Folge 16 - Gehirnfrost

Shownotes

Eine eiskalte Erfrischung an heißen Tagen – und plötzlich hältst du dir schmerzverzerrt den Kopf. Wir alle kennen diesen Moment. Aber hast du dich jemals gefragt, warum es an einer völlig falschen Stelle wehtut? Entdecke das paradoxe Geheimnis hinter diesem Phänomen und wie du deinen Körper sofort austrickst.

Transkript anzeigen

00:00:00: Stell dir mal folgendes vor, es ist Hochsommer.

00:00:03: Die Sonne brennt wirklich unerbittlich vom Himmel

00:00:06: die Luft

00:00:06: flimmert buchstäblich über dem heißen Asphalt und hier ist einfach nur unerkräglich heiß.

00:00:12: Oh ja das perfekte Wetter für eine Abkühlung?

00:00:15: Absolut.

00:00:16: Du steuerst also zielsicher die nächste Eisdiele an bestellst ihr zwei riesige Kugeln von deiner absoluten Lieblings-Eisorte oder du holst dir an der Tankstelle so einen grellbunden eiskalten Slushy.

00:00:30: Mhm, diese extrem kalten Dinger.

00:00:32: Genau die!

00:00:33: Du setzt dich auf eine Bank im Schatten, ziehst richtig kräftig an diesem Strohhalm und schluckst diese eisige Erfrischung einfach viel zu schnell runter

00:00:42: Und für ne halbe Sekunde ist alles wunderbar.

00:00:44: Richtig Es ist die perfekte Sommerrettung.

00:00:47: Aber dann wirklich aus dem absoluten Nichts Zieht dieser extrem stechende blendende Schmerz auf Direkt hinter deiner Stirn.

00:00:56: Man kneift automatisch die Augen zusammen.

00:00:58: Ja,

00:00:59: man hält sich vielleicht sogar die flache Hand gegen den Kopf... ...man muss sofort aufhören zu sprechen und ist quasi naja wie eingefroren!

00:01:06: Der Schmerz pocht so intensiv als hätte der gerade jemand einen riesigen Eispickel direkt durch die Stirn getrieben.

00:01:12: Und während du da sitzt und leidest tickt die Uhr Nach.

00:01:16: etwa also sagen wir dreißig bis sechzig quälenden Sekunden verschwindet dieser Spuk genauso plötzlich wie er gekommen ist.

00:01:24: Du blinzelst, der Schmerz ebt ab.

00:01:26: Starrs dein Eis an und fragt sich unweigerlich….

00:01:29: äh was am Himmels Willen da gerade in deinem Kopf passiert ist?

00:01:33: Ein sehr bekannter Moment für die meisten von uns!

00:01:36: Schön dass du heute wieder dabei bist – wir tauchen heute genau in diese Sekunden der absoluten Qual ein.

00:01:41: Wir wollen in diesem Tauchgang durch unsere Quellen einen Phänomen entschlüsseln das wir alle kennen.

00:01:46: Auf Englisch nennt man es unglaublich passend Brain Freeze also Gehirnfrost

00:01:51: Wobei die medizinische Fachwelt da einen deutlich komplizierteren Begriff hat.

00:01:56: Oh ja, die sprechen von einer sogenannten Moment.

00:01:59: ich muss das ablesen Svenno Palatine Ganglion.

00:02:02: Oralgie

00:02:04: Klingt fast wie so ein Zauberspruch aus Harry Potter oder?

00:02:07: Total!

00:02:09: Aber wenn man unsere Quellen genauer betrachtet ergibt dieser Zungenbrecher absolut Sinn.

00:02:14: Svenno palatine bezieht sich auf den Bereich zwischen Keilbein und Gaumen.

00:02:18: Genau Ein Ganglion ist einfach ein Nervenknoten.

00:02:23: Richtig!

00:02:24: Und Neuralgie steht schlicht für Nervenschmerz, einen Nervenschmerz am Gaumen.

00:02:28: also und genau das ist unsere Mission für diese Analyse heute.

00:02:33: wir wollen die biologischen Mechanismen entschlüsseln warum uns ein bisschen Kälte im Mund solche extremen Kopfschmerzen bereitet?

