Folge 20 - Die lautlose Wasserpumpe
Shownotes
Manche Dinge in der Natur erscheinen völlig selbstverständlich – bis man sich fragt, wie sie eigentlich funktionieren. Ein Blick auf ein faszinierendes Rätsel, das direkt vor unseren Augen passiert. Viel Spaß mit dieser Folge!
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen!
00:00:01: Schön, dass du dir heute wieder die Zeit nimmst für unsere tiefgehende Analyse.
00:00:06: Genau.
00:00:07: Hallo auch von mir – wir haben heute echt ein Thema das….
00:00:10: naja es klingt im ersten Moment vielleicht alltäglich aber es ist absoluter Wahnsinn.
00:00:16: Richtig.
00:00:17: Wir steigen auch direkt ein.
00:00:18: ich möchte dich nämlich bitten, dir kurz folgendes Szenario vorzustellen Stell dir vor Du müsstest jeden verdammten Tag hunderte Liter Wasser vom Erdgeschoss hoch in den vierten Stock eines Wohnhauses schleppen
00:00:29: Puh!
00:00:30: Also ohne Aufzug?
00:00:32: Ohne Aufzug.
00:00:33: Und vor allem ohne laute, schwere und stromfressende Pumpen.
00:00:37: Das ist für uns Menschen quasi unmöglich.
00:00:40: Du müsstest unzählige Eimer die Treppen hochwuchten
00:00:42: Und du wärst nach zehn Minuten völlig am Ende
00:00:44: Exakt.
00:00:45: Oder du bräuchtest eben massig Energie um unten im Keller eine fette mechanische Pumperrad dann zu lassen Die das Wasser dann unter enormem Druck nach oben presst.
00:00:53: Ja wir kennen diesen Wassertransport eigentlich nur so Mit Lärm mit massiver Materialbelastung und eben einem immensen Energieverbrauch.
00:01:04: Es ist immer ein lauter Kampf gegen die
00:01:06: Schwerkraft.".
00:01:07: Genau!
00:01:08: Und jetzt kommen wir zu unserer heutigen Quelle, Wir schauen uns nämlich Auszüge aus einem Skript an – das heißt Skriptyfolge-Zwanzig Die Lautlosewasserpumpe.pdf.
00:01:19: Und dieses Dokument konfrontiert uns mit einer völlig anderen Realität?
00:01:22: Mhm,
00:01:23: absolut!
00:01:24: Wir sprechen heute über eine der Ja, beeindruckendsten Ingenieursleistungen unseres Planeten.
00:01:31: Und die läuft völlig geräuschlos ab!
00:01:33: Ohne Muskel ohne Herz ohne ein einziges Watt künstlicher Energie.
00:01:38: Wir reden über Bäume und ganz ehrlich das ist so eine Sache an die wir uns dermaßen gewöhnt haben dass wir sie gar nicht mehr hinterfragen oder?
00:01:45: Genau.
00:01:46: aber wenn ich mir zu einen ausgewachsenen Mammutbaum vorstelle wir reden hier von Organismen die über hundert Meter in den Himmel ragen.
00:01:54: Ein lebendiger Wolkenkratzer.
00:01:56: Ja, total!
00:01:57: Und Bäume haben halt kein Herzkreislaufsystem wie wir.
00:02:01: da pumpt kein Muskel irgendwie aktiv Blut oder so durch die Gegend?
00:02:05: Nee
00:02:05: überhaupt nicht.
00:02:06: und trotzdem saugen diese Riesen jeden Tag hunderte Liter Wasser aus dem Boden und transportieren das bis in die allerletzte Blattspitze ganz oben.
00:02:15: und wenn du da dein Ohr an den Stamm legst dann...
00:02:17: Dann hörst Du nichts absolut nichts.
00:02:21: Kein Rattern, keine Vibration gar nicht.
00:02:23: und unsere Mission heute ist es dieses Rätsel zu knacken wie zur Hölle besiegen riesige Organism in die Schwerkraft völlig lautlos.
