Folge 2 - Wie Bäume miteinander sprechen
Shownotes
Die Natur hat so viele Geheimnisse, die uns noch völlig unbekannt sind. Oder habt ihr Euch schon mal Gedanken darüber gemacht, ob Bäume miteinander reden? Dem wollen wir heute auf den Grund gehen. Viel Spaß dabei!
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen zu deinem Podcast mit Wissen für jeden Tag.
00:00:04: Stelle mal vor, du gehst so an einem völlig entspannten Sonntag-Nachmittag durch einen dichten Wald
00:00:12: Ein Klassiker
00:00:13: Genau.
00:00:14: Du schaust nach oben Hörst vielleicht ein paar Vögel Das Rauschen der Blätter.
00:00:18: Also alles wirkt irgendwie total friedlich und
00:00:21: stumm
00:00:22: Und jeder Baum steht da scheinbar völlig für sich allein.
00:00:25: Ja das denkt man immer.
00:00:27: Aber Wenn wir da einfach mal genauer in den dunklen Erdboden schauen, dann sieht die Realität wirklich komplett anders aus.
00:00:34: Richtig!
00:00:35: Da unten tobt nämlich ein unsichtbares hochkomplexes Leben.
00:00:39: Es ist da unten im Boden quasi lauter und geschäftiger als in einer Großstadt.
00:00:43: Und genau deshalb machen wir heute diese Tiefen-Analyse.
00:00:47: Wir haben nämlich einen ganzen Stapel aktueller botanischer Forschungsberichte für uns liegen, unter anderem Publikationen aus so renommierten Fachmagazinen wie Nature und Ecology Letters...
00:00:58: Oh ja da sind echte Meilensteine der Forschung dabei!
00:01:01: Absolut Unsere Mission heute ist, das sogenannte Wood-White-Web zu entschlüsseln.
00:01:06: Wir wollen verstehen wie diese stummen starren Bäume miteinander chatten können, wie sie Nährstoffe tauschen und sich sogar vor Gefahren warnen – und dass alles komplett ohne Smartphone!
00:01:18: Um zu verstehen, wie das überhaupt funktioniert müssen wir uns zuerst mal die Hardware von diesem Netzwerk anschauen.
00:01:26: Der Schlüssel zu dem Ganzen sind nämlich Pilze.
00:01:28: Okay
00:01:29: Aber halt nicht das, was du jetzt beim Spaziergang so aus Moosragen siehst.
00:01:33: Ah, verstehe!
00:01:35: Der sichtbare Pilz ist also eigentlich nur etwas wie der Weyland-Route oder?
00:01:41: Der bloße Fruchtkörper... aber dass eigentliche Lebewesen das hunderte Bäume verbindet, das ist das gigantische Glasfaserkabel des Waldes unter der Erde.
00:01:51: Exzellentes Bild genau.
00:01:53: Das ist das sogenannte Myzel.
00:01:55: Dieses Mützel besteht aus unzähligen feinen weißen Fäden.
00:01:59: Die wickeln sich um die Baumwurzeln und dringen da richtig ein, und Bäume und Pilze betreiben hier einen knallharten aber absolut genialen Tauschhandel.
00:02:09: Warte was genau tauschen sie da?
00:02:11: Zucker gegen Wasser?
00:02:12: oder wie war
00:02:13: das?
00:02:13: Ganz genau!
00:02:14: Die Bäume produzieren durch Fotosynthese Zucker kommen aber im Boden nur schwer an bestimmte Mineralien.
00:02:21: Der Pilz braucht den Zucker der Bäume zum Überleben und fungiert im Gegenzug als eine massive Verlängerung der Wurzeln.
00:02:28: Ah, der saugt dann also extrem effizient Wasser- und Nährstoffe aus dem Boden?
00:02:33: Richtig!
00:02:34: Aber der Aufbau von so einer unterirdischen Infrastruktur muss doch unglaublich viel Energie kosten – und wenn dieses Netzwerk einmal steht….
00:02:42: was wird denn da genau drüber
00:02:43: verschickt?!
00:02:44: Der Wald ist ja eigentlich kein Ort für Egoisten
00:02:46: oder!?
00:02:47: Hallen überhaupt nicht... Die kanadische Ökologin-Professorin Susanne Simard hat das in einer wegweisenden Naturestudie messbar gemacht.
00:02:58: Sie hat im Kohlendioxid, dass die Bäume aufnehmen, radioaktive Isotope beigemischt.
00:03:04: Okay, krass!
00:03:04: Also hat sie den produzierten Zucker quasi mit so einer Art chemischem GPS-Tracker ausgestattet?
00:03:10: Ja exakt.
00:03:11: So kann man sich das vorstellen und auf ihren Scanners sah sie dann live wie der Zucker von großen gesunden Bäumen durch dieses Pilznetzwerk an junge hungernde Bäume im Schattenabfluss – und das sogar artübergraffend.
00:03:25: Halt moment mal... Das ergibt doch evolutionär überhaupt keinen Sinn.
00:03:29: Wieso nicht?
00:03:30: Na ja, warum sollte jetzt eine ausgewachsene Eiche ihre hart erarbeitete Energie an eine fremde Tanne verschenken?
