Folge 14 - Der Duft der Münze

Shownotes

Wir alle kennen den typischen Metallgeruch an unseren Händen, wenn wir Kleingeld berühren. Aber was wäre, wenn dieser Geruch eine absolute Illusion ist? Erfahre in dieser Folge, warum Metall eigentlich völlig geruchlos ist und was stattdessen wirklich auf deiner Haut passiert. Hör jetzt rein!

Transkript anzeigen

00:00:00: Weißt du, es gibt diese Momente im Alltag die so extrem banal sind dass man die physikalischen Prozesse dahinter überhaupt nicht mehr hinterfragt.

00:00:10: Man akzeptiert sie einfach so als eine Art universelle Wahrheit.

00:00:14: Ja absolut!

00:00:15: Man nimmt das einfach als gegeben hin.

00:00:17: Genau und stell dir mal vor du stehst an einem feuchtwarmen Sommerabend auf dem Jahrmarkt.

00:00:22: Du kauest ja vielleicht deine Tüte gebrannte Mandeln Kramst in deiner Hosentasche nach Kleingeld und zählst den Verkäufer dann so eine Hand voll feuchter angelaufener Kupfermünzen in die Hand.

00:00:33: Oder anderes Beispiel, du ziehst dich in einem zugigen Altbau an so nem schweren eiskalten Eisenengeländer das Treppenhaus hinauf.

00:00:41: Ich hab' den Geruch schon direkt in der Nase.

00:00:43: wenn Du das nur sagst!

00:00:44: Richtig – Wenn Du danach auch nur flüchtig Deine Hand in die Nähe Deines Gesichts bewegst hast Du sofort diesen ganz spezifischen Geruch in der nase.

00:00:53: streng, so leicht beißend unverwechselbar.

00:00:57: Wir alle kennen ihn.

00:00:58: Und wenn uns jemand bittet, diesen Geruch zu beschreiben sagen wir alle ohne eine Millisekunde zu zögern das riecht

00:01:05: metallisch.".

00:01:06: Genau!

00:01:07: Das ist ein Begriff der sich sprachlich und auch kulturell total verankert hat.

00:01:11: also es ist ein Geruch den jeder Mensch auf der Welt sofort abrufen kann.

00:01:15: für unser Gehirn ist die Sachlage in diesem Moment ja auch unbestreitbar logisch

00:01:20: weil Ursache und Wirkung scheinbar so klar sind oder?

00:01:23: Exakt.

00:01:23: Ich habe ein Stück Eisen angefasst, also riecht meine Hand jetzt nach Eisen.

00:01:27: Das ist die simpelste Gleichung der Welt.

00:01:29: Wir gehen ganz selbstverständlich davon aus dass das Metall selbst irgendwie Moleküle an unserer Haut abgegeben hat Die wir dann riechen.

00:01:42: Fall abgeschlossen.

00:01:43: Aber wir machen heute eine tiefgehende Analyse in ein wirklich spannendes Dokument mit dem Titel Das Geheimnis des Münzgeruchs!

00:01:51: Unsere Mission heute ist es nämlich, eine der wohl hartnäckigsten sensorischen Illusionen unseres eigenen Gehirns zu entladen.

00:01:58: Oh ja und das ist wirklich ein ziemlicher Mindfuck wenn man das zum ersten Mal hört.

00:02:02: Definitiv Denn die Wissenschaft, genauer gesagt eine sehr clevere Untersuchung von Forschern der Universität Leipzig hat da etwas zu Tage gefördert.

00:02:11: Dass dieses ganze Konzept einfach komplett zerreißt.

00:02:14: Um es für dich direkt vorwegzunehmen, Metall ist in Wahrheit absolut geruchlos!

00:02:19: Das ist genau der Punkt an dem die alltägliche Intuition frontal mit der Physik kollidiert – weil das eben ein physikalischer Fakt ist.

00:02:28: Metall hat keinen eigenen Geruch.

00:02:30: Mulm Es ist für unsere Riechrezeptoren schlichtweg unsichtbar.

00:02:34: Okay,

00:02:35: dröseln wir das mal auf!

00:02:37: Weil ganz ehrlich... Das kaufe ich dir so pauschal erstmal nicht ab.

00:02:40: Wieso

00:02:41: nicht?