00:02:32: Das ist wirklich das große anatomische und physikalische Rätse.
00:02:36: man muss sich einfach mal diese Dimension klar machen.
00:02:39: Die Schwerkraft zieht ja unerbittlich alles nach unten.
00:02:43: Um Wasser, hundert Meter hochzukriegen brauchst du normalerweise echt einen gigantischen Druck von unten.
00:02:50: Okay lass uns das an der Stelle mal kurz aufdröseln.
00:02:53: ein Baum hat kein Herz.
00:02:56: wenn wir Menschen Blut pumpen brauchen wir diesen massiven aktiven Muskel
00:03:00: richtig.
00:03:01: was genau passiert also da im Stamm von so einem Baum wenn unten in den Wurzeln eben keine Pumpe sitzt?
00:03:06: ich meine Das ist ja kein massiver Holzklotz, wo das Wasser einfach so durchsickert oder?
00:03:10: Nee.
00:03:11: Genau!
00:03:11: Das ist es nicht.
00:03:12: Das Holz, dass wir da sehen besteht zu einem riesigen Teil aus einem extrem komplexen Leitungssystem.
00:03:18: In der Botanik nennt man das Xylem.
00:03:21: Xyleem?
00:03:21: Okay
00:03:22: Ja Man kann sich das eigentlich vorstellen wie ein gigantisches Netzwerk Aus mikroskopisch kleinen Röhrchen Den sogenannten Leitbahnen.
00:03:31: Und die gehen wirklich vom alleräußersten Ende Der Wurzel unten
00:03:34: Also tief in der Erde
00:03:36: Ganz genau.
00:03:37: Von da ziehen die sich ununterbrochen durch den kompletten Stamm bis nach ganz oben, direkt in jedes einzelne Blatt!
00:03:45: Okay also reden wir hier im Grunde über... naja Millionen von extrem langen und extrem dünnen Strohhalmen.
00:03:52: Das ist eine super Bild, ja?
00:03:54: Aber warte!
00:03:54: Ein Strohhalam ist ja erstmal einfach nur Lehrerraum.
00:03:58: Wenn ich jetzt einen ganz normalen Plastik-Strohhalm in den Glaswasser stelle dann klettert das Wasser da ja auch nicht von alleine hoch bis an die Zimmerdecke
00:04:05: Leider.
00:04:05: nein
00:04:06: Da muss doch physikalisch irgendwie mehr passieren als nur dass da ein Rohr ist.
00:04:10: Absolut Die bloße Struktur reicht überhaupt nicht aus.
00:04:14: Der Baum verlässt sich hier komplett auf die Physik Und zwar auf die ganz speziellen Eigenschaften von Wasser, auf so einer molekularen Ebene.
00:04:23: In diesen mikroskopisch engen Röhren verhält sich Wasser nämlich nicht mehr so wie wir das aus der Badewanne oder einem Fluss kennen.
00:04:33: Da kommen zwei physikalische Prinzipien ins Spiel.
00:04:36: Athesion und Kohäsion
00:04:39: Okay.
00:04:40: Also Adhesion und Koalition, unser Skript geht ja extrem stark auf diese beiden Begriffe ein.
00:04:45: Wenn wir mal mit der Adhesion anfangen das beschreibt doch einfach die Eigenschaft von Wasser an anderen Dingen also an Materialien haften zu bleiben oder?
00:04:53: Richtig!
00:04:53: Genau das ist es.
00:04:55: Adhäsion ist quasi die Anziehungskraft zwischen den Wassermolekülen und den Wänden von diesen kleinen Leitbannen im Baum.
00:05:03: okay
00:05:04: Um das echt zu schneiden, müssen wir uns so ein Wassermolekül mal kurz wie einen kleinen Magneten vorstellen.
00:05:09: Einen Magneten?
00:05:10: Ja!
00:05:11: Wassermolikule haben nämlich einen Dipol-Charakter.