00:02:40: Um dieses Mysterium zu entwirren müssen wir uns direkt auf ein gewaltiges biologisches Paradoxon stürzen dass aus dem Material hervorgeht

00:02:49: Welches Paradoxon meinst du?

00:02:51: Dort also erstmal, warum schmerzt unser Gehirn überhaupt.

00:02:54: Moment!

00:02:55: Also wenn ich mit dem Kopf an einer offenen Schranktür stoße tut das Hölle schwer und beim Gehirnenfrost spüre ich den Schmerz tief im Inneren direkt hinter den Augen.

00:03:04: Das fühlt sich absolut so an als würde meinen Gehirns selbst pochen.

00:03:09: Das ist die logische Schlussfolgerung, die wir alle ziehen.

00:03:11: Aber die Quellen liefern hier direkt den ersten massiven Aha-Moment!

00:03:16: Das Gehirn selbst besitzt absolut keine Schmerzrezeptoren.

00:03:20: Warte mal gar keine?

00:03:21: Nein – es ist völlig unempfindlich gegenüber Schmerzen.

00:03:25: Die Schaltzentrale deines Körpers also das Organ, dass jedes noch so kleine Zwicken im kleinen See jede heiße Herdplatte und jeden Nadelstich verarbeitet...

00:03:34: ...und überhaupt erst als Schmerzzinterpretiert…

00:03:36: Ganz genau Dieses Organ kann selbst absolut nichts dergleichen spüren.

00:03:43: Das ist eigentlich unvorstellbar, das Organ, dass den Schmerz für den gesamten Körper quasi erfindet und verwaltet, ist selbst komplett taub dafür?

00:03:52: So paradoxes klingt.

00:03:53: ja!

00:03:54: Ein extrem faszinierendes Beispiel dafür finden wir in der moderne Neurochirurgie.

00:03:59: Okay was passiert da?

00:04:01: Es gibt Operationen am offenen Gehirn die bei vollem Bewusstsein des Patienten durchgeführt werden.

00:04:06: Ach krass Wach am Gehirn operiert?

00:04:08: Ja.

00:04:09: Die Chirurgen betäuben lediglich die Kopfhaut, den Schädelknochen und die Hirnhöte – also die Schutzschichten in denen sich die Schmerzrezeptoren befinden.

00:04:18: Sobald der Schädl geöffnet ist spürt der Patient absolut nichts davon wenn das Skalpell das Gehirnen berührt.

00:04:25: Wahnsinn!

00:04:26: Wenn Gewebe untersucht oder entfernt wird, ist der Patient wach, spricht mit den Ärzten, spielt manchmal sogar ein Instrument oder löst Aufgaben

00:04:34: Damit die Chirurgen wissen, dass sie die richtigen Areale schonen.

00:04:38: Exakt!

00:04:39: Während direkt an seinem Gehirn gearbeitet wird.

00:04:42: Warte mal – wenn das Gehirnselbst keinen Schmerz empfinden kann?

00:04:46: Dann ist der Begriff Gehirnenfrost ja nicht nur irreführend sondern biologisch eigentlich völlig falsch.

00:04:52: Komplett falsch, ja…

00:04:54: Was pocht und sticht dann da so bestialisch hinter unserer Stirn, wenn wir dieses Eis essen?

00:04:58: Das Eis berührt mein Gehirn ja nicht.

00:05:01: Irregend jemand oder irregend etwas in meinem Kopf muss doch diesen massiven Alarm auslösen!

00:05:06: Diese Frage führt uns weg vom Gehirn und hin zur Verkabelung unseres Kopfes.

00:05:12: Die Antwort liegt in der Art und Weise, wie sensorische Informationen überhaupt aus dem Gesichtsbereich ins Gehirntransportiert werden.

00:05:18: Okay...

00:05:19: Der heimlicher Hauptdarsteller in unserem Quellenmaterial ist ein gigantischer Nerv namens Nervus trigeminus oder auf Deutsch der Drillingsnerv?

00:05:28: Drillingnsnerv wahrscheinlich weil er sich in Reiteile aufspaltet.

00:05:32: Ganz genau!

00:05:33: Du kannst dir den Nervustrich Riminus wie ein extrem dickes, massives Glasfaserkabel vorstellen das an der Basis des Gehirns entspringt.