00:02:42: Naja wenn Metall nicht richen kann warum kann ich dann einen Haufen alter Kupfer Münzen fast schon blind erschnüffeln wenn die im Auto in der prallen Sonne liegen oder wenn man an einer alten Werkzeugkiste riecht ohne überhaupt ein Werkzeug berührt zu haben.

00:02:57: Irgendetwas muss da doch in meine Nase fliegen Sonst würden meine Rezeptoren ja gar nicht erst feuern.

00:03:03: Wenn das Metall also geruchlos ist, bilde ich mir das dann alles nur ein?

00:03:07: Nein!

00:03:08: Du bildest dir den Geruch nicht ein aber du verwechselst quasi die Quelle.

00:03:14: Also damit wir überhaupt einen Geruch wahrnehmen können muss ein Stoff flüchtig sein.

00:03:19: Flüchtigkeit Also wie bei einem Apfel, der so vor sich hinduftet.

00:03:23: Genau!

00:03:23: Seine Moleküle müssen in die Luft übergehen durch den Raumschweben und dann physisch in unsere Nasenhöhle eindringen.

00:03:30: Metalle wie Eisen-, Kupfer- oder Messing sind aber anorganische Festkörper.

00:03:36: Die haben extrem dichte Kristallgitter...

00:03:39: ...die Atome sitzen da also bombenfest drin.

00:03:42: Richtig Die Atome sind dort durch metallische Bindungen derart fest aneinandergezurrt, dass der Dampfdruck bei Raumtemperatur praktisch bei Null liegt.

00:03:52: Da löst sich kein einziges Eisenatom einfach so aus dem Gitter und schwebt gemütlich in deine Nase – das passiert einfach nicht!

00:03:58: Das hieß ja ich müsste es Treppengeländer schon irgendwie verflüssigen um überhaupt erst Eisenmoleküle in der Luft zu haben oder?

00:04:04: Exakt du müsstest das Eisen auf über zweieinhalb tausend Grad Celsius erhitzen damit es anfängt nennenswert zu verdampfen.

00:04:12: Erst dann hättest du theoretisch gasförmiges Eisen, das Du einatmen könntest.

00:04:17: Was ich jetzt im Alltag eher nicht empfehlen würde?

00:04:19: Uns gesundheitlichen Gründen definitiv nicht zu empfehle.

00:04:23: Nein!

00:04:23: Also unter normalen Alltagsbedingungen verlässt kein einziges Atom das Metallstück.

00:04:29: Okay also das leuchtet mir physikalisch total ein.

00:04:32: die Atome sind im Gitter gefangen Aber das erklärt immer noch nicht mein Beispiel mit den Münzen im warmen Auto oder dieser Werkzeugkiste.

00:04:39: Ich hab die Sachen nicht berührt, aber der Geruch ist trotzdem massiv da!

00:04:43: Wie passt das zusammen?

00:04:44: Ja und das war exakt die Frage, die auch das Team der Universität Leipzig unter der Leitung von Dietmar Glindemann angetrieben hat.

00:04:52: Die Forscher wollten herausfinden was genau in die Nase steigt wenn das Metall selbst auf der Parkbank bleibt sozusagen.

00:04:59: Wie haben sich also nicht nur auf die Theorie verlassen?

00:05:02: Nein, sie haben ein wirklich raffiniertes Experiment aufgebaut.

00:05:06: Sie haben Versuchspersonen Eisenstücke anfassen lassen und dann die Luftschicht, die direkt über der Haut schwebte den sogenannten Hatspace analysiert.

00:05:16: Ah, Hatsspace!

00:05:18: Also quasi die Luftwolke direkt über die Handfläche.

00:05:20: Ganz genau – und sie haben auch das Eisen selbst untersucht Und zwar, bevor es überhaupt jemand angefasst hatte.

00:05:27: Sie haben also im Grunde versucht den Geruch physisch einzufangen und auf seine molekularen Bestandteile herunterzubrechen.

00:05:34: Berichtig?

00:05:34: Dafür haben sie einen Gas-Kromatografen eingesetzt...

00:05:38: Das ist so ein Gerät aus der Chemie oder...?

00:05:40: Ja

00:05:40: das ist ein Geräts, dass komplexe Gasgemische in ihre einzelnen Moleküle auftrennen kann!

00:05:46: Sehr präzise.

00:05:47: ...und wenn man jetzt ein völlig unberührtes chemisch reines Stück Eisen in eine sterile Kammer legt dann zeigt er Gaskomatograf Absolut nichts.