00:05:14: Das heißt die haben eine leicht positive und eine leicht negative Seite.
00:05:19: Das liegt daran dass der Sauerstoff die Elektronen ein bisschen stärker anzieht als der Wasserstoff.
00:05:26: Ah ok Und diese winzigen flüssigen Magnete reagieren dann auf das Material von den Röhrchen im Baum.
00:05:32: Exakt
00:05:34: Die Zellwände von diesen Röhrchen bestehen aus Zellulose und Lignin.
00:05:39: Und diese Wände sind polar, genau wie das Wasser.
00:05:42: Das heißt, dass Wasser wird von den Wänden dieser Röherchen buchstäblich angezogen.
00:05:47: die Moleküle kleben da förmlich an der Innenseite und ziehen sich durch diese Anziehungskraft selbst ein winziges Stückchen nach oben.
00:05:55: Ah!
00:05:56: Ich verstehe... Und weil diese Röhrchen im Baum so extrem eng sind, berührt wahrscheinlich das meiste Wasser irgendwie die Wand.
00:06:03: Genau!
00:06:03: Dadurch wird dieser Klettereffekt unablaublich effizient – das nennt man dann Kapillareffekt.
00:06:09: Das Wasser kriegt quasi an der Wand hoch.
00:06:11: Okay, Kapillarreffekt macht Sinn aber damit haben wir das Wasser ja jetzt noch nicht als eine kompakte massive Säule nach oben bewegt.
00:06:18: es kriegt ja nur am Rand rum.
00:06:20: und da kommt dann vermutlich dieses zweite Wort ins Spiel Cohesion
00:06:24: Ganz genau.
00:06:25: Unser Text nutzter diese Analogie von einer Perlenkette und das fand ich beim Lesen echten ziemlich starkes Bild.
00:06:30: Die
00:06:31: Perlenkette ist die perfekte Mithaffer dafür.
00:06:33: Kohesion bedeutet nämlich, dass die Wassermoleküle nicht nur an den Wänden kleben sondern eben auch unter einem Mander extrem fest zusammenhalten.
00:06:42: Wegen der Magnetsache von vorhin.
00:06:43: Richtig Erinnerst du dich an die Pole.
00:06:46: Die leicht positive Seite von einem Wassermolekül zieht die leicht negative Seite vom nächsten an.
00:06:52: In der Chemie nennt man das Wasserstoffbrückenbindungen.
00:06:55: Das
00:06:55: heißt diese Moleküle verhaken sich quasi unsichtbar ineinander.
00:06:59: Wieso kleine Händchen, die sich festhalten?
00:07:02: Ja exakt so kann man sich das vorstellen!
00:07:05: Die klammern sich total aneinander.
00:07:08: Du darfst dir das Wasser in diesen extrem dünnen Baumröhrchen also echt nicht als lose plätschende Flüssigkeit vorstellen
00:07:14: Sondern
00:07:15: Es ist vielmehr wie eine straffgezogene endlose Perlin-Kette, die einfach nicht reißt.
00:07:21: Wenn du ganz oben an der ersten Perle ziehst...
00:07:24: Dann folgt der ganze Rest der Kette automatisch weil sie so fest aneinander hängen.
00:07:29: Richtig!
00:07:30: Die Bindung zwischen den Molekülen ist unfassbar stark.
00:07:33: Okay stopp stopp Stopp.
00:07:34: da muss ich jetzt kurz rein geretschen, also das ergibt für mich irgendwie noch keinen Sinn.
00:07:39: Wieso nicht?
00:07:41: Ich verstehe diese Physik auf molekularer Ebene schon.
00:07:44: Die klebrigen Wände, die Händchen halten dann Wassermoleküle – das leuchtet mir alles voll ein!
00:07:50: Aber wir reden hier bei manchen Bäumen über Höhen von über hundert Metern.
00:07:54: Ja und?
00:07:55: Nur
00:07:55: weil Wasser toll zusammenhält fliegt es ja nicht von alleine hundert Meter in die Luft.