00:05:43: Kurz nach seinem Austritt teilt er sich in drei große Hauptäste auf um das gesamte Gesicht abzudecken.

00:05:49: Wo gehen die genau hin?

00:05:50: Der erste Ast zieht nach oben in Richtung Stirn und zu den Augenpartien.

00:05:55: Der zweite Ast verläuft in die Mitte des Gesichts, zum Oberkiefer zur Nase – und das ist der entscheidende Punkt für unsere Geschichte zum Weichen Gaumen, also dem Dach der Mundhöhle.

00:06:06: Und der dritte Ast wandert schließlich hinab in den Unterkiefer.

00:06:10: Also

00:06:10: drei separate Leitungen für das gesamte Gesicht!

00:06:14: Die melden Berührung Temperatur- und Schmerz an die Zentrale im Gehirn Richtig.

00:06:18: Gehen wir mit diesem Bild dem Kopf mal zurück auf unsere sommerliche Parkbank, ich nehme diesen riesigen eiskalten Löffel Eis in den Mund.

00:06:26: dabei drücke ich das Eis ja zwangsläufig nach oben gegen meinen weichen Gaumen.

00:06:31: und dort wartet dieser zweite Ast des Drillingsnerfs.

00:06:34: Und genau an dieser Stelle nimmt das biologische Drama seinen Lauf.

00:06:39: Die extreme Kälte trifft auf die hauchdünne Schleimhaut am Gaumen wo die Nerven liegen.

00:06:44: Direkt darunter liegen unzählige feine Verästelungen dieses Nerfs.

00:06:48: Aber der Nerv reagiert nicht primär auf die Kälte selbst,

00:06:51: sondern

00:06:52: er reagiert auf das was die Kält mit deinem Blutkreislauf macht!

00:06:56: Die winzigen Blutgefäße in deinem Gaumen reagieren auf diesen extremen plötzlichen Temperaturabfall mit einem Manöver dass wir in der Physiologie vasokonstriktion nennen.

00:07:06: Vasokonstriktion das bedeutet sie ziehen sich krampfhaft zusammen richtig?

00:07:10: Ganz genau

00:07:10: Es ist ja eine logische Reaktion.

00:07:12: Der Körper merkt, es wird extrem kalt und will verhindern dass er wertvolle Körperwärme an diese riesige Kugel-Eis verliert.

00:07:20: Völlig richtig!

00:07:21: Es ist ein Versuch Wärme zu sparen aber diese Wasokonstruktionen halt nur einen winzigen Bruchteil einer Sekunde an.

00:07:29: Warum?

00:07:29: Nur so kurz?

00:07:30: Weil das umgebende Gewebe am Gaumen durch die eiskalte Masse nämlich tatsächlich droht abzufrieren oder zumindest stark beschädigt zu werden.

00:07:39: Ah verstehe

00:07:40: Der Körper bemerkt diese drohende Gewebeschädigung und schwenkt sofort ins absolute Gegenteil um.

00:07:46: Er löst eine reaktive Vasodilatation aus.

00:07:49: Er weitet die Gefäße also wieder?

00:07:51: Exakt!

00:07:52: Die Blutgefässe dehnen sich blitzartig und maximal aus, um mit einem massiven Schwall warmen Blutes gegen die Kälte anzukämpfen.

00:08:00: Okay, also geraten die Blutgefäße quasi so ein bisschen in Panik – das ist ja wie ein hysterischer Hausmeister der im Keller vor dem Heizungstermostar steht….

00:08:10: Wie meinst du das?

00:08:11: Na ja, zuerst reißt er das Fenster auf weil ihm zu warm ist und im nächsten Moment merkt der Oh Gott die Rohre könnten einfrieren.

00:08:18: Er gerät in absolute Panik und reist die Heizung auf die allerhöchste Stufe.

00:08:22: Das ist ein wunderbares Bild um das Prinzip zu veranschaulichen.

00:08:25: Ja Aber dieser panische Hausmeister löst damit ein gravierendes anatomisches Problem aus.

00:08:31: Welches denn?

00:08:32: Wir müssen verstehen wie diese Gefäß-Erweiterung zum Schmerz führt.