00:05:56: Nichts, gar kein Ausschlag!

00:05:57: Kein Einziger.

00:05:59: Keine Flüchtigmollichkühle.

00:06:00: Kein Geruch... Wenn du aber eine Münze in deinem Auto riechst die du scheinbar nicht berührt hast dann riehst Du in Wahrheit organische Rückstände die bereits auf der Münze kleben.

00:06:11: Ach

00:06:11: krass also fremde Spuren.

00:06:14: Genau das können winzige Hautschuppen vom letzten bezahlen sein.

00:06:18: Das kann Staub sein Schweißreste Oder?

00:06:21: Und das ist oft der Fall sogar Bakterien, die sich von den Verunreinigungen auf dem Metall ernähren.

00:06:26: Verstehe!

00:06:27: Ich rieche also im Auto gar nicht die Münze sondern den dreck- und menschlichen Spuren, die auf der Münze von irgendwem anders zurückgeblieben sind.

00:06:35: Exakt.

00:06:35: Aber warte... Das erklärt für mich immer noch nicht diesen krassen intensiven Geruch, der wirklich explosionsartig entsteht sobald ich das Metall anfasse Wenn ich ein frisch geputztes Treppengeländer greife, riechen meine Hände Sekunden später als hätte ich in einer Eisengießerei gearbeitet.

00:06:51: Da war ja vorher kein Dreck drauf!

00:06:53: Und genau an diesem Punkt wird die Entdeckung der Leipziger Forscher faszinierend und zugegeben vielleicht auch ein kleines bisschen unheimlich.

00:07:01: Okay jetzt machst du mich neugierig...

00:07:02: Denn der Gaschromatograph hat eindeutig gezeigt ...die flüchtigen Moleküle, die nach dem Anfassen des Metalls entstehen und in unsere Nase steigen kommen nicht aus dem Metall Sie kommen aus der Haut der Versuchsperson.

00:07:15: Das heißt, Moment!

00:07:16: Wenn ich meine Hände nach dem Geld zählen an meinen Gesicht führe, rieche ich mich selbst?

00:07:20: Du rießt den rasanten chemischen Zerfall deiner eigenen Haut – genauer gesagt deine eigenen Hautfette.

00:07:27: Das was dein Gehirn seit Jahrzehnten als den typischen Metallgeruch abspeichert ist in Wirklichkeit der Geruch deiner eigenen körperlichen Zersetzung im Mikromassstab.

00:07:37: Boah das ist schon ziemlich eklig wenn man da mal genauer drüber nachdenkt.

00:07:41: Ich laufe also durch die Gegend und rieche mein eigenes verfallendes Körperfett, bin aber felsenfest davon überzeugt es wäre das Wechselgeld.

00:07:49: Genau so ist es!

00:07:50: Aber wie genau läuft dieser Zersetzungsprozess ab?

00:07:53: Also was passiert da in diesem mikroskopischen Chemielabor auf meiner Handfläche wenn meine Haut auf das Eisen trifft?

00:07:59: Um das zu verstehen müssen wir uns ganz kurz die Beschaffenheit unserer Haut ansehen.

00:08:03: unsere Haut ist ja keine keine trockene sterile Oberfläche.

00:08:08: Sie ist permanent überzogen von einer schützenden Schicht aus Schweiß und sogenannten Hautlipiden.

00:08:15: Lipide, also Fette?

00:08:16: Kühle

00:08:17: so natürliche Öle.

00:08:18: im Normalzustand sind diese Fette absolut geruchlos.

00:08:22: die sind viel zu groß und zu schwer um flüchtig zu sein.

00:08:25: Die bleiben einfach brav auf deine Haut liegen und schützen sie!

00:08:28: Sie können nicht in die Nase schweben und dann kommt das Metall ins Spiel.

00:08:33: Exakt Sobald deine feuchte Haut ein Stück Kupfer oder Eisen berührt, startet eine blitzschnelle chemische Kettenreaktion.

00:08:41: Der Schweiß auf deiner Hand ist nämlich leicht sauer und diese minimale Säure reicht schon aus um aus der festen Oberfläche des Metalls winzige Mengen an Ionen heraus zu lösen.

00:08:51: Wir sprechen hier von elektrisch geladenen Atomen richtig?

00:08:54: Ganz genau!

00:08:55: Eisen zwei plus Ionen.