00:08:00: Wenn ich eine nasse Perlenkette auf den Boden lege Dann bewegt sie sich kein Millimeter Egal wie fest die Perlen zusammenhalten.
00:08:07: Da hast du völlig recht.
00:08:08: Der Kapillareffekt Alleinschaft vielleicht ein paar Meter, aber irgendwann gewinnt doch einfach die Schwerkraft.
00:08:14: Wir reden hier über Tonnen von Wasser – da fehlt doch ein Motor!
00:08:18: Irgendetwas muss diese gewaltige Säule ja aktiv nach oben ziehen oder
00:08:22: drücken.".
00:08:22: Und genau das ist der absolut entscheidende Punkt.
00:08:26: Dein Einwand ist hier völlig angebracht und ich liebe dieses Pushback denn Kapillarkräfte und innere Bindung alleine reichen bei Weitem nicht aus um einen riesigen Baum zu versorgen.
00:08:37: Eine Kette zieht sich nicht von selbst nach oben.
00:08:40: Es gibt einen Motor, aber das große Missverständnis liegt einfach darin wo wir Menschen diesen Motor suchen.
00:08:46: Also intuitiv würde ich den ganz unten suchen in den Wurzeln sowie eine dicke Tauchpumpe im Keller die das Wasser halt nach oben pumpt.
00:08:54: und genau da ist der Denkfehler!
00:08:56: Wir sind so an unsere eigene Technologie gewöhnt dass wir immer von unten drücken wollen.
00:09:02: Es gibt im Boden zwar einen gewissen Wurzeldruck, aber der ist extrem schwach.
00:09:05: Der hebt das Wasser vielleicht – lass es ein zwei Meter sein!
00:09:09: Und der Rest?
00:09:10: Um den wahren Motor des Baumes zu finden darfst du nicht auf den Bodenschauen….
00:09:15: Du musst nach oben schauen ….
00:09:17: Du musst in den Himmel blicken….
00:09:19: Die Kraftquelle die diese hunderte Meter lange Perlenkette nach oben zieht... Das ist die Sonne.
00:09:24: Warte mal, die
00:09:25: SonNE?!
00:09:26: Okay, äh ...das Wasser verdunstet wenn die Sonnen drauf scheint.
00:09:30: Das kenne ich.
00:09:31: Fützend trocknen aus.
00:09:33: Aber wie zum Teufel soll denn bloße Verdunstung, die ja diese brachiale Kraft aufbringen hunderte Liter Wasser gegen die Schwerkraft aus der Erde zu reißen?
00:09:44: Das wirkt doch total passiv!
00:09:46: Es wirkt passiv, aber physikalisch entfesselt das eine gewaltige Kraft.
00:09:51: Lass uns das im Detail anschauen, wie unser Skript das beschreibt.
00:09:54: Gerne weil ich hänge da gerade noch ein bisschen...
00:09:55: Also der Prozess heißt Transpiration.
00:09:59: Wenn die Sonne auf die Krone des Baumes knallt, dann erwärmt sie die Blätter.
00:10:03: Auf der Unterseite von diesen Blättern gibt es winzige Poren – die Spaltöffnungen.
00:10:09: Okay!
00:10:09: Diese Poren öffnen sich dann?
00:10:11: Genau!
00:10:12: Der Baum muss die aufmachen um Kohlendioxid für die Fotosynthese aufzunehmen.
00:10:17: Das ist quasi so als würde der Baum einarten.
00:10:20: Richtig Aber wenn er einatmet, passiert unweigerlich noch was anderes.
00:10:26: Das Wasser das drinnen im Blatt ist verdunstet und haut durch die Suporen in die trockene Luft draußen ab.
00:10:32: Ein flüssiges Molekül wird zu Gas und verlässt das Blatt.
00:10:37: Ah!
00:10:37: Und jetzt – oh warte, jetzt verbinden wir es mit unserer Perlenkette oder?
00:10:41: Jetzt hast du's.