00:03:38: Die konkurrieren doch eigentlich im Grunde um die gleichen Ressourcen!
00:03:42: Das klingt nach so einer ziemlich romantisierten Waldnächstenliebe.
00:03:45: Ja das ist ein häufiger Trugschluss.
00:03:49: Es ist eben keine Nächsten-Liebe sondern eiskaltes Risikomanagement Aber eben nicht vom Baum gesteuert Sondern vom Pilz.
00:03:57: Ach, der Pilz zieht da im Hintergrund die Fäden!
00:04:00: Genau – Der Pilz agiert als Broker in diesem Netzwerk.
00:04:03: Für ihn ist es überlebenswichtig dass sein Wirts-Ökosystem extrem stabil und divers bleibt.
00:04:09: Wenn eine Baumart schwächelt leitet der Pilznährstoffe von den Überschussproduzenten dorthin um.
00:04:15: Ah,
00:04:16: das schützt den Pilz davor, dass er bei Ausfall einer Baumart seine eigene Nahrungsquelle verliert?
00:04:21: Verstehe….
00:04:22: Der subventioniert quasi die schwächeren Teilnehmer, damit sein eigener Markt nicht kollabiert.
00:04:27: Ganz genau!
00:04:28: Aber Siemat spricht doch da in ihren Forschungen auch oft von sogenannten Mutterbäumen?
00:04:33: Ist das dann auch so ein Broker-Konzept?
00:04:35: Im Grunde ja... Also der Begriff Mutterbaum ist natürlich stark vermenschlicht.
00:04:40: Biologisch gesehen sind das einfach die ältesten Bäume mit dem tiefsten und weitreichendsten Wurzelsystem.
00:04:46: Das sind in dieser Netzwerktopologie die massiven zentralen Knotenpunkte.
00:04:51: Die speisen am meisten Ressourcen ins System ein und stabilisieren so den umliegenden Nachwuchs.
00:04:56: Wahnsinn!
00:04:58: Wenn dieses System, also wie so ein unterirdischer Aktienmarkt für Ressorten funktioniert, fließen da eigentlich auch noch andere Dinge?
00:05:06: Also Informationen zum Beispiel?
00:05:07: Absolut – und hier wird es richtig spannend.
00:05:10: Da kommt nämlich eine Studie aus dem Fachblatt Ecology Letters von im Jahr zwei Tausend Dreizehn in Spiel.
00:05:14: Okay was haben die gemacht?
00:05:16: Forscher haben Pflanzen oberirdisch komplett luftdicht voneinander isoliert.
00:05:20: Die konnten sich also weder riechen noch irgendwie berühren und waren wirklich ausschließlich über das Myzel im Boden verbunden.
00:05:27: Und dann?
00:05:27: Dann ließen die Forscher gefressige Blattläuse auf eine dieser Pflanzen los.
00:05:32: Oh je, die angegriffene Pflanze leidet also!
00:05:35: Und die Nachbarn?
00:05:36: Die Nachbaren fingen plötzlich an, bittere und giftige chemische Abwehrstoffe in ihren Blättern zu produzieren.
00:05:42: Die attackierte Pflanzer hatte nämlich chemische Stresssignale durch das Pilznetzwerk gepumpt.
00:05:48: Echt jetzt?
00:05:48: Ja, das löste bei den Nachbarn eine präventive Immunreaktion aus.
00:05:53: Noch bevor auch nur ein einziges Insekt bei ihnen ankam.
00:05:56: Wahnsinn!
00:05:57: Die Pflitzfäden leiten die Moleküle weiter und die Nachbarpflanze dekodiert das als Achtungparasiten...
00:06:03: Genauso ist es.
00:06:04: Das
00:06:04: ist unglaublich!
00:06:05: Diese ganzen Erkenntnisse stellen doch Davins klassisches Bild vom Überleben des Stärkeren im Wald komplett auf den Kopf Völlig.
00:06:12: Es ist im Wald vielmehr das überlebendes Vernetztesten.
00:06:16: Die Gemeinschaft macht den Wald als ganzes Weitauswiderstandsfähiger gegen Schädlinge und auch gegen Dürren.
00:06:21: Also wenn du das nächste Mal durch den Wald spazierst, denk möglich mal darüber nach was da unten unter deinen Schuhen passiert!
00:06:29: Dieser scheinbar stumme Ort ist hochgradig sozial, durchgehend online und voller ständiger Verhandlungen
00:06:36: was an Ende eine völlig neue und ziemlich weitreichende Frage aufwirft, wenn dieses gigantische Netzwerk Ressourcen gezielt umverteilt, Gefahren meldet und regelrecht Informationen verarbeitet.
00:06:48: Ja?
00:06:48: Ergibt es dann überhaupt noch Sinn von einem einzelnen Baum zu sprechen oder ist der gesamte Wald in Wirklichkeit ein einziges gewaltiges Lebewesen?
00:06:57: Puh!
00:06:58: Ein faszinierender Gedanke den du beim nächsten Waldspaziergang definitiv mal mitnehmen solltest.
00:07:04: Das war unser Wissen für euch.
00:07:06: Vielen Dank, dass ihr dabei wart!
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