00:08:56: beim Eisen zum Beispiel.

00:08:58: Okay

00:08:58: also greift mein Schweiß das Metall an löst ein paar von diesen Ionen raus und diese Ionen schwimmen dann quasi in dem winzigen Feuchtigkeitsfilm auf meiner Handfläche.

00:09:09: Moment nämlich als Katalysator!

00:09:11: Es zwingt die harmlosen, geruchlosen Fette auf deine Haut dazu massiv mit dem Sauerstoff aus der Luft zu reagieren.

00:09:18: Die Metallionen greifen die ungesättigten Fettsäuren deiner Haut wirklich aggressiv an.

00:09:24: In der Chemie nennen wir diesen zerstörerischen Vorgang Lipid per Oxidation.

00:09:28: Lepid

00:09:28: per OXIDATION?

00:09:30: Lasst mich mal schauen, ob ich das für unsere Hörer richtig vor Augen habe!

00:09:34: Also diese großen Lipidmoleküle sind schwerfällig und riechen nach gar nichts... Die Metallionen wirken dann im Grunde wie eine Art, naja, wie so eine mikroskopische chemische Schere die wie Wild um sich schlägt.

00:09:46: Sie zerschneiden diese großen Trägen-Fettstrukturen auf meiner Haut buchstäblich in kleine Stücke In so einer Art Konfetti.

00:09:53: Das ist ein hervorragendes Bild.

00:09:55: Ja, die Schere passt perfekt!

00:09:57: Die Lipid per Oxidation zerreißt die großen Fettmoleküle Und das Entscheidende ist jetzt was aus diesen Fetzen wird

00:10:05: Weil sie kleiner werden.

00:10:06: Genau Wenn du ein großes, schweres Molekül in viele kleine Fragmente zerschneidest, änderst du seine physikalischen Eigenschaften.

00:10:14: Die neu entstandenen Fragmente sind winzig, leicht und vor allem sie sind hochgradig flüchtig!

00:10:20: Ah... Und jetzt schließt sich der Kreis zur Physik des Riechens die wir am Anfang hatten?

00:10:25: Plötzlich haben wir Moleküle die leicht genug sind um abzuheben

00:10:29: Richtig.

00:10:30: Die Fette, die gerade noch fest auf meine Haut klebten, verdampfen jetzt als unsichtbare Wolke und fliegen mir direkt in die Nase.

00:10:37: Exakt so ist es!

00:10:39: Und das Leipziger Forscher-Team konnte durch ihre Analysen den absoluten Hauptverursacher dieses Geruchs isolieren.

00:10:46: Aus dieser chemischen Schegerei zwischen Eisenionen, Sauerstoff und Hautlipiden entsteht als Hauptprodukt ein ganz bestimmtes Keton.

00:10:54: Hat das einen Namen?

00:10:55: Ja, sein wissenschaftlicher Name lautet eins octen minus drei ohn.

00:11:00: Eins octen-drei-ohn!

00:11:02: Das ist also der chemische Name für dieses flüchtige Konfetti das meine Nase fälschlicherweise als Metall interpretiert

00:11:09: Genau.

00:11:10: Und das Faszinierende daran ist, egal ob du Kupfer, Eisen oder Messing anfasst der Geruch den du wahrnimmst fast immer identisch weil die chemische Schere dieselbe ist und der Rohstoff also deine Haut ebenfalls derselbe bleibt.

00:11:23: Das ergibt total Sinn!

00:11:24: Das Metall ist austauschbar.

00:11:25: weil ich die Konstante bin Octen-Dryon

00:11:28: ist exakt das was dein Gehirn seit deiner Kindheit als Metallgeruch kategorisiert hat.

00:11:34: Du hast dein ganzes Leben lang geglaubt, das Metall sendet einen Gruch aus.

00:11:38: In Wahrheit hat dich das Metall nur als stumme Auslöser benutzt.

00:11:42: Wow!

00:11:43: Es ist wie ein Dirigent der selbst keinen einzigen Ton spielt aber dass Orchester deine Hautlipide dazu bringt diese schrille Symphonie zu spielen

00:11:52: Das ist wirklich raffiniert wie die Natur das macht.

00:11:55: wir sind das Instrument.

00:11:56: das Metall gibt nur den Takt vor.

00:11:59: Aber ich muss hier noch mal einhaken denn da drängt sich mir sofort so eine logische Lücke auf.