00:10:42: Das heißt, wenn ganz oben an der alleräußersten Bladtspitze ein einziges Wassermolekül durch die Sonne verdunztet und abhaut
00:10:50: Dann hinterlässt es genau da eine kleine Lücke.
00:10:53: Und weil die Kohesion dieser Wasserstoffbrückenbindung, von der wir sprachen so extrem stark ist, reißt dieses verdunstenem Molekül im allerletzten Moment quasi noch das nächste Molekul von unten ein Stückchen nach um seinen Platz aufzufüllen.
00:11:07: Krass!
00:11:08: Und weil diese Kette überall strafgespannt ist zieht das zweite das dritte nach.
00:11:13: Das dritte zieht dass vierte nach und das geht runter bis in die tiefsten Wurzeln.
00:11:17: Exakt so ist es.
00:11:19: Was hier wirklich faszinierend ist, jeder einzelne kleine Wassertropfen der oben in den Wolken verdunstet zieht durch diese ununterbrochene Kettenreaktion einen neuen Tropfen ganz unten aus der dunklen Erde nach.
00:11:33: Wahnsinn!
00:11:33: Dadurch entsteht im Inneren des Baumes ein unfassbar starker physikalischer Transpirationszug.
00:11:40: Man spricht in der Wissenschaft von Unterdruck oder Spannung.
00:11:44: Also das Wasser wird nicht geschoben sondern es steht unter Zugspannung.
00:11:47: Ja Das ist nicht wie Wasser in einer Wasserleitung bei uns im Haus, das gedrückt wird.
00:11:53: Das Wasser im Stamm ist mechanisch gespannt als würdest du ein starkes Gummiband in die Länge ziehen!
00:11:58: Das ist ja echt komplett abgefahren,
00:12:01: d.h.,
00:12:01: wir sprechen hier im Grunde über einen gigantischen solarbetriebenden Staubsauger oder eben um bei dem Bild zu bleiben einen riesigen unsichtbaren Strohhalm an dem die Sonne zieht.
00:12:13: Die Strohhaalmanologie aus dem Text trifft es echt perfekt.
00:12:17: Wenn du an einem Strohhalm ziehst, dann erzeugst du ja in deinem Mund einen Unterdruck.
00:12:22: Richtig!
00:12:22: Ja und das Getränk kommt hoch?
00:12:24: Genau
00:12:24: die Flüssigkeit steigt auf um diesen Druck auszugleichen.
00:12:28: Beim Baum ist es eben nicht dein Mund sondern die Sonne die das Wasser oben weg saugt indem sie es verdunsten lässt.
00:12:34: Aber Moment mal wenn das Wasser unter einer so enormen Spannung steht wie ein Gummiband was passiert denn dann wenn dieses System kaputt geht?
00:12:43: Wie
00:12:43: meinst Du das?
00:12:44: Naja, ich stelle mir jetzt gerade vor.
00:12:45: Ich gehe mit einer Bohrmaschine in den Wald und bohre ein dickes Loch tief in so einen Baumstamm.
00:12:53: dann durchtrenne ich ja diese mikroskopischen Röhrchen.
00:12:57: Wenn ich bei mir zu Hause in der Wand eine Wasserleitung anbohre Dann schießt mir das Wasser unter Überdruck sofort mit einem riesigen Strahl ins Gesicht.
00:13:06: Passiert es beim Baum
00:13:07: auch?
00:13:08: Eben nicht und das ist eine der coolsten Konsequenzen von diesem Unterdrucksystem.
00:13:12: Wenn du den Stamm anborst, kommt dir kein einziger Tropfen entgegen.
00:13:16: Echt nicht?
00:13:16: Nein!
00:13:17: Stattdessen wenn du wirklich ganz genau hinhören würdest, würdest du hören wie Luft zischen nach innen gesaugt wird Weil da drinnen eben kein Überdruck ist, der raus will.
00:13:28: Sondern dieser massive Unterdruck, der reinzieht – die Spannung von unserem Gummiband reißt quasi!
