein Säbelzahn-Tiger im Gebüsch hockt.
00:05:43: und heute führt dieses Erbe dazu dass ich im Supermarkt stehe und mein Gehirn sagt, ach neunundneinzig Cent Unterschied lass stecken.
00:05:51: wir müssen Energie sparen für die Tigerjagd.
00:05:53: Da staunt man wirklich über die Biologie, ja.
00:05:55: Es ist schlicht ein Nebenprodukt unserer Evolution.
00:05:58: In der Natur war eine schnelle Entscheidung immer überlebenswichtiger als eine zu hundert Prozent präzise Entscheidung.
00:06:04: Besser schnell weglaufen als nachrechnen wie groß der Tiger ist.
00:06:07: Richtig Die Blitzbewertung raubt hier Ja oder Nein, die wenden wir jetzt halt auf Preisschilder an.
00:06:14: Die linke Ziffer dominiert die gesamte restliche Wahrnehmung weil sie schlicht die erste verfügbare Information ist.
00:06:20: Wahnsinn!
00:06:21: Okay, ich kauf dir ab dass mein Türstehergehörn ziemlich faul ist.
00:06:25: Aber wenn wir das mal auf die Spitze treiben?
00:06:27: Was genau passiert denn in dem Moment, indem der Preis um diesen einen winzigen Cent von neun Euro neuneinzig auf zehn Euro steigt?
00:06:36: Das ist der spannende Sprung.
00:06:37: Wir reden hier ja immer noch über einen einzigen Cent.
00:06:40: Warte mal, wir reden hier wirklich von einem lächerlichen Cent.
00:06:44: Sind wir Menschen einfach nur furchtbar schlecht im Mathe?
00:06:47: Oder warum fühlen sich glatte zehn Euro sofort so massiv viel teurer an?
00:06:51: Das wirft eine wichtige Frage auf.
00:06:53: Da sprichst du einen ganz zentralen Punkt aus unseren Quellen an, es geht hier nämlich überhaupt nicht mehr um Mathematik
00:06:59: Sondern?
00:06:59: Sondern um Emotionen und um Schmerz.
00:07:02: Wenn der Preis von neun Euro und Neuneinzig auf zehn Euro springt ändert sich die linke Ziffer.
00:07:08: Der mentale Anker verschiebt sich dramatisch.
00:07:10: Ah ok
00:07:12: Dein System eins registriert nicht.
00:07:14: Oh, ein Cent mehr!
00:07:15: Es schlägt Alarm und meldet Achtung wir haben eine komplette Größenordnung verlassen.
00:07:19: Wir sind von den Einstelligen in die zweistelligen Beträge gewechselt.
00:07:23: Moment Du hast eben Schmerz gesagt.
00:07:26: In den Unterlagen war von einem körperlichen Schmerzen im Portemonnaie die Rede.
00:07:32: Ist das nur so eine nette Metapher oder sprechen wie hier von echten Reaktionen im Körper?
00:07:37: Tatsächlich
00:07:37: können wir das in der Neurologie messen.
00:07:40: Ernsthaft Bedeutet, dass man Gehirn reagiert auf den Preis von zehn Euro wie auf einen echten Schmerzreiz als würde ich mir den großen C stoßen?
00:07:49: Ziemlich genau so.
00:07:50: Ja!
00:07:51: Wenn wir das Gefühl haben, dass ein Preis eine bestimmte von uns akzeptierte Schwelle überschreitet, feuern bestimmte Regionen in unserem Gehirnen – unter anderem die
00:08:02: Insula.
00:08:03: Genau und das ist eine Hirnregion, die auch mit der Verarbeitung von physischen Schmerzen und Ekel in Verbindung gebracht wird.
00:08:10: Wir Menschen haben eine tiefer verwurzelte Verlustaversion.
00:08:14: Der Verlust von Geld schmerzt uns psychologisch viel stärker, als uns der Gewinn der gleichen Summe
00:08:20: erfreut.".
00:08:21: Das heißt, der Türsteher gerät im Panik!
00:08:23: Ja…der Sprung auf die zehn Euro triggert dieses Verluste-Gefühl massiv – weil wir gefühlt eine harte Grenze überschritten haben.
00:08:35: Das ist wirklich abgefahren, es ist ein realer neurologischer Widerstand.