00:08:36: Der Gaumen ist ja ein extrem enger begrenzter Raum.

00:08:40: Das Gewebe ist dicht gepackt.

00:08:43: Wenn sich diese Blutgefäße nun schlagartig mit Blutfüllen und massiv ausdehnen, nehmen sie plötzlich wahnsinnig viel mehr Platz ein.

00:08:51: Logisch!

00:08:52: Diese rasante Volumenzunahme erzeugt einen enormen physischen Druck – das Gewebeschwild an und quetscht regelrecht die direkt benachbarten Nervenenden des Trigeminusnervs ein.

00:09:03: Ah,

00:09:04: das erklärt den Schmerz.

00:09:05: Es ist also gar nicht nur die Temperatur, die den Nerv irritiert.

00:09:08: Nein!

00:09:09: sondern diese plötzliche, brutale physische Quetschung durch die anschwellenden Blubgefäße.

00:09:15: Der Nerv wird im wahrsten Sinne des Wortes einfach

00:09:17: erdrückt.".

00:09:18: Und ein derart gequetschter Nerv reagiert nur auf eine einzige Weise – er feuert ein gewaltiges Notsignal durch das Nervensystem in Richtung Gehirn.

00:09:27: Ein SOS-Signal!

00:09:28: Ein massives pulsierendes Schmerzzignal schießt durch den mittleren Ast des Trigeminusnervs nach oben.

00:09:34: Die Botschaft lautet quasi Akute Gewebeschädigung, massives Taume am Gaumen.

00:09:39: Okay und genau an diesem Punkt unserer Quellenanalyse stehe ich wirklich vor einem logischen Abgrund.

00:09:45: Wieso?

00:09:46: Naja der Gaumen wird kalt die Blutgefäße dehnen sich aus und quetschen den Nerv!

00:09:51: Der Nerv am Gaum schreit um Hilfe.

00:09:54: Warum zur Hölle tut dann aber meine Stirn weh?

00:09:57: Eine sehr gute Frage.

00:09:59: Ich meine warum heite ich mir nicht den Gaumen sondern reibe mir verzweifelt die Schläfen und die Partie über den Augen?

00:10:04: Da ist doch gar nichts passiert!

00:10:06: Hier betreten wir das faszinierende Gebiet der neuronalen Fehlverschaltungen.

00:10:11: Das Schmerzsignal wandert vom Gaumen blitzschnell den mittleren Ast hinauf, aber bevor dieses Signal das Gehirn erreicht muss es durch eine zentrale Kreuzung – das ist das Trigeminus ganglion.

00:10:22: Dieser Nervenknotenpunkt, den wir vorhin hatten?

00:10:25: Genau jener Knotenpunkt an dem die drei Äste von Stirren, Gaumen und Unterkiefer zusammenlaufen und zu einem einzigen riesigen Hauptkabel verschmelzen.

00:10:33: Und an dieser Kreuzung passiert dann der Unfall.

00:10:36: Es entsteht ein regelrechter Informationsstau Die Datenmenge, die der Gaumen aufgrund dieser plötzlichen Quetschung feuert ist so massiv dass die Signale im Knotenpunkt überspringen.

00:10:49: Ein Kurzschluss

00:10:50: Richtig.

00:10:50: Wenn dieses geballte Signal dann schließlich im Gehirn ankommt, muss das Gehirnen im Bruchteil einer Sekunde entscheiden, woher der Schmerz überhaupt stammt?

00:11:00: Stell dir vor du hast ein veraltetes System zur Anrufererkennung.

00:11:06: Genau eine fehlerhafte Caller-ID in deinem Gehirnt.

00:11:09: Okay mein Gaumen wählt also den Notruch die Leitungen glühen.

00:11:13: was passiert dann auf dem Display in der Notrufzentrale meines Gehirns?

00:11:17: Das Signal kommt zwar über die Leitung des Gaumens herein, aber durch den Kurzschluss an der Kreuzung springt der Funke auf die benachbarten Fasern über.

00:11:26: Auf

00:11:26: die der Stirn?

00:11:27: Ja aus evolutionärer Sicht kommen die meisten gefährlichen Reize in diesem Bereich nämlich von

00:11:34: außen

00:11:34: Verletzungen an der Stirne Kälte im Gesicht Schläge auf die Augenpartie.