00:13:33: Genau so ist es.
00:13:34: Diese Luftblase, die dann reinkommt unterbricht unsere Perlenkette sofort.
00:13:39: Botaniker nennen das Kavitation oder Emboli.
00:13:44: Ja
00:13:45: genau wie bei uns im Blutkreislauf wenn eine Luftblaser alles verstopft….
00:13:49: Wenn zu viel Luft da reinkommt, reißt dieser feine Wasserfaden ab und das betroffene Röhrchen ist eigentlich nutzlos.
00:13:57: Oha!
00:13:57: Aber das ist doch super gefährlich für den Baum?
00:13:59: Da bricht doch ständig mal ein Ast ab oder ein Käfer frisst sich durch die Rinde.
00:14:04: Das ist der Grund warum dieses Zülem so unfassbar komplex aufgebaut ist.
00:14:09: Da gibt es winzig kleine Ventile zwischen den Rörchen sogenannte
00:14:14: Tüpfe.
00:14:16: Und die können solche Lufteinschlüsse isolieren.
00:14:19: Damit eben nicht sofort das gesamte System kollambiert, bloß weil ein Ast abbricht – dass Wasser sucht sich dann einfach einen Umweg durch die Röhrchen direkt
00:14:28: daneben.".
00:14:29: Das ist im Grunde physikalisches Judo!
00:14:32: Der Baum kämpft nicht mit Rohrer Gewalt gegen diese riesige Schwerkraft an, er nutzt einfach die Verdunstung und diesen natürlichen Magnetismus vom Wasser um die Schwerkhaft mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.
00:14:44: Besser hätte man's nicht sagen können….
00:14:45: Unser Text formuliert das ja auch so passend.
00:14:48: Da steht, dass es ein absolutes Meisterwerk der Passivität.
00:14:52: Der Baum verbraucht für diesen unfassbar schweren Wassertransport nicht ein einziges Molekül an eigener Energie oder?
00:14:58: Kein bisschen!
00:15:00: Er stellt wirklich nur die Infrastruktur hin also diese winzigen verstärkenden Röhrchen.
00:15:05: den Rest – die eigentliche Schwerstarbeit überlässt er einfach der Sonne und der puren Physik.
00:15:10: Das ist echt verrückt.
00:15:11: Aber wir dürfen dabei eine Sache nicht vergessen Wir müssen echt würdigen, wie extrem widerstandsfähig die Konstruktion von so einem Baum dafür sein muss.
00:15:20: Inwiefern?
00:15:21: Naja wir haben ja über diesen gewaltigen Unterdruck gesprochen.
00:15:25: Der muss stark genug sein um Tonnen von Wasser hundert Meter hoch zu saugen.
00:15:30: Wenn wir solche Kräfte auf normale weiche Pflanzenzellen loslassen würden Die würden sofort in sich zusammenfallen.
00:15:36: Ah ok!
00:15:37: Wenn ich ganz stark an so nem billigen dünnst Rohalmsauge dann knickt er ja auch ein und verklebt
00:15:42: Genau das.
00:15:44: Und damit das im Baum nicht passiert, sind die Wände von diesen Leitbahnen mit diesem Lignin, also dem Holzstoff extrem star verkleidet.
00:15:52: Ah!
00:15:52: Deshalb ist Holz so hart?
00:15:54: Ja und jetzt kommt das Verrückte.
00:15:57: Die Röhren, die das Wasser leiten, das ist tatsächlich totes Gewebe.
00:16:02: Warte was der Baum nutzt tote Zellen.
00:16:05: ja Der Baum baut diese Röhren auf, lässt die Zellen dann extra absterben und verholzen und nutzt am Ende nur noch diese leeren steinharten Hüllen.
00:16:16: Nur dieses tote verholzte Korsett kann diesem Irrensog der Transpiration überhaupt
00:16:21: standhalten.".
00:16:22: Wahnsinn!