00:08:40: Aber ganz ehrlich ich frage mich das schon sind wir diese Mechanismus wirklich völlig hilflos ausgeliefert?
00:08:47: Naja...
00:08:48: Wenn ich doch weiß dass der Türsteher faul ist und meine Insularme nur Panik macht kann ich diesen Trick dann nicht einfach durchschauen und neutralisieren?
00:08:56: Um diese Frage zu beantworten müssen wir uns ein fantastisches Experiment anschauen das in unserer Quelle zitiert wird eine Studie der University of Florida.
00:09:05: Die Forscher wollten nämlich genau das herausfinden.
00:09:07: Oh, spannend!
00:09:08: Sie fragten sich was passiert eigentlich wenn wir den Leuten direkt ins Gesicht sagen dass sie gerade manipuliert werden?
00:09:15: Wie haben die das angestellt?
00:09:17: Sie haben den Testpersonen zwei völlig identische Kugelschreiber angeboten.
00:09:22: Der eine Stift kostete zwei Dollar der andere einen dollar neunundneutzig.
00:09:27: Okay
00:09:28: Aber bevor die Leute ihre Wahl treffen sollten haben die Forscher den Trick komplett transparent gemacht.
00:09:34: Sie haben den Teilnehmern ausdrücklich diesen Left-Digit Effekt erklärt.
00:09:38: Sie haben gesagt, schauen sie es geht hier nur um einen einzigen Cent Unterschied.
00:09:42: Wir versuchen gerade ihr Gehirn mit der linken Ziffer auszutricksen.
00:09:47: Warte mal!
00:09:48: Sie haben die Leute aktiv gewarnt?
00:09:50: Sie haben sagt Achtung Hier ist die Falle Trätet da bitte nicht hinein?
00:09:54: Exakt Die Illusion wurde vorher komplett aufgedeckt.
00:09:57: Und trotzdem und hier wird das wirklich bemerkenswert empfanden Über siebzig Prozent der Teilnehmer, den Stift für einst neunundneunzig immer noch als das signifikant bessere Angebot.
00:10:08: Hier wird es wirklich interessant!
00:10:11: Ja oder?
00:10:11: Obwohl Sie intellektuell absolut verstanden hatten dass der Preis-Unterschied lächerlich ist fühlten Sie sich bei den Einzneunund Neunzig wohler.
00:10:20: Genau
00:10:21: Da muss ich jetzt wirklich mal kurz durchatmen.
00:10:23: Das bedeutet ja im Umkehrschluss Dass uns intellektuelle Aufklärung davor gar nicht schützt.
00:10:27: Wir können unsere eigene Biologie einfach nicht abschalten?
00:10:30: Nein
00:10:31: Leider nicht.
00:10:31: Selbst wenn jemand den Vorhang zurückzieht und uns zeigt, wie der Zauberer die Taube aus dem Hut zieht, fallen wir trotzdem auf die Illusion herein.
00:10:38: Schönes Bild!
00:10:39: Erthühsteher winkt Die- one-neuneunzig durch Obwohl System zwei daneben steht und ruft hey das ist ne Falle.
00:10:48: Genau so ist es.
00:10:49: Es beweist einfach wie... unglaublich dominant, dieses schnelle System-I in unserem Alltag ist.
00:10:55: Das rationale System II kann die Situation zwar analysieren und sagen das ist doch völlig unlogisch aber dieses allererste impulsive und positive Gefühl der Ersparnis bei der Ziffer I im Vergleich zur Ziffer II ist einfach viel stärker.
00:11:10: Das ist auf der einen Seite mega faszinierend, auf der anderen Seite aber auch ein bisschen beängstigend finde ich.
00:11:16: Lass uns das mal weiterdenken!
00:11:18: Es ist ja die eine Sache wenn wir bei einem Kugelschreiber für zwei Dollar oder einer Packung Kaugummis an der Kasse auf diesen biologischen Stolperstein hereinfallen?
00:11:29: Wenn mein Türsteher da ein Fieler macht kostet mich das am Ende des Tages vielleicht einen Cent.
00:11:35: Aber was passiert denn, wenn diese exakt gleiche Reflex in Bereichen auftritt wo es nicht um Peanuts geht sondern um Millionen?
00:11:43: Ich denke da an Experten die eigentlich dafür bezahlt werden absolut rational zu sein.
