Folge 1 - Was man über den Duft des Regens wissen sollte
Shownotes
Kurzer Podcast der Euch erklärt warum es nach einem Regen so gut duftet :)
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen zu deinem Podcast
00:00:01: mit Wissen für jeden
00:00:03: Tag.
00:00:04: Du kennst doch sicher diesen erdigen, fast schon süßlichen Duft nach so einem warmen Sommerregen oder?
00:00:12: Oh
00:00:12: ja total!
00:00:12: Da steigt die Laune ja bei den meisten eigentlich sofort.
00:00:15: Genau man atmet automatisch irgendwie tiefer ein und unsere Mission für die heutige Analyse ist es genau dieses magische Alltagsphänomen mal komplett zu entschlüsseln.
00:00:26: Wir haben uns die wissenschaftlichen Quellen dazu sehr genau angeschaut.
00:00:29: Ja, und da stecken ein paar echte Überraschungen drin!
00:00:33: Die Wissenschaft hat nämlich sogar einen hochoffiziellen Namen für – dieser Geruch nennt sich Petrichor.
00:00:39: Petrich-Hor?
00:00:41: Klingt irgendwie total abgefahren.
00:00:43: Woher kommt das?
00:00:44: Das kommt aus dem Altgriechischen.
00:00:47: Also Petra steht für Stein und Ichhor war in der griechischem Mythologie quasi diese goldene Flüssigkeit, die anstelle von Blut in den Adern der Götterfloss.
00:00:56: Okay krass!
00:00:57: Götternblut.
00:00:58: Das klingt jetzt wahnsinnig dramatisch für etwas das im Grunde genommen einfach nur nasser Erdboden ist.
00:01:03: also da sind wir doch wissenschaftlich sicher auf einem etwas profaneren Level unterwegs oder?
00:01:08: Ziemlich profan, ja.
00:01:10: Also wenn der Boden über längere Zeit austrocknet dann geraten bestimmte Bodenbakterien die Streptomäses massiv unter Stress
00:01:20: und die arbeiten dann auf Hochtouren um zu überleben.
00:01:23: richtig?
00:01:23: Ganz genau!
00:01:24: Die fahren ihren Stoffwechsel hoch und dabei produzieren sie als Nebenprodukt eine chemische Verbindung die nennt sich
00:01:32: Geosmin.
00:01:34: Ja und dieses Geosmin sammelt sich dann einfach auf den trockenen Steinen, auf Blättern oder eben auf der Erde an.
00:01:41: Warte mal kurz wir schnüffeln also wenn wir diesen tollen Sommerregen riechen im Grunde genommen nur Bakterienabfall?
00:01:48: Naja technisch gesehen schon ja!
00:01:50: Das macht diesen ganzen poetischen Moment gerade ein bisschen kaputt.
00:01:53: für mich aber viel wichtiger wenn dieses Geo-Smin da einfach nur flach auf dem trockenden Gestein rumliegt wie kommt das denn in meine Nase?
00:02:02: Weil Wasser wäscht Dinge doch normalerweise tief in den Boden rein, es schleudert sich ja nicht nach oben.
00:02:08: Genau da kommt die Physik ins Spiel!
00:02:10: Das ist wirklich faszinierend.
00:02:12: in den Quellen beschrieben – wenn diese ersten Regentropfen auf den knochentrocknen Boden prallen, dann passiert das mit einer enormen Wucht.
00:02:21: Und was passiert beim Aufprall genau?
00:02:23: Der Tropfen breitet sich flach aus und schließt dabei so mikroskopisch kleine Luftbläschen unter sich ein.
00:02:31: Warte, dazu habe ich doch neulich erst zu Hochgeschwindigkeitsaufnahmen aus einer Studie von der University of Melbourne gesehen.
00:02:37: Das sah komplett unwirklich aus!
00:02:39: Ja absolut!
00:02:40: Diese winzigen Luftbläschen schießen da quasi durch den Regentropfen nach oben und platzen dann an der Oberfläche auf.
00:02:47: Das wirkt wie so ein mikroskopisch kleiner Parfazetteuber, der platzt...
00:02:51: ...das ist eigentlich der perfekte Vergleich weil diese platzenden Bläschen erzeugen einen Erosol also so nen ultrafeinen Nebel
00:02:59: Und da ist dann dieses Geosmin drin.
00:03:01: Richtig, dieser Nebel ist randvoll mit dem Geosmine vom Boden und teilweise auch mit pflanzlichen Ölen.