00:16:24: Entschuldigung... Er baut sich einfach eine Wasserleitung aus toten Zellen in der ein derartiger Unterdruck herrscht dass das Wasser fast zerrissen wird.
00:16:35: Aber weil diese Moleküle so eisern zusammenhalten, wandert die ganze Flüssigkeit völlig stumm in die Höhe.
00:16:43: Das verschiebt bei mir gerade echt die Perspektive darauf was da draußen im Wald jeden Tag vor sich geht.
00:16:48: Und weißt du was?
00:16:49: Genau diese verschobene Perspektiv ist es, die uns in dem Text am Ende zu einem ziemlich provozierenden Gedanken führt.
00:16:57: Oh!
00:16:58: Jetzt bin ich gespannt.
00:16:59: Ein Gedanke der uns Menschen direkt betrifft Wenn wir mal beobachten, wie elegant, wie völlig lautlos und unfassbar energieeffizient die Evolution da über Millionen von Jahren so ein System perfektioniert hat, rein Solarbetrieben gegen die Schwerkraft.
00:17:16: Da müssen wir uns doch ernsthaft fragen – Wie primitiv und Energie verschwenden sind eigentlich unsere eigenen menschlichen Lösungen im Vergleich dazu?
00:17:24: Wow!
00:17:24: Das ist natürlich ein krasser Kontrast.
00:17:26: Wir verbrennen Kuge, wir spalten Atome, wir bauen gigantische Windräder.
00:17:31: Genau, nur um Strom für Wasserpumpen zu erzeugen.
00:17:34: Genau!
00:17:34: Pumpen die unfassbaren Lärmachen, die andauern kaputt gehen, Verschleißteile haben... ...nur um irgendwie Flüssigkeiten durch unsere Städte oder Heizungen zu pressen.
00:17:44: Wir setzen immer auf Druck und Zwang auf diesen lauten Motor unten im Keller.
00:17:48: Richtig, wir nutzen im Prinzip rohe Gewalt um die Natur zu besiegen.
00:17:54: Der Baum hingegen, der integriert sich völlig mühelos in die natürlichen Kreisläufe und die Physik, die wir heute besprochen haben diese Athesion, die Kohesion dieser Unterdruck durch Verdunstung
00:18:04: Die gilt ja nicht nur für Bäume, das ist universelle Physik.
00:18:07: Genau!
00:18:07: Das funktioniert ja überall – es ist nicht auf Holz oder Blätter beschränkt.
00:18:11: Reine Mechanik….
00:18:12: Es ist also wenn man's genau nimmt in erster Linie ein Designproblem von uns Menschen, dass wir diese Prinzipien in unserer Technik nicht nutzen.
00:18:19: Boah, das is'n faszinierende Ansatz.
00:18:21: Stell dir mal vor du der Du gerade zuhörst Wir würden dieses Prinzip wirklich auf unsere Infrastruktur übertragen.
00:18:27: Es gibt doch diese Disziplin Biomimikrie wo man sich die Natur zum Vorbild nimmt?
00:18:31: Ja
00:18:32: absolut
00:18:32: Könnten wir denn theoretisch einen Wolkenkratzer entwerfen, der genauso funktioniert wie ein Baum?
00:18:39: Ein riesiges Haus das völlig ohne elektrische Pumpen auskommt.
00:18:42: Theoretisch ist das absolut denkbar!
00:18:44: Es gibt tatsächlich schon Architekten und Ingenieure die in genau diese Richtung forschen – man könnte zum Beispiel Gebäudehüllen entwerven, die künstliche mikroskopische Kapilasysteme haben.
00:18:55: Okay,
00:18:55: und wie würde das dann funktionieren?
00:18:57: Naja, stell dir vor….
00:18:59: Die Sonne knallt im Sommer aufs Dach.
00:19:01: Dort verdunstet dann gezielt Feuchtigkeit durch spezielle Poren.
00:19:04: Und
00:19:04: das erzeugt wieder diesen Unterdruck?