00:11:48: Wenn wir das mit dem großen Ganzen verbinden landen wir direkt an der Wall Street.
00:11:52: Echt jetzt?
00:11:52: Oh ja!
00:11:53: Der Left-Digit Effekt macht nämlich vor den Toren der internationalen Finanzmärkte absolut keinen Halt.
00:11:59: Unsere Quellen übertragen dieses Konzept sehr eindrucksvoll auf das Tradingumfeld.
00:12:03: Stell dir mal einen hoch bezahlten Analysten vor, der vor so einem Risiken der Sport sitzt.
00:12:07: Okay ich habe ihn vor Augen!
00:12:09: Er wertet hochkomplexe Daten aus überwacht Optionsprämien und die aktuellen Kurse des S&P-Fünfhunderts.
00:12:15: Moment da muss sich direkt einmal einhaken.
00:12:18: Du willst mir doch nicht ernsthaft erzählen dass ein Typ der Achtzig Stunden die Woche nichts anderes macht als Bilanzen und Zahlenreihen zu studieren auf den neunneunneutzig Trick hereinfällt?
00:12:30: Doch genau das.
00:12:31: Da
00:12:31: geht es um Portfolios von Pensionskassen, da hängen Existenzen dran – die müssen sowas doch ausblenden können!
00:12:37: Das rationale Ausblenden funktioniert wie wir ja gerade bei der Kugelschreiber-Studie gesehen haben selbst dann nicht wenn man es wirklich versucht.
00:12:44: Wenn auf dem Monitor dieses Traders, der angezeigte Preis einer massiven Positionen von einhundert auf neunundneunzig, neunneun fällt passiert in seinem Gehirn exakt das gleiche wie bei dir im Supermarkt vor dem Olivenöl
00:12:55: Der Anker verschiebt sich.
00:12:57: Richtig!
00:12:58: Es ist mathematisch nur ein winziger Tick nach unten, ein wirklich lächerlicher Bruchteil eines Prozents.
00:13:03: aber die veränderte linke Ziffer also der Sprung von der dreistelligen hundert auf die zweistellige neunundneinzig triggert sofort den Alarm.
00:13:12: Achtung wir haben eine fundamentale Schwelle unterschritten –der Preis rutscht ab.
00:13:17: Exakt Die Wahrnehmung der Volatilität, also der Marktschwankungen fühlt sich für das Gehirn in diesem Bruchteil einer Sekunde viel dramatischer an als die nackten Zahlen es eigentlich hergeben.
00:13:27: Das ist echt Wahnsinn!
00:13:29: Ein Analyst könnte also aus einer völlig irrationalen Panik heraus eine Millionenentscheidung treffen nur weil sein innerer Türsteher von drei auf zwei Ziffern gewechselt hat?
00:13:39: Speinschluss definitiv die Marktpsychologie und die Entscheidungsfindung in Stresssituationen enorm Und es geht sogar noch eine Ebene tiefer.
00:13:49: Unsere Quelle führt aus, dass selbst hochentwickelte Trading-Algorithmen diese runden Marken und psychologischen Schwellenwerte festeinkalkulieren müssen.
00:13:59: Halt!
00:13:59: Stopp!
00:14:00: Jetzt verlierst du mich komplett... Ein Computeralgorithmus hat doch keine Insular die Schmerz empfindet und kein System eins das irgendwie energiesparen will.
00:14:09: Das stimmt?
00:14:10: Einem Code ist es doch völlig egal, ob er von links nach rechts oder von oben nach unten liest.
00:14:15: Warum sollte ein Algorithmus den Left-Digit-Effekt haben?
00:14:18: Dem Algorithmos selbst ist die Zahl in der Tat völlig egal – aber worauf ist dieser Algorithmus trainiert?
00:14:24: Ähm… auf dem Markt!
00:14:26: Erst darauf programmiert menschliches Verhalten an den Märkten zu antizipieren und auszunutzen.
00:14:32: Die Programmierer wissen dass die menschlichen Markteilnehmer bei runden Marken wieder hundert, völlig irrational reagieren.
00:14:39: In der Finanzwelt nennt man das psychologische Unterstützungslinien oder Widerstände.
00:14:44: Ah, ich verstehe!
00:14:45: Wenn eine Aktie von hundert auf neunundneinzig fällt, werden rein statistisch gesehen mehr Menschen aus Panik verkaufen als wenn die gleiche Aktie vom hundert drei auf hundert zwei fällt.