00:12:05: Also selbst wenn ich diese chemische Kettenreaktion jetzt verstehe, warum ist dieser Geruch so unfassbar intensiv?

00:12:13: Ich meine, wenn ich diesen alten Schlüssel aus dem Keller nur für zwei Sekunden in die Hand nehme dann riecht mein Fänger stundenlang danach.

00:12:21: Ich bekomme das kaum mit Seife weggewaschen!

00:12:24: Das ist ja nur ein bisschen kaputtes Hautfett... Warum reagiert unsere Nase dermaßen panisch und übersensibel auf dieses eine

00:12:31: Molekül?!

00:12:32: Das ist die wichtigste Frage überhaupt.

00:12:35: Denn wenn wir das jetzt nur auf die reine Chemie reduzieren, dann entgeht uns tatsächlich das Wichtigste!

00:12:41: Um zu verstehen warum unsere Rezeptoren bei ONEOK den drei Ohren der Art eskalieren müssen wir einen großen Schritt zurücktreten und uns die evolutionäre Geschichte des Menschen ansehen.

00:12:56: Wenn wir das mit dem großen Ganzen verbinden, wird nämlich klar die Natur baut keine hochsensiblen energetisch teuren Sensorinnen unseren Körper ohne dass es ums nackte Überleben geht.

00:13:08: Und die Antwort auf deine Frage liegt darin wo dieses Molekül in der Natur noch vorkommt.

00:13:14: Okay, wo denn?

00:13:15: Denn unsere Vorfahren in der afrikanischen Savanne hatten ja wohl kaum mit Eisengeländern oder Kupfergeld zu tun, oder?

00:13:21: Richtig!

00:13:22: In der natürlichen Umgebung von frühen Hominiden kam gediegenes Eisen so, wie wir es heute nutzen – praktisch überhaupt nicht vor.

00:13:29: Aber sie kannten eins Octäne drei Ohn trotzdem extrem gut!

00:13:34: Es ist nämlich in der Natur exakt derselbe Stoff, der für den typischen metallischen Geruch von Blut verantwortlich ist.

00:13:40: Von Blut?

00:13:41: Warte... Du willst mir sagen….

00:13:43: wenn wir bluten passiert auf unserer Haut genau dasselbe wie beim Zellen von Münzen?

00:13:47: Bis in den allerletzten chemischen Schritt

00:13:49: hinein?!

00:13:50: ist es identisch.

00:13:51: Das

00:13:51: ist ja der Wahnsinn!

00:13:52: Blut hat einen hohen Eisenanteil, das Eisen sitzt im Hemoglobin also in den roten Blutkörperchen und ist dort für den Sauerstofftransport zuständig.

00:14:03: Wenn jetzt Blut austritt sei es durch eine Wunde bei dir selbst oder einem Tier und dieses Blut auf die Haut gelangt Dann trifft das im blutgebundene Eisen auf exakt dieselben Hautlipide, die wir vorhin besprochen haben.

00:14:15: Ah ich verstehe!

00:14:16: Das Bluteisen wirkt auf der Haut als exakt derselbe Katalysator.

00:14:20: Es startet die Lipid per Oxidation, zerschneidet die Fette und produziert schlagartig Unmengen an Eins-Octin III on.

00:14:28: Chemisch gesehen sind der Münzgeruch und der Blutgeruch ein und dasselbe

00:14:33: Wahnsinn, das erklärt so einiges.

00:14:35: Das bedeutet also, dass dieser Metallgeruch für unsere Uhrahnen das ultimative Wahn- oder Jagdsignal war.

00:14:42: Es gab keine Kupfermünzen!

00:14:44: Wenn es plötzlich so roch dann floss irgendwo Blut.

00:14:47: Genau und für unsere Vorfahren war's ein gewaltiger überlebenswichtiger Vorteil.

00:14:53: Blut so schnell und so präzise wie möglich riechen zu können.

00:14:57: Stell dir vor, du lebst in einer gefährlichen Raunumgebung.

00:15:00: Du musst es sofort bemerken wenn du selbst verletzt wurdest.

00:15:04: Klar vielleicht in einem Kampf oder bei einem Sturz ohne dass man die Wunde direkt sieht?

00:15:08: Richtig!

00:15:09: Oder du musstest im Dunkeln riechen können wenn ein Mitglied deiner Gruppe blutet um helfen zu können und als Jäger musstest du der Spur eines verletzten Beutetiers durch unübersichtliches Gelände folgen können.