00:19:06: Exakt!
00:19:07: Dieser Transpirationsog könnte dann genutzt werden, um zum Beispiel Kühlwasser aus einem großen Reservoir ganz unten im Fundament passiv durch die Wände nach oben zu ziehen.
00:19:17: Das ist ja genial!
00:19:18: Im Sommer selbst kühlen – völlig Energieautark.
00:19:22: Komplett geräuschlos ohne eine einzige elektrische Pumpe, die kaputt gehen kann.
00:19:27: Ein Wolkenkratzer als echtes Meisterwerk der Passivität.
00:19:31: Keine fies brummenden Klimaanlagen mehr auf dem Dach, keine vibrierenden Rohre in den Wänden.
00:19:37: Einfach nur eine clevere Struktur die das Sonnenlicht und diesen inneren Zusammenhalt vom Wasser nutzt.
00:19:43: Das wäre doch die ultimative Revolution für unsere heißen lauten Städte.
00:19:47: Es wäre ein völliger Paradigmenwechsel in der Ingenieurskunst.
00:19:51: Klar wir stehen da technisch noch ganz am Anfang.
00:19:53: Logisch
00:19:54: Unsere künstlichen Materialien sind oft einfach nicht feingenug oder nicht robust genug, um so extremen Unterdrücken stand zu halten ohne kaputtzugehen.
00:20:03: Der Baum hatte ja immerhin Millionen Jahre Evolutionsvorsprung, um sein Lignin-Kosett zu
00:20:07: perfektionieren.".
00:20:08: Das
00:20:08: stimmt natürlich!
00:20:10: Aber allein das Bewusstsein dafür – dass es da draußen in absolut jedem Wald, in jedem Stadtpark ein System gibt?
00:20:17: Dass uns jeden Tag vorlebt, fing mühelos und still richtig schwere physikalische Arbeit verrichtet werden kann.
00:20:24: Also, das sollte unsere Fantasie doch extrem beflügeln.
00:20:27: Ganz genau!
00:20:28: Das zeigt uns einfach was physikalisch alles möglich ist wenn man mit der Natur arbeitet statt dagegen
00:20:34: und ich finde dass es ein fantastischer Punkt um diesen Diebdive für heute abzurunden.
00:20:38: die Natur macht nämlich keinen Lärm wenn sie wundervoll bringt.
00:20:42: das ist ein Gedanke den wir alle mal so ein bisschen mit in unseren oft viel zu lauten und hektischen Alltag nehmen können.
00:20:48: Ein sehr schönes Schlusswort.
00:20:49: Wenn
00:20:50: du also das nächste Mal draußen bist, vielleicht einfach beim Spazieren gehen oder morgen auf dem Weg zur Arbeit und du stehst unter einem großen alten Baum dann bleib echt mal für ein paar Sekunden stehen.
00:21:02: Schau den Stamm hinauf bis in die Krone.
00:21:05: Du wirst keinen Motor hören kein Brummen, kein Rauschen von irgendwelchen Leitungen
00:21:10: Nichts als Stille.
00:21:11: Und doch weißt du jetzt dass genau in diesem Moment direkt neben dir Ein gewaltiger, unsichtbarer Fluss unaufföllig in Richtung Himmel rauscht.
00:21:22: Angetrieben von nichts anderem als dem Licht der Sonne und dem unfassbar starken Zusammenhalt des Wassers.
00:21:28: Es ist – und bleibt – einfach Magie!
00:21:33: Physikalische Magie natürlich
00:21:34: Richtig an dieser Stelle.
00:21:36: Danke dass du dir heute die Zeit genommen hast, uns auf diese Entdeckungsreise in das Innere der Bäume zu begleiten.
00:21:42: Wir hoffen, du siehst den Wald beim nächsten Mal mit ganz anderen Augen und dass Du die faszinierende Stille dort noch ein bisschen mehr zu schätzen weißt.
00:21:51: Bis zum nächsten
00:21:52: mal!
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