00:14:55: Der Algorithmus muss also diese menschliche Irrationalität in seinen Code integrieren um voraussagen zu können wann die menschlichen Trader in Panik geraten.
00:15:04: Das musst du dir mal auf der Zunge zergehen lassen.
00:15:07: Wir haben als Spezies eine biologische Schwachstelle, eine kognitive Faulhalt und anstatt sie irgendwie zu beheben programmieren wir unsere fortschrittlichsten Maschinen so dass Sie genau diesen evolutionären Back ausnutzen!
00:15:22: Ja das ist brillant und total erschreckend zugleich.
00:15:25: Wir codieren unseren eigenen Fehler in die Systeme ein, die den globalen Handel steuern.
00:15:31: Genau das ist der Punkt.
00:15:33: Und weil dieser kognitive Mechanismus, das von links nach rechts lesend so unglaublich tief sitzt, funktioniert dieser Trick nicht nur in den USA oder Europa.
00:15:42: Er funktioniert auf der ganzen Welt – in jedem System – dass dieses Lesemuster teilt!
00:15:47: Es ist ein echter globaler psychologischer Fixpunkt.
00:15:50: Also was bedeutet das alles für dich?
00:15:52: Wir haben also dieses evolutionäre Erbe, das wir nicht abschalten können und selbst die Profis an der Wall Street strauchen darüber.
00:16:00: Wie gehen wir im Alltag damit
00:16:01: um?!
00:16:02: Wir können ja schlecht jedes Mal beim Einkaufen in eine existenzielle Krise verfallen, wenn wir ein Preisschild sehen.
00:16:07: Besser nicht!
00:16:08: Die Forscher in unseren Quellen haben doch sicher Strategien die sich fast wie ein Heck für unser eigenes Gehirn anfühlen oder?
00:16:15: Ja, wir können uns einen Stück Kontrolle zurückholen.
00:16:17: das Skript teilt da zwei sehr konkrete Ratschläge von Verhaltensforschern.
00:16:22: Der erste Tipp zielt genau auf unseren kognitiven Türsteher ab.
00:16:26: Man sollte sich beim Einkauen aktiv dazu zwingen Preise von rechts nach links zu lesen.
00:16:32: Von
00:16:32: rechts nach Links?
00:16:33: Ganz ehrlich, das klingt im Alltag wahnsinnig anstrengend!
00:16:36: Das ist es auch und genau das ist ja der Sinn der Übung.
00:16:39: Wenn du das Preisschild Nr.
00:16:41: ninety-neunzig siehst und dein Auge zwingst bei der hinteren Neuen anzufangen dann die mittlere Neuen liest und erst ganz am Schluss die vordere Neune erfasst Dann durchbrichst du diesen blitzschnellen unbewussten Ankerprozess.
00:16:53: Okay Du störst also den Ablauf.
00:16:56: Genau, du störste den Ablauf.
00:16:58: Das zwingt dein Gehirn diesen Strom-Sparmodus zu verlassen und das System zwei, das analytische anstrengende Denken richtig hochzufahren.
00:17:07: Dein Gehirnen merkt – Moment mal!
00:17:09: Hier passiert etwas Ungewohntes.
00:17:11: der normale Ablauf ist gestört.
00:17:13: ich muss mich konzentrieren.
00:17:14: Okay, dass leuchtet ein.
00:17:16: Ich baue quasi eine künstliche Hürde ein damit mein Türsteher aufwacht und mal genauer hinschauen muss.
00:17:22: Was ist die zweite Strategie?
00:17:24: Die zweite Empfehlung der Forscher setzt auf so eine Art aktive Konditionierung.
00:17:29: Du sollst eine eisende Gewohnheit entwickeln, mach es dir zur Regel dass du jeden Preis, der auf Riechengenau auf Röhrung endet in deinem Kopf sofort und ohne Ausnahme auf den nächsten vollen Euro aufrundest.
00:17:42: Bevor ich kaufe nehme mich an!
00:17:44: Und zwar bevor du überhaupt an eine Kaufentscheidung auch nur denkst Wenn du Röhnungsjahr reichst, erlaubst du dir nicht neuen irgendwas zu denken?
00:17:53: Du sagst dir, laut in deinem Kopf das kostet drehen Euro.