00:15:21: Diejenigen unserer Vorfahren, die Eins-Oktänen drei Ohn am schnellsten wahrnehmen konnten, fanden Nahrung, vermieden Infektionen und entgingen Raubtieren, die vom Blutgeruch angelockt wurden.

00:15:32: Und die haben überlebt?

00:15:34: Genau!

00:15:34: Sie überlebten und gaben genau diese Gene an uns weiter.

00:15:38: Ja wir haben diesen Alarmknopf also einfach geerbt.

00:15:41: Jedes Mal wenn ich an der Supermarktkasse stehe und nach dem Wechselgeld unbewusst den Geruch an meinen Händen wahrnehme Schlägt tief in meinem Hirn eigentlich ein steinzeitlicher Überlebensalarm an.

00:15:53: Der ruft Achtung, frisches Blut!

00:15:55: Absolut – deine Nase ist auf diesen chemischen Marker geeicht wie ein Geigerzähler auf Radioaktivität.

00:16:03: Im Laufe der Evolution hat sich unsere Nase zu einem unfassbaren Hochleistungssensor für dieses eine Molekül entwickelt….

00:16:10: Man darf ja nicht vergessen, Menschen haben verglichen mit Hunden oder Bären einen ziemlich miserablen Geruchssinn.

00:16:17: Ja wir sind eher so die visuellen Typen.

00:16:19: Eben!

00:16:19: Wir sind visuelle Wesen aber bei eins Octäne drei Ohnen schlagen wir fast jedes andere Tier um dir man eine Vorstellung davon zu geben wie absurd sensibel wir auf diesen Stoff reagieren.

00:16:31: stell dir mal ein olympisches Schwimmbecken vor.

00:16:33: Okay also diese fünfzig Meter langen Wettkampfbecken in die locker über zwei Millionen Liter Wasser passen

00:16:40: Korrekt.

00:16:41: Wenn wir dieses Molekül in Wasser lösen würden und wir reden hier von der Nachweisgrenze für die menschliche Nase, dann reicht ein einziger winziger Tropfen purem Eins-Octin drei Ohn aus, der in dieses riesige Schwimmbäckenfeld und dort komplett durchmischt wird.

00:16:57: Der durchschnittliche Mensch könnte diese extrem feine Verdünnung immer noch riechen!

00:17:02: Ein Tropfen auf Millionen Liter Wasser?

00:17:05: Ernsthaft?!

00:17:06: Ja... Danielrich-Rezeptoren brauchen nur winzigste Mengen dieses Konfettis aus der chemischen Schere, um sofort ein klares Signal ans Gehirn zu senden.

00:17:15: Das ist wirklich Wahnsinn!

00:17:16: Wir reduzieren unseren Geruchssinn ja so oft auf Parfümen, Essen oder so Müllgeruch am Straßenrand – aber in Wirklichkeit tragen wir eine hochspezialisierte biologische Alarmanlage mitten im Gesicht.

00:17:29: Das Gehirnen hat in der modernen Welt scheinbar nur ein kleines Problem Es wird permanent durch völlig harmlose Gegenstände getriggert.

00:17:37: Und genau das ist der Konflikt!

00:17:38: Wir leben nicht mehr in der Steppe, wir streifen nicht mehr durch den Busch auf der Suche nach verletzten Mammuts.

00:17:44: Stattdessen haben wir uns eine Welt erschaffen die voll gestopftigt mit raffinierten Metallen.

00:17:48: Wir sind ja überall von Eisen, Kupfer, Stahl und Legierungen umgeben.

00:17:53: Richtig

00:17:53: – wir fassen täglich hunderte Male Metall an.

00:17:57: Der biologische Alarm wird also ausgelöst aber der visuelle Kontext fehlt.

00:18:03: Unser Gehirn sieht kein Blut, es sieht ein Treppengeländer oder eben ein Euromünze.

00:18:08: Also hat das Gehirne gelernt dieses sensorische Signal im modernen Kontext einfach neu zu interpretieren und als Metallgeruch abzuspeichern um den kognitiven Widerspruch aufzulösen.

00:18:20: Das beruhigt mich irgendwie.

00:18:22: Es ist also einfach eine clevere Lösung des Gehirns um nicht ständig in Panik auszubrechen nur weil man den Einkaufswagen angefasst hat.