00:11:39: Ah das macht Sinn.

00:11:41: Das Gehirn hat in seiner Caller ID für dieses dicke Faserbündel, also primär die Stirren und die Augen abgespeichert.

00:11:49: Weil das häufiger vorkommt als ein gefrorene Ergaumen.

00:11:51: Richtig!

00:11:52: Es liest das Signal also völlig falsch aus und schickt die Schmerzempfindung fälschlicherweise an den oberen Ast zurück.

00:12:00: Das Gehörn projiziert den Schmerzen einfach an die falsche Adresse – das Telefon klingelt im Gaumen aber das Gehören schickt den Krankenwagen zu Stirren.

00:12:08: Ein tolles Bild.

00:12:09: In der medizinischen Fachsprache nennt man dieses Phänomen übertragenden Schmerz oder Referred Pain, ein klassisches sehr ernstes Beispiel dafür aus den Quellen ist der Herzinfarkt.

00:12:20: Oh okay!

00:12:21: Bei einem Infakt stirbt Herzmuskelgewebe ab doch wo spüren extrem viele Patienten den stärksten Schmerzen?

00:12:29: Im linken Arm genau obwohl der Arm selbst in diesem Moment ja kerngesund ist und eigentlich überhaupt kein Problem hat.

00:12:36: richtig Die Nervenbahnen von Herz und linken Arm laufen im Rückenmark eng zusammen.

00:12:42: Wenn das Herz bei einem Infarkt massiv Alarm schlägt, springen die Signale im Rickenmark über.

00:12:48: Wieder dieser Kurzschluss?

00:12:49: Ja!

00:12:50: Das Gehirn empfängt den Notruf ist verwirrt und projiziert den Schmerz auf seine innere Landkarte – und zwar in den Arm.

00:12:58: Beim Gehirnenfrost passiert exakt dasselbe Prinzip nur eben eine Etage höher im Kopf.

00:13:03: Der Gaumen leidet aber die Stirnschreit.

00:13:06: Ganz genau so ist es.

00:13:07: Das ist ein faszinierender Fehlalarm, aber ich muss hier stellvertretend für unsere Zuhörer wirklich einmal hart reingregen.

00:13:15: Nur zu!

00:13:15: Unser

00:13:16: Gehirn ist ein absolutes evolutionäres Wunderwerk.

00:13:19: Es steuert hochkomplexe Stoffwechselprozesse lässt uns Sinfonien komponieren Raketen bauen und du willst mir ernsthaft sagen dass es einen derart simplen Bug also so einen lächerlichen Kabelbrand in seiner eigenen Verkabelung über Jahrmillionen einfach nicht behoben hat?

00:13:35: Es wirkt erst mal unlogisch, ja?

00:13:38: Das wirkt doch wie ein gigantischer Konstruktionsfehler.

00:13:41: Das wirk auf den ersten Blick tatsächlich wie ein extrem dummer Back!

00:13:45: Aber die Quellen zeigen dass die moderne Forschung das völlig anders bewertet.

00:13:49: Okay Wenn wir genauer hinsehen entpuppt sich dieser vermeintliche Fehler als eines der raffiniertesten und lebenswichtigsten Features unseres gesamten Körpers.

00:13:58: Echt

00:13:59: jetzt?!

00:13:59: Es ist ein hochkomplexer Notfallschutzmechanismus

00:14:03: Ein Schutzmechanismus.

00:14:05: Wovor soll mich dieser absurde Schmerz an der falschen Stelle denn bitte schön schützen?

00:14:09: Vor Karies durch das viele süße Eis?

00:14:13: Vor einem viel, viel existenzielleren Problem.

00:14:17: Dem Temperaturabfall im Gehirn selbst.

00:14:20: Okay, erklär mir das!

00:14:22: Dein Gehirnen ist das mit Abstand empfindlichster Organ deines Körpers.

00:14:26: Es benötigt Ununterbrochen, Sauerstoff und Nährstoffe Aber vor allem, und das ist hier wichtig, benötigt es eine absolut konstante Betriebstemperatur.

00:14:37: Mhm.