00:17:57: Ich mache also aktiv die mentale Arbeit, die mein System einzig eigentlich sparen wollte!
00:18:02: Ich setze den Anker selbst aber an der richtigen realistischen Stelle.
00:18:07: Exakt!
00:18:08: Ich finde das extrem spannend und ich möchte dich, der uns gerade zuhört wirklich mal ermutigen Wenn du das nächste Mal im Supermarkt bist oder online einkaufst achte mal ganz bewusst auf diesen inneren Reflex.
00:18:20: Probier mal aus den Preis mental aufzurunden.
00:18:22: Das ist schwerer als man denkt.
00:18:24: Spürst du diesen kleinen Widerstand im Kopf, dieses kurze Zögern wenn du aus der neunneunundneunzig gedanklich eine zehn machst?
00:18:32: Es ist faszinierend dem eigenen Gehirn quasi in Echtzeit beim Versuch zuzuschauen wie es sich vor der Arbeit drücken will
00:18:39: und um dennoch einen letzten vielleicht etwas provokanten Gedanken mit auf den Weg zu geben.
00:18:45: Wenn unser Gehirnen bei Geld und Preisen so unglaublich stark an dieser linken Ziffer hängt Wie sehr manipuliert uns dieser Left-Digit-Effekt dann eigentlich unbewusst in völlig anderen Lebensbereichen?
00:18:57: Denken wir mal einen Moment über Geld hinaus.
00:18:59: Oh, das ist ein hervorragender Gedanke!
00:19:02: Wo begegnet uns das noch im Alltag?
00:19:05: Eigentlich überall dort wo wir in Kategorien und Grenzen denken.
00:19:08: Nimm mal das Alter.
00:19:10: Fühlt sich ein Mensch der neunundzwanzig Jahre alt ist für uns völlig anders an als jemand der dreißig wird?
00:19:16: Oh ja – definitiv
00:19:18: Obwohl es de facto nur ein einziger Tag Unterschied auf dem Papier ist.
00:19:22: Der Sprung von der zwei auf die drei bei der vorderen Ziffer löst gesellschaftlich und auch persönlich oft regelrechte Lebenskrisen aus.
00:19:30: Oh Gott ja, der dreißigte Geburtstag!
00:19:32: Genau oder wie ist es im Straßenverkehr?
00:19:35: Bei Geschwindigkeitsbegrenzungen fühlt sich neunundvierzig kmh auf dem Tacho psychologisch ganz anders an als fünfzig kmh
00:19:42: Total.
00:19:43: Wie ist es bei Entfarnungsangaben auf Straßenschildern?
00:19:46: Noch neunundneinzig Kilometer bis zum Ziel fühlen sich machbar an, aber hundert Kilometer wirken wie eine endlos lange Reise.
00:19:52: Wahnsinn!
00:19:53: Wir ordnen offenbar unser gesamtes Leben nach dieser allerersten Linkenziffer ein – die Magie der Rundenzahl.
00:20:01: Unser Gehirn liebt es einfach, die komplexe Welt in so saubere kleine übersichtliche Kategorien zu sortieren, weil das einfach energiespart.
00:20:09: Das ist ein Gedanke, den man wirklich mal in Ruhe sacken lassen muss.
00:20:13: Beobachte durch.
00:20:13: selbst dabei wurde im Alltag überall diese unsichtbaren psychologischen Grenzen begegnen die in der Realität eigentlich gar nicht existieren.
00:20:22: Sehr guter Vorsatz!
00:20:23: Damit sind wir für heute auch schon am Ende unserer gemeinsamen Tiefenrecherche angekommen.
00:20:28: Es war wieder einmal ein absoluter Trip in die menschliche Psyche, danke dass du heute wieder deine Zeit mit uns verbracht hast und uns deine Aufmerksamkeit geschenkt hast!
00:20:38: Es ist uns immer eine riesige Freude diese alltäglichen Mysterien gemeinsam aufzudröseln und die Fehler im System zu finden.
00:20:47: In
00:20:49: diesem Sinne... Lasst deinen inneren Türsteher beim nächsten Einkauf bitte nicht schlafen, achte auf die linke Ziffer und wir wünschen dir einen äußerst erfolgreichen, aufgerundeten Tag.
00:21:00: Bis zum nächsten Mal!
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