00:18:29: Wahnsinn Fassen wir diese ganze Entwicklung für uns noch einmal kompakt zusammen.

00:18:34: Die Forschung aus Leipzig hat da wirklich eine der hartnäckigsten Alltagstäuschungen komplett entlarvt.

00:18:39: Das kann man so sagen!

00:18:40: Wenn du als Zuhörer das nächste Mal eine Handvoll Kupfermünzen aus dem Portmonier kramst, im Fitnessstudio an einer kalten Eisenhandel trainierst oder einfach nur das Treppengelände anfasst weißt Du jetzt dass Metall selbst schweigt?

00:18:54: Es dünnstet überhaupt nichts aus.

00:18:57: Es ist lediglich der unsichtbare chemische Katalysator, quasi die Schere, die deine eine Haut angreift.

00:19:04: Genau!

00:19:05: Das mikroskopische Labor das diesen Geruch erschafft bist du selbst.

00:19:09: Deine Hautlipide reagieren mit den winzigen Metallionen im Schweiß und werden in Sekunden schnelle zu dem flüchtigen Molekül eins Octen-Drei Ohn zerrissen.

00:19:19: Das was wir als Metallgerucht bezeichnen ist eigentlich ein tägliches kleines Wunder der Biologie und der Evolution.

00:19:27: Der Geruch deines eigenen, zersetzten Hautfetts, das dem Gehirn die Illusion von Metall

00:19:33: vorgaukelt.".

00:19:33: Perfekt zusammengefasst!

00:19:35: Und wenn wir dieses Wissen nehmen – und es mal noch einen Schritt weiter in unsere Gegenwart übertragen … dann wirft das eine enorm spannende vielleicht sogar so ein bisschen beunruhigende Frage auf…

00:19:48: Oh was meinst du?

00:19:49: Na ja, wir wissen jetzt, dass unser Geruchssinn dermaßen olympisch Windbecken-Sensibel darauf getrimmt ist.

00:19:55: Selbst die winzigsten chemischen Reaktionen zwischen unserer Haut und Metall als archaisches Warnsignal für Blut zu interpretieren?

00:20:03: Was passiert eigentlich mit uns in einer hoch technologisierten Umgebung?

00:20:08: Wir verbringen unser Leben in modernen Bürogebäuden – in Fabriken, in Verkehrsmitteln, die komplett voller Metalle und synthetischer Oberflächen sind!

00:20:17: Wie oft schrillen in unserem Unterbewusstsein wohl unbemerkt diese uralten evolutionären Alarme, weil unsere Nase etwas registriert das unser Verstand gar nicht einordnen kann.

00:20:29: Vielleicht ist genau das der unsichtbare Grund, warum wir uns in bestimmten sterilen metallischen Räumen in Flughäfen oder Krankenhäusern manchmal ganz plötzlich unwohl gestresst oder alarmiert fühlen.

00:20:42: Unser Auge und unser Verstand sagen uns hier ist alles sicher und sauber aber unsere Nase funktiv in das Stamm hören direkt in unser limbisches System eine ganz andere Millionen Jahre alte Botschaft befahr!

00:20:56: Blut sei wachsam.

00:20:58: Das ist ein Gedanke, den man definitiv erst einmal sacken lassen muss.

00:21:01: Unsere modernen rationalen Reaktionen werden vielleicht in einem viel größeren Ausmaß von diesen uralten chemischen Mikroverbindungen gesteuert als wir uns das jemals eingestehen würden.

00:21:12: Das ist wirklich ein fantastisches Schlusswort und absolut genug Stoff um beim nächsten Kontakt mit dem Kleingeld an der Bäckertege mal ganz genau hinzuspüren und vor allem hin zu riechen!

00:21:21: Ich danke dir für deine Zeit und diese großartige Perspektive heute.

00:21:25: Sehr gerne es war mir ein Fest

00:21:27: Und vor allem danke an Dich fürs Zuhören und für Deine Neugierde, Dich mit uns auf dieses faszinierende, unsichtbare Detail des Alltags einzulassen.

00:21:36: Behalte dieses kleine Geheimnis im Hinterkopf wenn Du das nächste Mal in die Welt der stummen Metalle greifst!

00:21:42: Wir verabschieden uns für heute und freuen uns schon auf die nächste gemeinsame Recherche in unsere Quellen – bis dahin.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.