00:14:37: Schon ein minimaler Abfall der Kerntemperatur im Gehirn kann zu massiven neurologischen Ausfällen führen.

00:14:44: Und jetzt müssen wir uns die Anatomie hinter deinem Gaumen ansehen.

00:14:48: Weißt du was dort verläuft?

00:14:51: Offensichtlich ne Menge Nerven- und winzige Blutgefässe wie wir ja gerade besprochen haben

00:14:56: Ja!

00:14:56: Und noch etwas viel größeres.

00:14:59: Direkt hinter dem Gewebe deines hinteren Gaumens verläuft die Arteria carotis interna.

00:15:05: Also, die innere Halsschlagader?

00:15:06: Richtig!

00:15:07: Und in unmittelbarer Nähe auch die vordere Hirmschlagader.

00:15:11: Das sind die massiven Hauptversorgungsleitungen Die pumpen das frische warme Blut direkt von deinem Herzen in deinen Gehirn.

00:15:19: Aber

00:15:19: warte mal kurz Wenn das Eis in meiner Mundhöhle ist Ist das Gehirm doch durch dicke Schädelknochen und Schichten von Geweben massiv isoliert

00:15:28: Stimmt.

00:15:28: Wie soll denn das bisschen Kälte aus meinem Slushie überhaupt das Gehirntangieren?

00:15:32: Das ist doch völlig unlogisch, dass ein Eiswürfel im Mund mein Gehirn kühlt.

00:15:37: Das Eis kühlen ja auch nicht direkt durch den Knochen hindurch!

00:15:40: Es kühle das Blut in der Arterie.

00:15:43: Ach krass!

00:15:44: Wenn du dir eine gewaltige Menge an eiskalten Slushies gegen den Gaumen presst, sinkt die Temperatur des Gewebes dort drastisch... Ja.

00:15:52: Das kalte Gewebe entzieht dem Blut, das gerade in den Moment durch die innere Halsschlagader direkt dahinter fließt – einfach die Wärme!

00:16:00: Du kühlst also aktiv das Blut ab, dass nur Millisekunden später direkt in dein Gehirn gepumpt wird.

00:16:06: Wow…

00:16:06: okay, das ist ein gewaltiger Aha-Moment.

00:16:10: Ich trinke also dieses eisige Getränk und kühle damit quasi das Kühlwasser für mein Motortief im Inneren ab.

00:16:17: Perfekte Analogie.

00:16:18: Das Gehirndrot also eiskaltes Blutgeliefer zu

00:16:21: bekommen?

00:16:21: Und das ist ein absolutes Alarmszenario für den Körper.

00:16:25: Er muss sofort um jeden Preis verhindern, dass weiteres kaltes Blut ins Gehirn strömt – er zieht buchstäblich die Notbremse!

00:16:32: Und was ist die effektivste Methode, um einen Lebewesen sofort dazu zu bringen eine Handlung abzubrechen?

00:16:37: Maximaler lähmender Schmerz.

00:16:40: Ganz genau

00:16:40: Wenn der Gehirnenfrost zuschlägt höre ich wirklich sofort aufzudrinken.

00:16:45: Ich kneife die Augen zusammen halte den Atem an und warte regungslos bis es vorbei ist.

00:16:50: Ich schaufel auf jeden Fall absolut kein weiteres Eis mehr in mich

00:16:53: hinein.".

00:16:54: Mission erfüllt.

00:16:56: Die Gefahr des Auskühlens für das durchströmende Blut ist gebannt.

00:17:01: Wahnsinn!

00:17:01: Der Körper schickt dieses gewaltige Schmerzsignal und es ist dem in dieser lebensbedrohlichen Sekunde völlig egal, ob der Schmerzzuch einen Kurzschluss fälschlicherweise an der Stirn empfunden wird.

00:17:12: Hauptsache die Reaktion des Organismus ist augenblicklich und zwingend.

00:17:16: Richtig...der

00:17:17: Schmerzt zwingt dich zum Innerhalten und das rettet das System.

00:17:22: Er opfert deinen sommerlichen Genuss für das höhere Wohl der zerebralen Bluttemperatur.

00:17:35: Aber der extreme Schmerz an sich ist pure Absicht.