00:03:08: Der Wind erfasst dieses Erosol dann und trägt es dir direkt in die Nase.
00:03:12: Okay der Regen katapultiert den Duft also buchstäblich aus dem Boden.
00:03:17: Mechanik verstanden Aber ähm hier hänge ich noch ein bisschen.
00:03:22: Warum reagieren wir so extrem emotional darauf?
00:03:26: Wie meinst du das?
00:03:27: Na ja Wenn mir jetzt jemand ein Flächchen mit synthetischem Geosmin unter die Nase halten würde, würde mein Gehirn ja trotzdem sofort Erleichterung und gute Laune signalisieren.
00:03:38: Woher kommt das?
00:03:40: Das ist reine Evolutionsbiologie!
00:03:43: Unser Gehirne hat Petrischer über Millionen von Jahren mit der absolut wichtigsten Ressource überhaupt verknüpft – und zwar mit Süßwasser.
00:03:50: Also ein purer Überlebenstrieb.
00:03:52: Exakt Für unsere Vorfahren in der Steppe war Regen eben nicht nur so eine nette Abkühlung im Sommer, sondern die absolute Garantie für das Überleben.
00:04:00: Dieser Duft signalisiert dem tiefsten ältesten Teil unseres Gehirns einfach du wirst nicht verdursten, die Pflanzen wachsen wieder und die Tiere kommen zurück.
00:04:08: Aber da muss ich mal kurz einhagen!
00:04:10: Unsere Vorfahren hatten doch Augen im Kopf.
00:04:12: also man sieht doch wenn sich der Himmel verdunkelt und es anfängt zu regnen.
00:04:15: wozu mussten wir dafür einer Art Supernase entwickeln?
00:04:19: Weil man Regen riechen kann, lange bevor man ihn überhaupt sieht.
00:04:21: Ach wegen der Distanz?
00:04:22: Ja genau!
00:04:24: In einer echten Dürreperiode konnte die Fähigkeit über weite Distanzen Wasser oder eben heranziehende Stürme zu erschnüffeln wirklich über Leben und Tod entscheiden.
00:04:34: das war ein gigantischer evolutionärer Vorteil.
00:04:37: okay dass leuchtet total ein aber sind wir Menschen da eigentlich alle gleich kalibriert?
00:04:42: ich kenne mich Leute für die Richtregen in der Stadt einfach nur nach nassem Hund und Asphalt.
00:04:47: Wir sind da tatsächlich sehr unterschiedlich.
00:04:49: Die Studienlage zeigt, dass etwa zehn bis zwanzig Prozent der Menschen so eine genetisch bedingte Veranlagung haben dieses Geosmin extrem intensiv wahrzunehmen.
00:04:59: das sind so echte Superschnüffler
00:05:01: Wahnsinn!
00:05:02: Und der Rest riecht es dann einfach weniger.
00:05:04: Manche nehmen es wirklich kaum wahr und du hast gerade einen sehr guten Punkt angesprochen.
00:05:09: die Umgebung verändert den Duft nämlich total.
00:05:11: Ah ok
00:05:12: In der reinen Wüste ist Patrickor wahnsinnig intensiv und klar, aber im Wald vermischt sich das Giosmin dann halt mit Harz, ätherischen Ölen und Moos zu einem ganz anderen Bouquet als eben auf dem städtischen Asphalt.
00:05:27: Das
00:05:27: ergibt Sinn!
00:05:28: Also... Praktisches Take-Away für dich als Zuhörer.
00:05:32: beim nächsten Mal, wenn es nach einer langen Trockenperiode anfängt zu regnen solltest du dir definitiv mal eine halbe Minute Zeit nehmen.
00:05:39: Stell dich einfach nach draußen schließt die Augen und atme ganz tief ein!
00:05:43: Ja weil diese kleine Alltagseuforie ist absolut kein Zufall sondern wirklich ein Gruß unserer ältesten Instinkte – Ein kleines unsichtbares Feuerwerk der Natur
00:05:54: Definitiv!
00:05:56: Und das bringt mich zu einer Frage, die du dir heute Abend mal durch den Kopf gehen lassen kannst.
00:06:00: Wenn unser Gehirn evolutionär derart stark darauf programmiert ist dem Geruch von Regenwasser zu lieben welche anderen uralten Überlebensinstinkte steuern wohl heimlich unsere Vorlieben und Entscheidungen im modernen Alltag ohne dass wir auch nur den Hauch eine Ahnung davon haben?
00:06:18: Das war unser Wissen für euch.
00:06:19: Vielen Dank, dass ihr dabei wart.
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