00:17:39: Unser

00:17:39: Nervensystem beschützt uns, indem es uns den intensivsten Schmerzzufüg, den man sich überhaupt vorstellen kann – nur um das Gehirn vor eiskalten Blut zu bewahren!

00:17:51: Das ist biologisch betrachtet total faszinierend... aber mal ganz pragmatisch gefragt… für dich und mich muss ich das hinnehmen?

00:18:00: Na

00:18:00: ja wenn ich am heißen Nachmittag einfach nur mein Eis essen will Ohne mich wie ein neurologischer Notfall zu fühlen.

00:18:07: Bin ich dem hilflos ausgeliefert bis sich das System von alleine wieder beruhigt?

00:18:10: Absolut nicht!

00:18:11: Wenn man die genauen physikalischen und biologischen Mechanismen verstanden hat, die wir gerade aus den Quellen aufgeschlüsselt haben lässt sich dieses System sehr elegant austricksen.

00:18:21: Ja, sehr gut

00:18:22: Es gibt einen simplen aber wirklich genialen physiologischen Heck gegen den Gehirnfrost.

00:18:29: Wir müssen uns nur daran erinnern, wo der physische Ursprung des Dramas liegt.

00:18:33: Das war der hysterische Hausmeister am Gaum.

00:18:36: Richtig!

00:18:37: Die Blutgefläße die sich maximal ausdehnen und den Nervenfasern den ganzen Platz wegnehmen.

00:18:41: Exakt.

00:18:42: Die Kälte am Gaumn hält die Gefäße in diesem ausgedehnten Zustand.

00:18:47: Das Ziel muss also sein, die Temperatur am weichen Gaum so schnell wie möglich wieder in den Normalbereich zu bringen.

00:18:53: Logisch

00:18:54: Sobald das Gewebe dort wieder seine normale Körpertemperatur erreicht hat, ziehen sich die Blutgefäße wieder auf ihr normales Maß zusammen.

00:19:02: Der Druck auf den Nerv verschwindet und erstellt seinen Notrufsignal ein.

00:19:05: Das klingt total einleuchtend aber wie wärm ich meinen Gaumen schnell auf?

00:19:09: Ein warmer Tee direkt nach Gemeis scheint irgendwie den ganzen Zweck des Eises zu besiegen!

00:19:13: Dein bestes Werkzeug hast du permanent bei dir.

00:19:17: Deine eigene Zunge

00:19:18: Meine Zunge.

00:19:19: Die Lösung ist denkbar einfach.

00:19:21: Sobald du den stechenden Schmerz hinter der Stirn spürst, drückst du die eigene Zunge sofort flach von unten gegen den weichen Gaumen!

00:19:29: Also wirklich richtig von unten dagegen pressen.

00:19:32: Ja, mit der gesamten Fläche der Zunge fest gegen das hintere Dach der Mundhöhle pressen!

00:19:36: Warum funktioniert das so gut?

00:19:38: Die Zunge ist ein reiner Muskel.

00:19:39: sie ist extrem gut durchblutet und hat daher permanent die perfekte Körperkerntemperatur.

00:19:45: Durch das flache Anpressen nutzt du die große Oberfläche der zunge wie eine extrem effiziente Wärmflasche.

00:19:51: Die physikalische Wärmeenergie der Zonge überträgt sich sofort auf die dünne Schleimhaut des Gaumens.

00:19:57: Du erwärms die Gewebestrukturen und das Blut in den Arterien so viel schneller, als es durch die normale Umgebungsluft im Mund geschehen würde.

00:20:04: Die

00:20:05: Wärme signalisiert dem Hausmeister also Entwarnung – wir frieren nicht mehr!

00:20:10: Genau, die Blutgefäße am Gaumen normalisieren ihren Durchmesser.

00:20:14: Der physische Druck auf die Enden des Trigiminusnervs fällt schlagartig ab und

00:20:19: der Alarm geht aus.

00:20:20: Die Signalkaskade reist ab.

00:20:22: damit versiegt auch die Datenflut, die an der Kreuzung des Ganglions ankommt.

00:20:26: den Informationsstau löst sich auf die falsche Kolla ID erlischt und das Gehirn registriert Keine Gefahr mehr.

00:20:33: Wahnsinn!

00:20:33: Der bohrende Schmerz hinter deiner Stirn verflüchtigt sich wirklich in Sekunden schnelle.

00:20:38: Alternativ raten unsere Quellen natürlich auch zu einer sehr, naja pragmatischen Vorbeugung.

00:20:43: Welche wäre das?

00:20:44: Man

00:20:44: könnte das Eis einfach ein kleines bisschen langsamer essen und dem Körper Zeit geben die Temperatur selbst zu regulieren.

00:20:51: Ein großartiger Rat – auch wenn er bei thirty-fünf Grad im Schatten manchmal echt schwer umzusetzen ist sag ich mal.

00:20:57: Das stimmt allerdings.

00:20:58: Lass uns diese faszinierende Reise für dich da draußen noch einmal kurz auf den Punkt bringen.

00:21:02: Gehirnfrost hat rein gar nichts mit einem einfrierenen Gehirnt zu tun, das Organ selbst ist ja ohnehin völlig taub für Schmerz.

00:21:10: Es ist vielmehr ein wahnsinnig raffiniertes anatomisches Domino-Spiel.

00:21:15: Das kann man so sagen.

00:21:17: Kälte im Mund führt zu einer panischen Gefässerweiterung

00:21:20: am Gaumen.

00:21:21: Diese Schwellung quetscht den Trigeminusnerv.

00:21:24: Dieser funkt ein massives Notsignal, das an einer zentralen Nervenkreuzung einen Kurzschluss verursacht.

00:21:30: Richtig!

00:21:30: Und dieser Kurzschluß zwingt das Gehirn, den Schmerz fälschlicherweise auf die Stirn zu projizieren.

00:21:36: und all das nur um zu verhindern dass eiskaltes Blut aus der Halsschlagader unsere hoch sensible Schallzentrale erreicht.

00:21:42: Ein kleines alltägliches Drama inszeniert von einem harmlosen Slushy einfach nur um unser Überleben zu sichern weil

00:21:50: wie krass vernetzt und gleichzeitig fehleranfällig unsere Systeme sein können, während sie eigentlich nur versuchen uns zu beschützen.

00:21:58: Absolut!

00:21:59: Und das wirft für mich zum Abschluss noch ein Gedanken auf die du vielleicht aus dieser Analyse heute mitnehmen kannst.

00:22:05: Was für ein Gedanke?

00:22:06: Naja wenn eine simple Kugel Eis unser hochentwickeltes Nervensystem derart austricksen kann dass wir den extremsten Schmerz an einer Stelle unseres Körpers spüren an der eigentlich alles vollkommen in Ordnung ist.

00:22:18: Welche anderen Empfindungen in unserem Alltag sind in Wahrheit vielleicht nur übertragende Signale.

00:22:23: Oh, das ist tiefgründig!

00:22:26: Wie oft spüren wir einen körperlichen oder vielleicht sogar einen emotionalen Schmerz ganz deutlich an der Oberfläche während der wahre Auslöser tieferbogen an einer ganz anderen unbeachteten Stelle liegt?

00:22:40: Die Alarmanlage blinkt eben oft nicht dort wo das Feuer am gefährlichsten brennt.

00:22:45: Wow

00:22:46: Ein wirklich brillanter Gedanke, um diesen Tauchgang heute abzuschließen.

00:22:50: Die Caller-ID unseres Lebens hat vielleicht echt öfter ein Kurzschluss als wir denken.

00:22:54: Das glaube ich auch!

00:22:55: Vielen Dank dass du uns heute bei dieser Analyse zugehört hast.

00:22:58: Wir hoffen du konntest einige echte AHA Momente mitnehmen und verstehst deinen eigenen Körper jetzt wieder ein kleines Stückchen besser.

00:23:04: Bleib neugierig!

00:23:05: Genau!

00:23:06: Bleib immer neugirig auf die Wunder deiner eigenen Biologie.

00:23:10: Genießt den Sommer mit deinen zwei Kugeln Lieblingseis ab heute mit etwas mehr Gelassenheit.

00:23:16: Wende den Zungenheck an und ganz wichtig pass auf deinen Gaumen auf!

00:23:21: Wir bedanken uns für deine Aufmerksamkeit, bis zum nächsten Mal.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.